Tourismus: „Sicherheit schlägt Preis“

Die heimische Tourismusbranche rechnet trotz geopolitischer Krisen mit einem gut gebuchten Sommer – denn Urlauber setzen auf Sicherheit.

„Die geopolitische Lage hat Zurückhaltung ausgelöst“, beschreibt Susanne Kraus-Winkler, Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKÖ, die aktuelle Lage. Damit ist Sicherheit ein wichtiges Kriterium geworden, wenn es um die Reiseplanung geht – sowohl was die Destination als auch die An- und Abreise betrifft. Die Fernmärkte reagieren sensibel, die Kernmärkte bleiben aber stabil, berichtet Astrid Steharnig-Staudinger, Geschäftsführerin der Österreich Werbung, in diesem Zusammenhang. „Sicherheit schlägt Preis“, beobachtet man dort aktuell. Die Lage Österreichs im sicheren europäischen Reiseraum kommt uns in Zeiten der unsicheren Weltlage also zugute. 

Wie sich die Situation für den Tourismus im Sommer konkret entwickeln wird, hat man im Rahmen der Sommer-Potenzialanalyse abgefragt. Diese liefert eine sehr treffsichere Orientierung für die kommenden Monate und wird jedes Jahr sowohl für den Winter als auch den Sommer vorgenommen. 

Mitbewerber Italien

10.000 Personen aus den wichtigsten europäischen Herkunftsmärkten wurden dafür zu ihren Urlaubsplänen befragt – mit dabei waren Österreich, Deutschland, Schweiz, Tschechien, Polen, Italien, Niederlande und UK – sowie erstmals der ungarische und rumänische Markt. „Diese Märkte zählen 81 Prozent unserer Gäste, die nach Österreich reisen“, erläutert Steharnig-Staudinger. Der Befragungszeitpunkt lag zwischen März und April, also bereits nach dem Beginn des Irankrieges.

„Österreich behauptet sich stabil unter den Top-Reisezielen Europas und kann sich in den wichtigsten Märkten auch leicht verbessern“, sagt Steharnig-Staudinger. Die Analyse lässt außerdem erkennen, dass der Mittelmeerraum ebenfalls steigt und Österreich mit Italien seinen größten Mitbewerber in der Bergdestination, aber auch bei den Städten hat. 

13 Millionen Gäste haben ihren Urlaub in Österreich bereits gebucht, weitere 11 Millionen sind noch potenziell erreichbar. Eine Blitzumfrage der WKÖ hat ergeben, dass man bezüglich der Buchungslage noch unter dem Vergleichszeitraum im Vorjahr liegt, wie 55 Prozent der Betriebe angeben. Nur 14 Prozent verzeichnen eine bessere Buchungslage. „Wir gehen davon aus, dass noch vieles spontan passieren wird“, gibt sich Kraus-Winkler zuversichtlich. Das sei in Zeiten wie diesen, die von geopolitischen Krisen begleitet werden, ein sehr typisches Verhalten. 

Herausfordernde Kosten

Auch die Potenzialanalyse dokumentiert eine kurzfristigere und gleichzeitig bewusstere Urlaubsentscheidung der Befragten. „Doch die Branche weiß, wie man damit umgeht, wie man Nerven und Geduld behält.“ Die Spartenobfrau nennt nicht die Nachfrage, sondern den Kostendruck als größte operative Herausforderung für viele Betriebe – 73 Prozent sehen in den steigenden Betriebskosten die größte Herausforderung. „‚Volle Häuser – niedrige Erträge‘ ist in Österreich leider Realität geworden“, so Kraus-Winkler. 

Auch Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner betont: „Entscheidend ist, dass wir die Nachfrage auch in Wertschöpfung, Beschäftigung und regionale Stärke übersetzen.“ Im Rahmen des gemeinsamen Projekts der „Vision T“ erarbeitet man einen strategischen Rahmen, um den Tourismus-Standort Österreich zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt stehen die wirtschaftliche Resilienz, die Qualität, die Weiterentwicklung zur Ganzjahresdestination und die Ausschöpfung von innovativen Potenzialen, um mehr regionale Wertschöpfung zu erreichen.  

Nachfragebooster ESC

Ein touristischer Impuls für den Konjunkturmotor ist der ESC, der vergangene Woche in Wien eröffnet worden ist. Die Tourismusexperten sehen in dem Musikevent nicht nur eine Momentaufnahme. „Der ESC ist ein globaler Nachfragebooster“, so Steharnig-Staudinger. 170 Millionen Menschen werden das Spektakel weltweit mitverfolgen, und „wir werden dieses Schaufenster nutzen, um uns als Österreich zu positionieren“, stimmt Zehetner zu. Musikveranstaltungen sind für viele (60 bis 70 Prozent) Anlass für eine Reise, man spricht vom sogenannten „Gig-Tripping“. In Österreich ist man hier mit einem breiten Musik- und Kulturangebot sehr gut aufgestellt und holt die Gäste auch in der Nebensaison ins Land. Der ESC macht sichtbar, was Österreich auszeichnet, sagt die GF der Österreich Werbung. „Kultur, Musik und viel Lebensgefühl sind nicht nur Image, sondern auch ein konkreter Reiseanlass.“

AusgabeRZ20-2026

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