Landwirtschaft im Realitätstest

Bauern unterschätzen das landwirtschaftliche Interesse der Bevölkerung deutlich.

Eine aktuelle KeyQUEST-Studie im Auftrag der Nachhaltigen Tierhaltung Österreich (NTÖ) zeigt ein deutlich positiveres Bild der Landwirtschaft in der Bevölkerung, als viele Betriebe annehmen. Während 89 Prozent der Bevölkerung ein gutes Bild von den Bauern haben und sich 45 Prozent für landwirtschaftliche Themen interessieren, schätzen Landwirte dieses Interesse mit 11 Prozent deutlich geringer ein.

Allerdings ist der direkte Bezug zum bäuerlichen Alltag, besonders bei jüngeren Menschen zwischen 16 und 30 Jahren, spürbar schwächer geworden.

„Die Landwirtschaft hat in Österreich eine starke gesellschaftliche Basis – das Vertrauen ist da, das Interesse ist da“, sagt Johannes Mayr, Geschäftsführer von KeyQUEST Marktforschung. „Aber der direkte Bezug zur Landwirtschaft ist schwächer geworden. Gerade deshalb ist es entscheidend, die Menschen bei jenen Themen abzuholen, die sie wirklich bewegen: Herkunft, Qualität und Tierwohl.“

Kommunikation als Lösung

NTÖ-Obmann und Geflügelbauer Markus Lukas sieht in den Ergebnissen einen klaren Auftrag: „Wir müssen raus aus der Verteidigungshaltung und rein in die Erklärung: Wie arbeiten wir? Warum arbeiten wir so? Was bedeutet Tierwohl, Qualität und Verantwortung konkret auf unseren Betrieben? – Die Menschen wollen keine Werbesprache. Sie wollen sehen, wie Landwirtschaft tatsächlich funktioniert – echte Gesichter, echte Ställe, echte Arbeit. Das schafft Glaubwürdigkeit.“ Genau diesen Ansatz verfolgt die NTÖ mit ihrer Social-Media-Initiative StadtLandTier: authentische Einblicke aus dem bäuerlichen Alltag, direkt und ungefiltert.

Wer künftig verstanden werden will, muss dort präsent sein, wo Meinungen entstehen und Bilder von Landwirtschaft geprägt werden: „Es braucht Kommunikation, die nicht belehrt, sondern erklärt und echte Orientierung gibt“, bestätigt auch Mayr.

Offene Stalltüren für mehr Verständnis

Schweinebäuerin Petra Wimmer öffnet ihren Hof regelmäßig für Schulklassen und Besuchergruppen und erlebt dabei, wie schnell aus Unwissenheit echtes Interesse wird: „Die Unwissenheit über Landwirtschaft ist oft groß, aber nicht, weil es den Menschen egal wäre. Es fehlt schlicht der Zugang.“ Wimmer möchte andere Landwirte auch dazu ermutigen, ihre Türen zu öffnen und über ihre Arbeit zu sprechen: „Nur wer Landwirtschaft versteht, kann sie auch wertschätzen und nur wenn wir gemeinsam auftreten, können wir das Bild der Landwirtschaft nachhaltig mitgestalten.“

AusgabeRZ19-2026

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