Die aktuelle RollAMA-Analyse (rollierende Agrarmarktanalyse) für das erste Halbjahr 2026 zeigt, dass sich die geopolitischen Krisen und die damit gestiegenen Preise, aber auch klimatische Veränderungen, auf das Konsumverhalten der Österreicher auswirken. „Spontankäufe werden weniger – die Konsumenten überlegen sich im Vorhinein genau, was sie tatsächlich brauchen“, weiß Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing, und unterstreicht: „Großpackungen verlieren an Relevanz, Aktionen und das Thema Preise spielen eine noch größere Rolle.“
Man möchte eben den bestmöglichen Gegenwert für sein Haushaltsbudget. So wird bereits mehr als jeder dritte Euro für ein Aktionsprodukt ausgegeben. Dafür teilen 66 Prozent ihre Einkäufe gar auf mehrere Geschäfte auf. Gleichzeitig liegt die in der RollAMA erfasste Einkaufsmenge um 4,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau und die Ausgaben sind um 3,2 Prozent gesunken. Besonders größere Familienhaushalte mit Kindern und mittlerem Einkommen passen ihr Einkaufsverhalten an die aktuellen Rahmenbedingungen an.
Die Diskonter erreichten im ersten Halbjahr einen Umsatzanteil von etwas mehr als 30 Prozent. Die klassischen Supermärkte, insbesondere Großflächen, verloren leicht an Anteil. Fachhandel und Direktvermarktung blieben mit einem Umsatzanteil von 8,6 Prozent stabil. Fast zwei Drittel aller Ausgaben im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) entfielen auf Eigenmarken. Außerdem macht sich die fortschreitende Konzentration im Handel in den Zahlen bemerkbar, die Top-4-Handelsketten – Hofer, Spar, Rewe, Lidl – erreichten fast 90 Prozent Marktanteil.
Proteine im Trend
Nichtsdestotrotz haben sich einzelne Produkte im ersten Halbjahr besonders positiv entwickelt. Die höchsten Zuwächse verzeichneten Salat und Vollkornbrot, gefolgt von Naturjoghurt inklusive Skyr, Getreide und Samen. Hier lasse sich eindeutig der anhaltende Trend hin zu proteinreicher Ernährung ablesen, kommentiert Mutenthaler-Sipek.
Butter verzeichnete im ersten Halbjahr Mengenrückgänge. Die Preise gaben im Vergleich zum Vorjahr deutlich nach, weil durch Produktionsüberschüsse europaweit mehr Milchfett verfügbar war. Aufgrund schlechter Verfügbarkeit und hoher Preise sieht man bei Eiern ein mengenmäßiges Minus von 5 Prozent, aber auch ein Umsatzplus von rund 5 Prozent.
Plus bei Hühnerfleisch
Genauso prägten Angebotsengpässe und gestiegene Preise die Entwicklung bei Rindfleisch. Trotz eines Mengenrückgangs führten die höheren Preise bei Rindfleisch zu einem Umsatzplus von 4 Prozent. Beim Schweinefleisch zeigt sich ein Mengenrückgang von 2 Prozent und ein Minus bei den Preisen um rund 3 Prozent. „Aufgrund der hohen Temperaturen wurde zu Hause einfach weniger gekocht“, gibt Mutenthaler-Sipek zu bedenken.
Hühnerfleisch gewann hingegen mit einem Mengenanteil von 32 Prozent im ersten Halbjahr immer mehr an Bedeutung und legte dementsprechend sowohl bei der Menge als auch beim Umsatz deutlich zu.
Frischgemüse gefragt
Bei den pflanzlichen Lebensmitteln verlief die Entwicklung der einzelnen Kategorien unterschiedlich. Während in einigen Bereichen die Absatzmengen zurückgingen, konnte Frischgemüse zulegen. Bei Kartoffeln führte eine starke Ernte im Herbst 2025 zu einem größeren Angebot im ersten Halbjahr 2026, wodurch die Preise zurückgingen. Frisches Obst und Gemüse entwickelten sich mengenmäßig insgesamt besser als konservierte Produkte und Tiefkühlware. Dies lasse sich unter anderem darauf zurückführen, dass frische Produkte weniger energieintensiv produziert werden und dadurch weniger stark von den gestiegenen Energiekosten betroffen sind.








