„In einem wirtschaftlich wie geopolitisch hoch volatilen Umfeld sind starke, stabilisierende Kräfte besonders gefragt“, stellt Genossenschaftsanwalt Walter Lederhilger in seinen Begrüßungsworten zum 80. Genossenschaftstag des oberösterreichischen Raiffeisenverbandes fest und betont: „Die oberösterreichischen Raiffeisen-Genossenschaften übernehmen diese Rolle seit Jahrzehnten mit einem klaren, nachhaltigkeitsorientierten Kompass und auf Basis eines sehr soliden wirtschaftlichen Fundaments.“
Gerade in Zeiten geopolitischer Verwerfungen sei die Frage der Sicherheit zentral geworden, nicht nur im militärischen Sinne. Akkordierte und gemeinsame Strategien seien gefordert, gerade in Österreich, unterstreicht Lederhilger: „Jetzt gilt es, Verantwortung zu übernehmen – und Genossenschaften tun genau das gemäß dem Motto: mehr Gemeinwohl, weniger Alleinwohl.“ Dieser Förderauftrag als zentrales Element von Genossenschaften stehe für regionale Verankerung vor Ort und stelle die Mitglieder in den Mittelpunkt. „Damit sorgen wir für Stabilität und Sicherheit in den Regionen“, so der Genossenschaftsanwalt.
Starke Akteure
Genossenschaften seien wesentliche Akteure in der Finanzwirtschaft, der Agrarwirtschaft sowie in der Lebensmittelproduktion und damit in grundlegenden Bereichen des Lebens, ergänzt Verbandsdirektor Norman Eichinger: „Als Marktführer im Bankensektor sorgen Genossenschaften für einen funktionierenden finanziellen Blutkreislauf, als starke Partner der Land- und Forstwirtschaft sichern sie die Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln aus regionaler Produktion. Gleichzeitig treiben Energiegenossenschaften die nachhaltige heimische Stromerzeugung voran und machen Oberösterreich unabhängiger von globalen Risiken“, fasst er zusammen.
Der größte Vorteil der Genossenschaften liege aber in ihrer klaren Ausrichtung: Sie fördern ihre Mitglieder – 350.000 Oberösterreicher, die zugleich Eigentümer und Kunden sind. „Deren Interessen stehen im Vordergrund und nicht Renditeerwartungen externer Investoren“, so Eichinger. Alle wesentlichen Entscheidungen würden regional, demokratisch und im Sinne der Menschen getroffen. Besonders in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten beweise dieses Modell seine Stärke: Gewinne und Wertschöpfung bleiben vollständig in Oberösterreich und stärken unmittelbar die regionale Wirtschaft. „Kurz gesagt: Ohne Genossenschaften würde in Oberösterreich vieles fehlen – mit ihnen hingegen gewinnt das ganze Land“, betont der Verbandsdirektor.
Finanzieller Kreislauf
So seien die 64 oö. Raiffeisenbanken ein „starkes Herz der oberösterreichischen Wirtschaft“, die als Marktführer für einen stabilen finanziellen Kreislauf sorgen, erläutert Eichinger. Mit einem Wachstum der Ersteinlagen um 3 Prozent auf 29 Mrd. Euro und der Gesamtmittel um 6 Prozent auf 43,8 Mrd. Euro zeige sich einmal mehr ein sehr hohes Kundenvertrauen. Mit den Kundengeldern und dank einer hohen Risikotragfähigkeit konnten die oö. Raiffeisenbanken mit einer Finanzierungsleistung von 23 Mrd. Euro viele Investitionen finanzieren und somit der regionale Wirtschaftskreislauf belebt werden. Dabei werde gesamthaft ein sehr gutes Betriebsergebnis und ein sehr gutes Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erwartet, welches das Eigenkapital und damit die Sicherheit der oö. Raiffeisenbanken weiter stärkt.
Neben dem Bankgeschäft engagiert sich die Raiffeisenbankengruppe Oberösterreich seit jeher für die Gesellschaft und ist beispielsweise Förderer zahlreicher Vereine und regionaler Institutionen. Damit leistet sie einen nachhaltigen Beitrag zu einer hohen Lebensqualität im ganzen Land. Flaggschiff der Bankengruppe sei die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, die als fünftgrößte Bank Österreichs eine zentrale Säule der österreichischen Kreditwirtschaft darstelle und mit ihrem breiten Beteiligungsportfolio vielen heimischen Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung stelle, so Eichinger.
Partner der Landwirtschaft
Das Thema Versorgungssicherheit gewinne angesichts globaler Veränderungen zunehmend an Bedeutung. Die OÖ. Lagerhausgenossenschaften als ein zentraler Eckpfeiler der Versorgungssicherheit seien hier „starker Partner der Land- und Forstwirtschaft“, betont der Verbandsdirektor. Oberösterreich verfüge dank seiner Landwirte über einen hohen Selbstversorgungsgrad; diese wiederum profitieren von starken genossenschaftlichen Partnern wie der Lagerhausgruppe.
Mit über 120 Filialen, 34 Werkstätten und mehr als 2.000 Mitarbeitern stellen die Lagerhäuser alles bereit, was land- und forstwirtschaftliche Betriebe benötigen, und übernehmen darüber hinaus vielfach die Lagerung und Vermarktung der Ernten. Mit einem Umsatz im Jahr 2025 von rund 950 Mio. Euro zählen sie zudem zu den wichtigsten regionalen Nahversorgern und Dienstleistern in den Bereichen Bau, Energie sowie Haus und Garten.
Auch Oberösterreichs Molkereigenossenschaften tragen entscheidend zur Ernährungssicherheit bei. Im Jahr 2025 verarbeiteten sie 1,8 Mrd. Kilogramm Milch zu einer sehr breiten Produktpalette hochwertiger Lebensmittel und schufen damit beträchtliche Wertschöpfung für mehr als 10.000 Bauernhöfe. Auf Basis eines soliden Ergebnisses und einer guten Eigenkapitalausstattung wurden erneut wesentliche Investitionen in die heimischen Werke getätigt, die eine entsprechende Grundlage für auch zukünftig hohe Wertschöpfung der in Österreich erzeugten Milch sind.
Regionale Energie
Vor dem Hintergrund internationaler Unsicherheiten gewinnen regionale Energiequellen stark an Bedeutung. So sind es mittlerweile mehr als 11.000 Oberösterreicher in 137 Genossenschaften, die Strom aus Biomasse, Wasser- und Windkraft sowie Photovoltaik erzeugen beziehungsweise vermarkten. Diese wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen sind nicht nur ein ökonomischer und ökologischer Gewinn, sondern leisten auch einen zunehmend wichtigeren Beitrag zu mehr Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit. Auch 2025 wurden zahlreiche neue Energiegenossenschaften gegründet.
„Die Genossenschaft bleibt dabei die optimale Rechtsform, um die Kraft des Miteinander zu bündeln und gemeinsam zu wirtschaften“, erläutert Eichinger. Die Struktur von Energiegenossenschaften ermögliche die flexible Einbindung vieler Mitglieder und schaffe gleichzeitig einen stabilen Rahmen für nachhaltige Projekte.
Als neue Initiativen hebt der Verbandsdirektor die aktuell neun Schülergenossenschaften in Oberösterreich hervor, die wie „Übungsfirmen“ agieren und praxisnah mit innovativen Projekten Genossenschaften mit Leben erfüllen.








