Fivers-Coach Peter Eckl: „Karriere? Ist mir wurscht!“

Peter Eckl ist ein Phänomen im österreichischen Sport. Seit fast 16 Jahren coacht er erfolgreich die Handballer der Fivers. Wie man sich dabei jedes Jahr neu erfindet und dadurch inspiriert bleibt, erklärt er im Interview.

Dieser Mann ist der personifizierte „Mr. Fivers“. Mit elf Jahren kam Peter Eckl zum Verein, war Spieler, Jugend- und Co-Trainer und leitet seit 2010 als Chef-Coach die Geschicke der Bundesliga-Mannschaft. Wir baten den dreimaligen Meister und sechsmaligen Cupsieger zum Interview, um das „Phänomen Eckl“ zu erklären.

Sie werden im Juli 50, ein Alter, in dem viele Bilanz ziehen. Wie geht es Ihnen beim Gedanken, der ewige „Mr. Fivers“ zu sein?
Peter Eckl: 50 ist eine zufällige Zahl, ich begreife das nicht als Zäsur. Da ich im Sommer Geburtstag habe, habe ich ihn auch schon oft vergessen. Als ich mit 18 Jahren das Gefühl hatte, dass es für die große Spielerkarriere nicht reicht und ich meinen ersten Trainerschein gemacht habe, war nie mein Plan, Trainer zu meinem Beruf zu machen. Die Vision, dass daraus mehr werden könnte, hatte unser Manager Thomas Menzl.

Wie kam das?
Eckl: Er wollte eine Art Akademie gründen, in der die kleinsten Kids bis zur Kampfmannschaft begleitet werden. Dafür hat er Trainer gesucht und anscheinend in mir etwas gesehen. Als 2006 mein Studium (Anm.: Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur) zu Ende ging, war die Frage, ob sich der Trainerberuf für mich ausgeht. Menzl meinte: Klar, das schaffen wir! Also wurde ich erst Co-Trainer und 2010 dann Chef-Trainer bei den Fivers. Und hatte das Glück, gleich in meiner ersten Saison erstmals mit dem Klub Meister zu werden.

Dazu braucht es aber mehr als Glück.
Eckl: Ich habe von Romas Magelinskas eine funktionierende Mannschaft übernommen, die oft Zweiter wurde. Wir haben in dieser Saison viele knappe Spiele für uns entschieden, und wir hatten vor allem Spieler, die mir vertraut haben. Viele von denen waren ja genauso alt wie ich. Das Mastermind im Hintergrund aber war Thomas Menzl. Der sagte: Du bist zwar erst 36, aber du machst das! Ich war in der Bundesliga damals der mit Abstand jüngste Trainer. Und mit meiner explosiven Art bin ich auch an einigen Stellen angeeckt. Die Konkurrenten meinten: Was macht der Kasperl da an der Seite? Da hat der Meistertitel natürlich geholfen.

Es war der Beginn einer unfassbar erfolgreichen Zeit. Bis 2018 wurdet ihr dreimal Meister, fünfmal Cupsieger und Sie dreimal „Trainer des Jahres“ in Österreich. Schwer vorstellbar, dass da nicht mal ein Klub aus dem Ausland angefragt hat, ob Sie nicht Interesse hätten.
Eckl: Ist aber tatsächlich nie passiert. Anfangs hieß es: Klar, der hat ja auch gute Spieler, mit denen man erfolgreich sein kann. Es gab ein paar Angebote, irgendwo eine Jugendabteilung zu leiten, die habe ich aber nicht ernst genommen. Aber die Vision, mich als Chef-Trainer zu holen, hatte niemand. Und es wäre vermutlich auch keine Versuchung für mich gewesen.

Wirklich nicht? Auch nicht bei einem deutschen Traditionsverein zum Beispiel?
Eckl: Es kam keiner mit einem Apfel wie im Paradies, deswegen kann ich leicht behaupten, dass die Versuchung nicht da war (lacht). Klar würde mich interessieren, wie in anderen Vereinen gearbeitet wird, dieser Reiz wird mit zunehmender Erfahrung immer größer. Ich habe aber hier viele, viele Vorteile, die ich sehr zu schätzen weiß. Ich darf mich hier jedes Jahr neu erfinden. Das finde ich großartig, alles andere würde ich als unkreativ und langweilig empfinden. Die Nachteile nehme ich dabei in Kauf.

An welche Nachteile denken Sie?
Eckl: Wir sind finanziell immer in einer prekären Situation. Auch wenn sich vieles schon zum Positiven verändert hat und wir tolle langjährige Partnerschaften wie die mit Raiffeisen haben, waren wir nie auf Rosen gebettet. So richtig groß denken konnten wir nie. So entstand ja auch die Vision, dass wir nicht nur mit unserem eigenen Nachwuchs in der Liga mitspielen, sondern auch erfolgreich sein wollen. Das haben wir 2018 mit dem Meistertitel erreicht, etwas später dann sogar auf europäischer Ebene

Sie sagen, Sie dürfen sich hier immer wieder neu erfinden. Haben Sie ein Beispiel?
Eckl: Als um 2016 die schnelle Mitte aufkam (Anm.: die Möglichkeit, nach einem Gegentor mit einem schnellen Anwurf sofort zum Gegenstoß zu kommen), haben wir gesagt: Das zu perfektionieren, muss unser Ziel sein. Wir haben das ins Extreme getrieben, waren allen anderen Mannschaften in Österreich damit voraus. Selbst als wir 2020 gegen die Füchse Berlin gespielt haben, meinten die: Was ihr da spielt, ist verrückt! Wenn man so etwas woanders ausprobiert und es nicht funktioniert, ist man sofort weg.

Trainer Peter Eckl im Gespräch mit einem Spieler.
© APA/Hans Punz

Zur Wahrheit gehört auch: Seit 2018 haben die Fivers nur einen Titel geholt, den Cupsieg 2021. Standen Sie von Vereinsseite auch mal auf der Kippe?
Eckl: Erstmal muss ich sagen: Für mich war die Saison 20/21 die erfolgreichste überhaupt, obwohl wir „nur“ Cupsieger und in der Liga Zweiter wurden. Aber wir haben etwas geschafft, was wir uns zehn Jahre zuvor vorgenommen hatten – mit jungen Eigenbauspielern international erfolgreich zu sein. Wir kamen in der European League nach zwei Qualirunden, unter anderem gegen Benfica Lissabon, in die Gruppenphase und dann bis ins Achtelfinale, hatten Reisen nach Moskau, Madrid, Toulouse. Das waren unglaubliche Zeiten. Wie war die Frage?

Ob der Klub mal meinte: Wenn Sie jetzt nicht die Kurve kriegen, müssen wir uns trennen.
Eckl: Nein, auch das nicht. Wobei ich der Erste bin, der sagt: Jeder muss austauschbar sein, auch ich. Ob ich in dem Falle weiter einen Platz im Verein hätte oder etwas anderes machen würde – keine Ahnung! Wenn es so weit kommt, wird es schon eine Lösung geben. 

Aber Sie sind bald 50 und haben Ihr komplettes Berufsleben bei den Fivers verbracht. Haben Sie keinen Plan B?
Eckl: Ganz ehrlich: Ich habe mir wirklich nie darüber Gedanken gemacht. Ich höre in letzter Zeit oft die Frage, wie lange ich das hier noch mache, weil ich schon so lange da bin … Aber ich habe mir vor 15 Jahren keine Gedanken gemacht, wie lange es gehen könnte, ich mache mir auch jetzt keine, ob es noch 15 Jahre weitergeht. Mein Vorteil ist, dass mir meine Karriere völlig wurscht ist. Wissen Sie, was Thomas Menzl zum Start 2010 zu mir sagte?

Was?
Eckl: Er möchte, dass ich hier so lange arbeite wie Alex Ferguson bei Manchester United. Der war 27 Jahre dort höchst erfolgreich tätig. Und auch vor dieser Saison habe ich wieder dieses Feuer gespürt: Wir wollen zeigen, dass wir auch nach einem großen Aderlass mit jungen Spielern erfolgreich sein können. Darum geht es mir.

Gutes Stichwort. Sie haben einige Leistungsträger verloren, stehen aktuell auf Rang sieben der Tabelle. Bleiben Sie bei dem vor der Saison ausgegebenen Ziel, um den Titel mitspielen zu wollen?
Eckl: Im Tiefsten meines Inneren: Ja! Weil ich weiß, dass wir das Potenzial dazu haben. Ich weiß aber auch, dass solche Ansagen etwas mit jungen Spielern macht, die empfinden das als großen Druck. Da gilt es, eine Balance zu finden. Oft entscheidet Erfahrung oder Kaltschnäuzigkeit über Sieg und Niederlage, das fehlt manchmal bei jungen Spielern. Unser erstes Ziel ist, nicht ins untere Play-off zu rutschen, das wird schwer genug. Ich bin aber jetzt schon so lange dabei und muss sagen: So eng und ausgeglichen war die österreichische Liga noch nie. Das ist verrückt!

Sie haben in Ihrer Karriere bei den Fivers großartige Spieler betreut, darunter sogar Top-Stars wie Mykola Bilyk. Was bedeutet Ihnen das?
Eckl: Das hat sich alles ergeben. Ich habe diesen Spielern die Plattform und die letzte Inspiration mitgegeben. Aber es gibt ganz viele Trainer vor mir, die auch einen großen Beitrag bei diesen Spielern geleistet haben. Das Schönste für mich ist, wenn Spieler im Nachhinein auf mich zukommen und sagen: Wow, danke, Trainer! Das ist etwas, das mich im Herzen berührt.

Was muss denn sportlich passieren, damit Sie Ihren 50er im Sommer so richtig ausgelassen feiern können?
Eckl: Diese Handball-Welt ist Teil meines Lebens, aber wenn ich im Sommer Geburtstag feiere, geht es um andere Sachen. Erfolg macht gelassen und sorgt für einen guten Schlaf, aber mein großer Vorteil ist, dass ich über ein großes Maß an Resilienz verfüge. Das macht das Leben leichter. Mein Seelenheil hängt jedenfalls nicht davon ab, ob ich ein Spiel gewinne oder verliere.

AusgabeRZ14-2026

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