Uniqa-Studie: Handlungsbedarf bei Altersvorsorge 

Trotz großem Interesse an individueller Vorsorge sind Finanzwissen und die konkrete Umsetzung rückläufig.

Ein finanziell abgesichertes Leben in der Pension, das wünschen sich die meisten Menschen für ihr fortgeschrittenes Alter. Doch was am Ende des Erwerbslebens wirklich herausschaut, steht oft auf einem anderen Papier. Die aktuelle Finanzvorsorge-Studie von Uniqa mit 3.029 repräsentativ Befragten zwischen 16 und 60 Jahren zeigt Diskrepanzen zwischen Interesse und Umsetzung: 70 Prozent interessieren sich für Möglichkeiten der Pensionsvorsorge, 60 Prozent für unterschiedliche Veranlagungsformen ihres Geldes. Aber nur 17 Prozent jener Befragten, die noch nicht in Pension sind, haben ihre voraussichtliche staatliche Pension bereits berechnet oder berechnen lassen und gar nur elf Prozent der Befragten können korrekt oder gut einschätzen, wie viel vom letzten Nettoeinkommen in Österreich aktuell durchschnittlich als staatliche Pension übrigbleibt (Nettoersatzrate). 

Ebenfalls nur 34 Prozent der Befragten gaben an, bereits konkrete Maßnahmen zur finanziellen Vorsorge getroffen zu haben – eine negative Entwicklung: 2025 waren es noch 37 Prozent. Dabei sind Frauen (32 Prozent) tendenziell weniger aktiv als Männer (36 Prozent). „Die eigentliche Herausforderung liegt heute weniger im fehlenden Problembewusstsein als im Schritt von der Sorge zur konkreten Planung und Umsetzung“, sagt René Knapp, Uniqa-Vorstand für Personenversicherung.

Teuerung verkleinert Spielraum

Dass heuer weniger Menschen als noch im Vorjahr konkrete Maßnahmen für die Absicherung im Alter getroffen haben, dürfte zu einem wesentlichen Anteil an der aktuellen finanziellen Belastung vieler Haushalte liegen. Weniger als die Hälfte der Befragten (45 Prozent) könnte ihre Lebenshaltungskosten bei Verlust der Haupteinnahmequelle für mindestens drei Monate decken, ohne sich Geld zu leihen oder umzuziehen. Nur rund jeder Zweite (51 Prozent) könnte eine größere Zahlung in Höhe eines Monatseinkommens ohne Hilfe begleichen.

Bei beiden Faktoren seien rückläufige Tendenzen zu erkennen, so Bettina Fuhrmann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik und des Kompetenzzentrums für Finanzbildung an der Wirtschaftsuniversität Wien. Bei einer OECD-Studie aus dem Jahr 2022, bei der ähnliche Fragen gestellt worden seien, hätten in Österreich noch 75 Prozent aller Befragten angegeben, ohne Hilfe eine größere Ausgabe stemmen zu können. 58 Prozent hätten damals noch bei einem Einkommensverlust ihre Ausgaben für drei Monate decken können.

Auch beim Finanzwissen sind die Ergebnisse rückläufig. Gaben 2025 noch 31 Prozent an, ein eher oder sehr hohes Wissen zu haben, waren es heuer nur mehr 26 Prozent. Frauen (18 Prozent) schätzen ihr Wissen deutlich niedriger ein als Männer (34 Prozent). Der Rückgang könnte jedoch dadurch erklärbar sein, dass das Problembewusstsein steigt und Menschen das eigene Wissen kritischer hinterfragen.

In Finanzfragen wird Künstliche Intelligenz immer öfter eingesetzt, der Bedarf an menschlicher Begleitung ist dennoch ungebrochen: 70 Prozent würden sich bei Entscheidungen zu Produkten für Altersvorsorge und Absicherung trotz KI-Nutzung zusätzlich persönlich beraten lassen. Bei unterschiedlichen Empfehlungen zu Finanz- oder Versicherungsprodukten würden nur 9 Prozent eher der KI folgen, aber 44 Prozent eher einer persönlichen Beratung.

AusgabeRZ43-2026

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