Im Sommer 2025 herrschte Ausnahmezustand. Weder Sichtschutz noch Absperrungen hielten die Fans davon ab, nach Cristiano Ronaldo Ausschau zu halten. Promi-Jäger versuchten alles, um ein Autogramm ihres Idols zu ergattern. Ort des Geschehens: Das Hotel Gut Brandlhof in Saalfelden am Fuße des Steinernen Meeres. Dort war Weltmeister Ronaldo mit seinem Club, dem saudi-arabischen Fußballverein al-Nassr FC, zum Trainingslager einquartiert.
Für das Hotel war diese Zeit zwar eine große Herausforderung, gleichzeitig brachte sie dem Haus viel Aufmerksamkeit. Grundlage dafür war eine Investition im Jahr 2018: „Wir erweiterten damals unser Sportangebot um einen Fußballplatz mit FIFA-Maßen – seitdem begrüßen wir regelmäßig Fußballclubs bei uns“, schilderten die Eigentümer Birgit Maier und Alexander Strobl die Entwicklung des Hotels beim ersten Tourismus Forum der Raiffeisen Bankengruppe Salzburg.
„Wir wachsen Schritt für Schritt“, erzählt Maier. Heuer wurde ein neues Seminar- und Kongresszentrum eröffnet. „Gut Brandlhof ist ein echter Vorzeigebetrieb aus dem Salzburger Land“, strich Heinz Konrad, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Salzburg (RVS), beim Auftakt des Forums hervor. Die Veranstaltung soll künftig jährlich stattfinden. „Wir möchten damit einen Rahmen für Austausch und Vernetzung schaffen.“ Salzburg ist ein stark vom Tourismus geprägtes Bundesland, dementsprechend groß war die Resonanz: 170 Touristiker, Hoteliers, Gastronomen und Seilbahner folgten der Einladung nach Saalfelden.
Tourismus ist allgegenwärtig
Die Stärke der Branche zeige sich an vielen Stellen, betonte RVS-Generaldirektor Konrad: „Mit einem Anteil von rund 20 Prozent der Gesamtnächtigungen in Österreich und über 30 Millionen Nächtigungen jährlich ist der Tourismus in Salzburg allgegenwärtig.“ Der Beitrag des Tourismus zur gesamten Wirtschaftsleistung Salzburgs liege mit rund
5 Mrd. Euro lediglich 1 Mrd. Euro hinter jenem von Wien – und damit in Österreich insgesamt auf dem dritten Platz.
Auch die Wintersaison 2025/26 habe hervorragende Spuren hinterlassen. „Im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld ist der Tourismus der stabilisierende Faktor für unsere regionale Wirtschaft“, fasste Heinz Konrad zusammen. Dabei müsse der Fokus weniger auf der Errichtung neuer Betriebe und Anlagen liegen, sondern auf Qualitätsverbesserung und Nachhaltigkeit.
Trotz dieser positiven Zahlen habe die Branche mit enormen Herausforderungen – wie den steigenden Energie- und Personalkosten – zu kämpfen. „Zudem müssen die Erwartungen der Gäste heute und in der Zukunft erfüllt werden“, sagte Konrad. Raiffeisen Salzburg stehe seit Jahrzehnten an der Seite des Salzburger Tourismus. Ein gutes Beispiel dafür ist das Hotel Gut Brandlhof: In seiner damaligen Funktion als Berater betreute Heinz Konrad bereits Anfang der 1990er-Jahre den Betrieb. Und der Generaldirektor betonte: „Als Salzburger Bankengruppe, bei der sämtliche Entscheidungen vor Ort fallen, haben wir ein klares Verständnis von der Rolle an der Seite des Tourismus. Wir sind auch über jahrelang gewachsene Beteiligungen in der touristischen Infrastruktur verwurzelt. Das hilft uns, die Bedürfnisse zu verstehen.“

Birgit Maier und Alexander Strobl sowie RVS-Generaldirektor Heinz Konrad © RVS
Ungebremste Reiselust
Aber wie denkt und reist der Gast der Zukunft? Einen Ausblick darauf gab Tourismusberater Richard Bauer. Trotz wirtschaftlicher Sorgen und geopolitischer Krisen bleibe die Reiselust ungebrochen. „Gerade in schwierigen Zeiten wird eher bei Dingen gespart als bei Erfahrungen“, sagte Bauer. In einer Welt, die viele als unkontrollierbar empfinden, schafften Reisen Inseln der Verlässlichkeit und des Wohlbefindens. „Reisen werden künftig stärker von Erlebnissen und Emotionen geprägt sein.“
Gäste suchen dem Tourismusberater zufolge nach naturnahen Angeboten, authentischen Erfahrungen und individuellen Anlässen. „Erinnerung ist die Währung im Tourismus“, so Bauer. Vor allem die Kombination aus Seen, Bergen, Natur und Landschaft – wie sie das Salzburger Land biete – komme bei der jüngeren Generation gut an. Die Gäste der Zukunft seien urban, anonym, digital und einsam. „Es herrscht eine große Sehnsucht nach echten Begegnungen“, erklärte Bauer. Deshalb werde in Hotels künftig die Lobby wieder wichtiger. „Sie müssen Räume schaffen“, sagte Bauer an die Hoteliers gerichtet. „Auch Schlaf und Ruhe sind essenziell. Die Bettenqualität ist wichtig. Jemand, der guten Schlaf garantiert, wird Hotelgäste bekommen.“ Zudem werden neue Wohnkonzepte für Familien gefragter. „Das Doppelzimmer reicht nicht mehr aus, es muss genug Raum und Verbindungsmöglichkeiten geben.“
Ein Park in Familienhand
Mehr Raum und Platz für Gäste, das könnte auch der Europa-Park in Rust brauchen. Zwei neue Hotels könnte man sofort bauen, allein das Personal dafür fehle, berichtete Dieter Borer, Schweizer Repräsentant für den Europa-Park Rust. Der Park gilt als Erfolgsgeschichte: Ursprünglich 1975 als Präsentationsfläche für die eigenen Fahrgeschäfte eröffnet, entwickelte er sich im Laufe der Jahre zu einem Freizeitresort mit Millionen Besuchern. „Es gibt keinen Stillstand, sondern immer Entwicklung“, beschreibt Borer das Konzept. Heute ist der Europa-Park ein Freizeit- und Resort-Imperium mit Hotels, Shows, Gastronomie und saisonalen Events. „Wir haben bis zu 100 Events im Jahr, wir kreieren Anlässe und das sorgt für Aufmerksamkeit.“ Dabei lebe man nicht nur von den Eintrittspreisen, sondern vom Zusatzgeschäft wie dem Verkauf von Getränken, Essen oder Merchandise-Produkten. Die Besucherzahlen des Parks steigen kontinuierlich.
Was ist das Geheimrezept? „Wir sind in Familienhand, leben Werte“, so Borer. Der Park befindet sich nach wie vor im Besitz der Unternehmerfamilie Mack. In der Tourismusbranche seien die vier „Ms“ entscheidend: „Man muss Menschen mögen.“ Das sei nicht nur ein Spruch, sondern eine Haltung. Und Borer gab den Teilnehmern des Forums noch einen Rat mit auf den Weg: „Gehen Sie nie weg von der Qualität.“








