Lucky Star Louie Austen

Mit 80 ist Louie Austen längst nicht am Ziel angekommen. Der Sänger hat die Welt durchquert und dabei seinen ganz persönlichen Stil gefunden.

Louie Austen nennt sich selbst einen „Lucky Star“. Das klingt bei einem Sänger, der 2026 seinen 80. Geburtstag feiert, zunächst nach einer hübschen Selbstinszenierung. Doch bei Austen ist der Begriff weniger Pose als Lebenshaltung. Glück, das bedeutet für ihn nicht, vom Leben verschont geblieben zu sein. Glück bedeutet, immer wieder dort gelandet zu sein, wo etwas Neues begann. „Nur das eine zu machen, ist mir auf die Dauer zu langweilig“, sagt Austen. Er müsse immer wieder etwas Neues erforschen, sich selbst herausfordern. Jazz, Swing, Lounge, Electro und Dance sind für Austen keine Gegensätze, sondern unterschiedliche Möglichkeiten, Musik zu denken. Seine Stimme bleibt dabei das verbindende Element: sonor, elegant, lässig und mit jenem leicht ironischen Understatement, das ihn unverwechselbar macht. 

Musikalisches Credo

Dass sein Weg nicht geradlinig verlaufen würde, zeichnete sich bereits früh ab. Österreich erschien dem jungen Sänger zu eng. Südafrika war die erste Station, danach Australien, schließlich New York. Dort begegnete er der Harlem Blues & Jazz Band, einer Gruppe älterer afroamerikanischer Musiker, von denen Austen nach eigener Aussage entscheidend lernte, dass es in der Musik nicht auf Glamour oder Star-Gehabe ankommt, sondern darauf, ob sie von Herzen kommt. Diese Erfahrung wurde zu einer Art musikalischem Credo. Ein Musiker müsse vor allem mit sich selbst im Reinen sein und das, was er tut, vor sich selbst rechtfertigen können. 

Diese Haltung führte ihn schließlich nach Las Vegas. Dort musste sich der Österreicher zunächst gegen eine Umgebung behaupten, in der ihn niemand kannte. „Das ist ungefähr so, als ob ein Amerikaner nach Wien kommt, um Heurigen-Sänger zu werden“, beschreibt er rückblickend seine Ausgangslage. Nur langsam sprach sich herum, dass da ein ungewöhnlicher Sänger auf den Bühnen der Bars stand. Das positive Feedback des Publikums wurde für Austen zu einem wichtigen Antrieb. Anerkennung ist für ihn kein nebensächlicher Luxus, sondern Teil des musikalischen Austauschs. 

Musik als Kommunikation

Austen kann Generationen und Szenen miteinander verbinden, da er Musik nicht als Abgrenzung versteht, sondern als Kommunikation. Seine spätere Karriere in der elektronischen Musik wirkt vor diesem Hintergrund weniger wie ein überraschender Bruch als wie die konsequente Fortsetzung einer lebenslangen Suche. Austen wurde zum eleganten Fremdkörper und zugleich zum natürlichen Bestandteil der Clubkultur. Während elektronische Musik häufig auf Jugend, Geschwindigkeit und technologische Erneuerung setzt, brachte er die Erfahrung des Entertainers mit und eine Stimme, die nicht nach Zukunft klingen muss, um modern zu wirken. 

Seinen 80. Geburtstag feiert Louie Austen am 19. September stilgerecht auf der Bühne des Vindo­bona. Im Mittelpunkt steht die Show „The Musical Life of a Lucky Star“, die anhand von Projektionen und Fotografien seine weltweiten Stationen nachzeichnet. Musikalisch kehrt Austen zum Great American Songbook und zu den großen Croonern Frank Sinatra, Dean Martin und Nat King Cole zurück, begleitet von Thomas Zech (Gitarre), Thomas Barth (Piano), Peter Strutzenberger (Kontrabass) und Wolfgang Wehner (Schlagzeug). Gleichzeitig erscheint die Vinyl-LP „Simply the Best“, ein Livemitschnitt seines Auftritts beim Jazzfest Wiener Neustadt 2025. Der Titel klingt selbstbewusst, beinahe großspurig, und passt gerade deshalb zu Austen, der Selbstironie und Eleganz gerne miteinander verbindet.

Dass 2026 auch die Vespa 80 Jahre alt wird, liefert eine weitere Gelegenheit zur musikalischen Altersverweigerung. Bei der Single „Toller Roller“ von Renato Regato übernimmt Austen einen Spoken-Word-Part. Gefeiert wird dabei das italienische Lebensgefühl und die Freiheit des Cruisens und nicht der Rollator, so die augenzwinkernde Botschaft. Und weiter geht es ohnehin. Am 28. November gastiert Austen mit einer „Hommage an Karl Hodina“ im Kellertheater Wilheringerhof. Auch das passt zu einem Künstler, dessen Biografie weniger einer Karriereleiter als einer musikalischen Weltkarte gleicht. 

Vielleicht ist das Geheimnis des „Lucky Star“ tatsächlich seine Unfähigkeit, stehen zu bleiben. Austen spricht von einer notwendigen Askese, die verhindern soll, dass kreative Menschen bequem und träge werden. Er zwingt sich dazu, das eigene Tun immer wieder infrage zu stellen. Mit 80 steht Louie Austen deshalb nicht am Ende einer Laufbahn. Er steht, ganz im Gegenteil, noch immer dort, wo er offenbar am liebsten ist: in Bewegung.

AusgabeRZ37-2026

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