Die Leasingbranche ist auf Wachstumskurs und kratzte 2025 am 10-Milliarden-Euro-Volumen im Neugeschäft. Wie hat sich Raiffeisen-Leasing in diesem Umfeld geschlagen?
Alexander Schmidecker: Wir haben 2025 beim Neugeschäftsvolumen mit 1,12 Milliarden deutlich die Milliarden-Grenze überschritten und konnten ein Allzeithoch von knapp 22.000 Stück an Neuverträgen verbuchen. Das heißt, de facto wurde alle vier Minuten irgendwo in Österreich ein neuer Leasingvertrag über Raiffeisen-Leasing abgeschlossen. Wir konnten unseren Marktanteil, gemessen am Neugeschäftsvolumen, von 9,7 Prozent im Jahr 2024 auf 11,2 Prozent im Jahr 2025 steigern.
Im Vorjahr schaffte Österreich nach zwei Jahren Rezession die Trendwende und wuchs wieder leicht. Nun trübt sich die Konjuktur ein. Was bedeutet das für Ihr Geschäft?
Schmidecker: Unternehmen zögern mit Investitionen oder geraten selbst in finanzielle Schieflagen. In diesen angespannten Zeiten zählt der persönliche Kontakt, der gute Draht zum Kunden mehr denn je. KYC, also „Know-your-Customer“, ist zwar ein Terminus aus der Regulatorik, aber umgelegt auf den Vertrieb heißt das eben auch, dass ich weiß, was der Kunde in schwierigen Zeiten braucht. Gerade im Mobilien- und Immobilienleasing können wir Liquidität freisetzen und finanziellen Spielraum schaffen, damit Unternehmen das Kerngeschäft stabil halten und notwendige Investitionen tätigen können.
Wie haben sich Ihre Kernbereiche entwickelt?
Schmidecker: Im Kfz-Leasing und Fuhrparkmanagement konnten wir 2025 den Marktanteil um 0,9 Prozentpunkte auf 9,8 Prozent steigern, was in einem kleinen Markt wie Österreich, den wir uns mit 35 Mitbewerbern teilen, ein solides Ergebnis ist. Erfreulich ist, dass wir gemessen am Neugeschäftsvolumen mit einem Wachstum von 22,5 Prozent deutlich besser performt haben als der Markt, der lediglich ein Wachstum von 10,9 Prozent auswies. Einen Rekord feierte auch unser Fuhrparkmanagement, das 2025 erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke beim Finanzierungsvolumen knackte. Besonders stark war das Wachstum im Mobilien-Leasing, wo wir unseren Marktanteil mehr als verdoppeln konnten und nun bei 15,4 Prozent halten. Hier zeigt sich einmal mehr, dass wir sowohl für die Seilbahn in Vorarlberg als auch das Ausflugsschiff auf der Donau, für den Raupenbagger im Drautal bis hin zum Harvester im Waldviertel passende Finanzierungen anbieten können.
Kräftige Impulse dafür kamen aus dem Raiffeisensektor. Worauf führen Sie das zurück?
Schmidecker: Im Vorjahr konnten wir knapp 6.000 Neuverträge über den Raiffeisensektor generieren, was einem Plus von rund 12 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Der Großteil dieser Verträge kommt aus dem Firmenkundengeschäft und genau da bringt Raiffeisen-Leasing echten Mehrwert für die Raiffeisenbanken. Zum einen können wir mit unseren maßgeschneiderten Finanzierungen auf die individuellen Bedürfnisse der Unternehmen eingehen und zum anderen stellen wir mit unseren regionalen Vertriebsteams Finanzierungsexperten vor Ort, die im Rahmen von dualen Beratungsgesprächen auf Fragen der Kunden eingehen und Finanzierungen bis ins kleinste Detail erklären können. Wir macht’s möglich ist in dieser Zusammenarbeit mehr als nur ein Slogan – wir leben die Stärke der Gemeinschaft.
Welche Vorteile bietet Leasing im Vergleich zu anderen Finanzierungen?
Schmidecker: Unsere Kunden schätzen die Flexibilität, Transparenz und Planbarkeit, die Leasing bietet – sowohl für Private als auch für unsere Firmenkunden. Im Kfz-Bereich läuft österreichweit bereits mehr als die Hälfte der Neuzulassungen über Leasing und immer mehr Menschen nutzen unsere Onlinestrecke, um sich mit wenigen Klicks Vergleichsangebote einzuholen oder direkt über den Leasingrechner den Vertrag abzuschließen. Mobilität ist und bleibt ein zentrales Thema im Leben der Menschen und wir machen sie durch Leasing möglich.
Raiffeisen-Leasing setzt vermehrt auf Kooperationen mit Vendoren, im Kfz-Leasing etwa mit Tesla und BYD, bei Landmaschinen auf John Deere. Welchen Beitrag lieferten solche Kooperationen zum Ergebnis?
Schmidecker: In Summe konnten wir 2025 rund 13.000 Verträge aus dem Vendorengeschäft bzw. den Versicherungspartnern und der Uniqa generieren. Diese Zahl zeigt schon, dass es sich um eine absolute Erfolgsgeschichte handelt: Unsere Partner können ihren Kunden am „Point of Sale“ eine attraktive Finanzierung anbieten. Wir können mit standardisierten Produkten arbeiten und die Kunden sind begeistert, wie schnell und einfach sie ihre Finanzierung bekommen. Dadurch erreichen wir auch Menschen, die mit Raiffeisen noch keine Berührungspunkte haben.
Chinesische Automarken gewinnen in Österreich stark an Bedeutung. Wie skeptisch sind die Österreicher gegenüber diesen Marken? Wie bewähren sich die Fahrzeuge?
Schmidecker: Ich finde es spannend, wie diese neuen Marken frischen Wind in den heimischen Automarkt bringen und die Verkaufszahlen sprechen für sich: die Qualität stimmt. Technologisch setzen die Chinesen neue Maßstäbe bei Schnellladeleistung und autonomem Fahren. Die Beispiele von Xpeng, die aktuell drei Modelle bei Magna in Graz fertigen lassen, oder BYD, die gerade in Ungarn ein Werk bauen, zeigen, dass die Strategie in Richtung „Made in Europe“ geht – sicher auch als Antwort auf die geplanten
E-Autoquoten und Förderregelungen auf EU-Ebene. Österreichweit nehmen immer mehr Händler und Werkstätten – viele davon auch bereits Kunden von Raiffeisen – Marken wie BYD, Omodo, Jaeco oder Xpeng ins Sortiment und ich freue mich, dass wir mit maßgeschneiderten Kfz-Finanzierungen sowohl für Private als auch Firmenkunden an Bord sind.
Ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs ermöglicht ab Herbst 2027 die Beschlagnahme von Autos von Rasern, die nicht in deren Alleineigentum stehen, wie Leasing- oder Firmenautos. Wie sehen Sie diesen Entscheid?
Schmidecker: Ich befürworte scharfe Maßnahmen gegen Raserei und für mehr Verkehrssicherheit – hier geht es schließlich um Menschenleben. In der Regel handelt es sich aber um Einzelfälle. Der Leasingnehmer haftet für sein Verhalten und trägt im Falle einer Beschlagnahmung des Fahrzeuges die daraus entstehenden wirtschaftlichen Folgen.
Neben dem Kfz-Leasing sind Sie mit dem Bauträger Raiffeisen Wohnbau am Immobilienmarkt aktiv, der seit einigen Jahren schwächelt. Wie entwickelt sich der Markt?
Schmidecker: Wir sehen gerade bei jungen Familien, dass das Auslaufen der KIM-Verordnung nicht ausreichend greift und der Traum vom Eigenheim oft auch an den fehlenden Eigenmitteln scheitert. Nichtsdestotrotz laufen seit letztem Sommer die Wohnungsverkäufe bei Raiffeisen Wohnbau wieder gut an. Mit fast 90 verkauften Wohneinheiten sind wir 2025 zwar nicht ganz da, wo wir sein wollten, haben uns aber im volatilen Marktumfeld gut geschlagen. Nachdem Ende Juni die temporäre Befreiung von Gebühren für Grundbuch- und Pfandrechtseintragungen ausläuft, wodurch sich Immobilienkäufer rund zwei Prozent vom Kaufpreis sparen können, erwarten wir in den kommenden Wochen durchaus Bewegung am Markt. Neben acht bezugsfertigen Projekten haben wir für 2026 die Fertigstellung von drei neuen „Quality-Living-Projekten“ geplant. Drei weitere Projekte sind aktuell im Bau bzw. befinden sich in der finalen Genehmigungsphase. Wir sind laufend auf der Suche nach passenden Liegenschaften. Leider sind die Behördenwege – trotz Rückgang der Neubautätigkeit – weiterhin langwierig und ziehen Planungszeiten unnötig in die Länge.
2026 nehmen die Herausforderungen angesichts des Irankriegs zu. Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?
Schmidecker: Angesichts der steigenden Spritpreise könnte man salopp sagen, dass wir mit unserem Fokus auf Elektromobilität – 2025 wurden bereits 69,65 Prozent der Neuverträge in unserem Fuhrparkmanagement für Elektrofahrzeuge abgeschlossen – gut gerüstet sind, aber so einfach ist es natürlich nicht. Der Kostendruck nimmt bei allen Stakeholdern zu. Mehr denn je fokussieren wir uns daher auf die Automatisierung von Prozessen, speziell in der Angebots- und Vertragserstellung, aber auch im Vertrieb. Erst kürzlich haben wir ein neues CRM-Tool implementiert, mit dem wir den Vertrieb noch effizienter und relevanter machen und wir verwenden KI-Tools, um Prozesse schneller, effizienter und kostengünstiger zu gestalten.
Sie sind seit 2011 in der Geschäftsführung von Raiffeisen-Leasing. Wie lautet Ihr Zwischenresümee über die oft bewegten Zeiten?
Schmidecker: Es war spannend und es wird spannend bleiben. Als ich 2011 gemeinsam mit Christoph Hayden und Beat Mungenast die Geschäftsführung der Raiffeisen-Leasing übernommen habe, musste diese sich aufgrund der Auswirkungen der damaligen Finanzkrise grundlegend neu erfinden. Mir war es wichtig, das volle Potenzial des Unternehmens auszuschöpfen, immer offen zu bleiben für die Chancen, die der Markt bietet, strategische Partnerschaften zu identifizieren und auszubauen. Besonders stolz bin ich, dass wir mit unseren knapp 300 Mitarbeitern ein professionelles Team an unserer Seite haben, das unseren Leasing-Spirit lebt und das verstanden hat, dass jede und jeder im Unternehmen einen wertvollen Beitrag für unsere Partner und Kunden leistet.








