jung&jeder: Warum Frau Holle einen Wutanfall bekommt

Das Jugendprogramm der Salzburger Festspiele tourt heuer mit den zwei mobilen Produktionen „Kri“ und „Holle!“ durchs Land.

Auf der Bühne ist ein Mädchen zu sehen, das auf der Bank einer schäbigen Bushaltestelle schläft. Die Dorfbewohner des Ortes Hinterdupfing ereifern sich über diesen ungewöhnlichen Gast. Die Gerüchteküche brodelt, alle sind in hellem Aufruhr. „Was macht das Mädchen dort? Was hat sie denn vor? Sie wartet doch auf niemanden. Mit uns kann man doch reden!“, raunen sich die Menschen aufgeregt zu. Dann wird die Szene plötzlich unterbrochen. „Bitte noch einmal die Anfangsszene, stellt euch etwas seitlicher auf“, ruft Regisseur Tanju Girişken dem jungen Ensemble – Tanja Radovanović, Marie Luise Arnold, Amadeus König und Camilla Krause – zu. 

Bei der Probe zum Jugendstück „Kri“, das dieses Jahr Teil des Jugendprogramms der Salzburger Festspiele ist, wird derzeit am letzten Feinschliff gearbeitet. Bald geht es mit dem Stück von Autor Stefan Wipplinger auf Tour. „Fremdsein ist das zentrale Thema und wie jemand durch Vorurteile und klischeehafte Zuschreibungen der Mehrheitsgesellschaft fremd gemacht wird“, sagt Regisseur Girişken über die Schauspielneuproduktion für Kinder ab zehn Jahren. 

Für den Theatertext wurde Autor Wipplinger 2025 mit dem Retzhofer-Dramapreis in der Kategorie „Junges Publikum“ ausgezeichnet. Dramaturgin Maria Leitgab betont bei der Vorstellung des diesjährigen Jugendprogramms: „Diese Geschichte könnte in jedem Dorf spielen.“ Zudem seien Fremdsein und Zugehörigkeit auch für Kinder aktuelle Themen. „Ob neue Schule oder ein Umzug, es betrifft jeden einmal.“

„Das Publikum von jetzt“ 

Das Jugendprogramm jung&jeder öffnet die Türen auch heuer wieder für junge Zuschauer. So ist das Ensemble mit „Kri“ vom 19. März bis 7. Mai im Rahmen des Programms „Von Abtenau bis Zell am See“ unterwegs und zeigt die Produktion in zwölf Vorstellungen für Schulklassen in Kulturzentren und Schulen. Im Festspielsommer wird es fünf Aufführungen von „Kri“ im Schauspielhaus Salzburg geben, die Premiere findet am 23. Juli statt.

„Wenn wir junge Menschen erreichen wollen, müssen wir zu ihnen gehen“, erklärt Festspielpräsidentin Kristina Hammer das Format. „Nicht alle Kinder haben das Glück, in kulturverbundenen Familien aufzuwachsen“, sagt auch Ursula Gessat, die Leiterin des Jugendprogramms der Salzburger Festspiele. Es gehe nicht darum, das Publikum von morgen zu gewinnen. „Die Kinder sind für uns das Publikum von jetzt.“ 

Maria Leitgab (Dramaturgie „Kri“), Ursula Gessat, Leiterin des Jugendprogramms der Salzburger Festspiele, und Catharina von Bülow (Regie „Holle!")
Maria Leitgab (Dramaturgie „Kri“), Ursula Gessat, Leiterin des Jugendprogramms der Salzburger Festspiele, und Catharina von Bülow (Regie „Holle!“) © SF/Neumayr/Leo

Reicher Sommer

Neben „Kri“ wird es mit der Kinderoper „Holle!“ eine weitere mobile Produktion geben. Ursula Gessat betont: „Wir haben einen reichen Sommer vor uns.“ Die Kinderoper von Sebastian Schwab startet mit einer Wutarie von Frau Holle, denn sie hat es nicht leicht in ihrem Job. Sie ist fürs Wetter zuständig und bekommt permanent Beschwerdebriefe von den Menschen auf der Erde. Den einen ist es zu warm, den anderen zu kalt und den nächsten regnet es zu viel. Dabei ist das Wetter doch kein Wunschkonzert. Frau Holle hat es satt und schmeißt hin, ihre Assistenten Gold-Andy und Pech-Andy müssen das Wettermachen von nun an übernehmen. „Und das läuft nicht ganz reibungslos“, verrät Regisseurin Catharina von Bülow. 

„Holle!“ beschäftigt sich spielerisch mit dem Thema Klimawandel. „Fragen rund um das Klima bewegen viele Jugendliche“, sagt von Bülow. Bei der Vorstellung werde aber auch viel gelacht, so die Regisseurin. Umgesetzt wird die Miniatur-Kinderoper von einer Sängerin und zwei performenden Musikern – auf dem Hammerklavier und der Klarinette. Die Koproduktion mit dem Musiktheater an der Wien nach Motiven des Grimm’schen Märchens feierte in Wien bereits Premiere, nun tourt die Oper für Kinder ab sechs Jahren vom 10. April bis 22. Mai mit 13 Vorstellungen durch das Land. Im Sommer gibt es fünf weitere Aufführungen im Schauspielhaus Salzburg, die Premiere wird am 17. Juli gefeiert.

Von Freundschaft und Vertrauen

Mit dem Musiktheater „King Arthur Junior“ wird außerdem eine Neukomposition im Auftrag der Salzburger Festspiele realisiert. Gordon Kampe hat die Oper von Henry Purcell und die „nicht sehr kindgerechte Geschichte“ überarbeitet, sagt Gessat. In der Kinderoper begeben sich fünf Sängerinnen und Sänger des Young Singers Project mit einer Puppenspielerin und einem zehnköpfigen Orchester in einen Zauberwald und begegnen dabei Geistern und falschen Hoffnungen. 

Das Orchester der Kinderoper setzt sich aus Mitgliedern der Angelika Prokopp Sommerakademie der Wiener Philharmoniker zusammen. Fabiola Kuonen, Autorin des Librettos und Regisseurin der Oper, stellt eine Geschichte über Freundschaft und Vertrauen ins Zentrum – als Gegenbild zu Konkurrenzdenken und Machtkämpfen. Yura Yang leitet die Oper musikalisch. „King Arthur Junior“ ist für Zuschauer ab sechs Jahren geeignet und feiert am 26. Juli Premiere, insgesamt gibt es zwölf Vorstellungen. 

robeneinblick in die Schauspielproduktion „Kri" mit Amadeus König, Marie Luise Arnold sowie Camilla Krause (oben)
robeneinblick in die Schauspielproduktion „Kri“ mit Amadeus König, Marie Luise Arnold sowie Camilla Krause (oben) © SF/Neumayr/Leo

Ermäßigte Karten

Das Jugendprogramm geht nun bereits in das sechste Jahr. Raiffeisen Salzburg ist einer der Hauptsponsoren von jung&jeder. „Ohne Sponsoren wäre das Programm in dieser Form nicht zu machen“, betont Festspielpräsidentin Kristina Hammer. Insgesamt wird es von März bis August 57 Vorstellungen geben, zudem auch drei Operncamps zu „St. François d’Assise“, „Ariadne auf Naxos“ und „Così fan tutte“ sowie ein Schauspielcamp zu „Der Menschenfeind“. Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 19 Jahren beschäftigen sich in täglichen Proben und einer Abschlussaufführung mit den Stücken. 

Das Format der Festspielpatenschaften wird ebenfalls fortgesetzt. Junge Zuschauer, die noch nie eine Vorstellung der Festspiele besucht haben, schauen sich gemeinsam mit einem erfahrenen Paten eine Aufführung an. Zudem gibt es 6.000 ermäßigte Tickets für Jugendliche in den Sparten Oper, Schauspiel und Konzert. Die Ermäßigung von bis zu 90 Prozent gilt für Jugendliche und junge Erwachsene bis zum Alter von 27 Jahren.

AusgabeRZ12-2026

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