Die genossenschaftlich organisierte Saatbau Linz blickt auf ein wirtschaftlich stabiles Geschäftsjahr zurück. Der oberösterreichische Saatgutspezialist erzielte 2025 einen Umsatz von 261,5 Millionen Euro und blieb damit auf dem Niveau des Vorjahres. Auch mittelfristig rechnet das Unternehmen mit einer konstanten Entwicklung. Grundlage dafür seien die Marktposition in den wichtigsten Kulturen sowie die kontinuierliche Einführung neuer Sorten. Der Fokus bleibt auf der Züchtung leistungsfähiger Pflanzen für Mais, Sojabohnen, Getreide, Kürbis und Sonnenblumen. Kooperationen mit anderen Züchtungsunternehmen sollen zusätzlich die Innovationskraft stärken.
Geschäftsführer Josef Fraundorfer macht zudem auf wachsende Herausforderungen für die Landwirtschaft aufmerksam: Man müsse sich auf ein Umfeld einstellen, das zunehmend von geopolitischen Spannungen, internationalen Handelskonflikten und den Folgen des Klimawandels geprägt werde. Ereignisse, die auf den ersten Blick wenig mit Landwirtschaft zu tun hätten, könnten erhebliche Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion haben.
Als Beispiel nennt Fraundorfer die Sperre der Straße von Hormus. Während die Diskussion vor allem die Auswirkungen auf den Ölhandel in den Mittelpunkt stelle, werde häufig übersehen, dass dadurch auch der internationale Handel mit Düngemitteln beeinträchtigt werde. „Wenn den heimischen Landwirten weniger Dünger zur Verfügung steht oder sie diesen wesentlich teurer kaufen müssen, bedeutet dies nicht sofort, dass Hunger in Österreich ausbricht. Aber es wird zur Folge haben, dass die Produktionskosten steigen und niedrigere Erträge in geringerer Qualität eingefahren werden“, erklärt Josef Fraundorfer.
Neben geopolitischen Entwicklungen verändern auch klimatische und strukturelle Faktoren die Rahmenbedingungen. Längere Trockenperioden, Extremwetterereignisse, der fortschreitende Bodenverbrauch sowie Veränderungen in der landwirtschaftlichen Betriebsstruktur stellen die Pflanzenzüchtung vor neue Aufgaben. Nach Einschätzung der Saatbau Linz ist die Versorgung Österreichs mit vielen Agrarprodukten derzeit gut abgesichert, bei einzelnen Bereichen wie Obst, Gemüse, pflanzlichen Ölen, Eiweißfuttermitteln oder Düngemitteln besteht jedoch weiterhin eine deutliche Importabhängigkeit.
Soja-Kompetenz
Wie Züchtung zur Versorgungssicherheit beitragen kann, zeigt das Unternehmen am Beispiel der Sojabohne. Österreich zählt mittlerweile zu den größten Sojaproduzenten Europas. Ein großer Teil der heimischen Ernte wird direkt für Lebensmittel verarbeitet und nicht als Futtermittel eingesetzt. Dadurch steigen die Anforderungen an die Sorten erheblich.
„Dies stellt an das Ausgangsprodukt ganz andere Anforderungen im Hinblick auf Qualität und Verarbeitungseigenschaften. Hier geht es nicht mehr um größtmöglichen Ertrag, Futterwert oder Protein. Bei Speisesoja zählen Korngröße, Homogenität, Reinheit, Textur und Prozessstabilität“, so der Saatbau-Geschäftsführer. Oder anders ausgedrückt: „Nicht jede Sojabohne ist für Tofu tauglich.“
Genau dafür hat die Saatbau Linz in den vergangenen Jahren umfangreiche Vorarbeiten geleistet. So betreibt man am Standort Reichersberg seit 2006 ein europäisches Kompetenzzentrum für Sojazüchtung. Über die Saatzucht Donau, einem gemeinsamen Unternehmen der Saatbau Linz mit der Probstdorfer Saatzucht, wurden bislang 71 europäische Sojasorten registriert. In den sechs Sojaanbauländern in Mitteleuropa nehme das Unternehmen damit die Position des Marktführers ein, jedes dritte mitteleuropäische Sojafeld ist mit einer Sorte der Saatzucht Donau bestellt. „Mit dieser Arbeit leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur europäischen Eiweißsouveränität“, wie Fraundorfer unterstreicht.







