Bausparen: „Eine ganz andere Kategorie der Sicherheit“

Bausparen ist in Österreich weit verbreitet. Hans-Christian Vallant, Geschäftsführer der Raiffeisen Bausparkasse, spricht über aktuelle Marktentwicklungen, neue digitale Angebote und darüber, warum das neue Zukunftsdepot kein Konkurrenzprodukt ist.

Wie entwickelt sich das Bausparen derzeit in Österreich und bei der Raiffeisen Bausparkasse? 
Hans-Christian Vallant: Die Gesamtmarktzahlen sinken leicht. Die Raiffeisen Bausparkasse hingegen entwickelt sich gut und ist stabil mit zirka 200.000 neuen Sparverträgen pro Jahr. Unser Marktanteil bewegt sich zwischen 48 und 50 Prozent. Insgesamt gibt es in Österreich rund drei Millionen Bausparer, davon sind 1,3 Millionen bei der Raiffeisen Bausparkasse. Bausparen ist nach wie vor das Retail-Produkt, das am weitesten verbreitet und am beliebtesten ist. Gerade in Krisenzeiten sehen wir einen starken Aufschwung beim Bausparen. Als Raiffeisen Bausparkasse haben wir jährlich rund 200 Millionen Euro Einlagenzuwächse und damit heuer erstmals die sieben Milliarden Euro Nettoeinlagen überschritten. 

Wie sieht der typische Bausparkunde aus? 
Vallant: Der typische Kunde ist 35 plus, hat eine Familie gegründet und ist auf der Suche nach Wohnungseigentum. In der Altersgruppe 45 plus gewinnen wir auch neue Kunden. Den Grundstein für das Bausparen legen meist die Eltern und Großeltern, wenn die Kinder zwischen null und 18 Jahre alt sind. Bei den 18- bis 35-Jährigen können wir momentan nicht ganz reüssieren, da müssen wir Schwerpunkte setzen. Aus Kundenumfragen wissen wir, dass die Jugend gerne auch mal ins Risiko geht, dafür ist der Bausparer natürlich nicht geeignet. 

Wie will man die Jugend wieder zum Bausparen bewegen? 
Vallant: In der europäischen Negativzinsphase ist eine Generation an Jugendlichen aufgewachsen, bei der Geld keinen Wert gehabt hat. Jeder hat geglaubt, Sparen hat keinen Sinn und wenn ich eine Finanzierung brauche, bekomme ich einen Kredit, der nichts kostet. Wir müssen den Jugendlichen die Wichtigkeit von Eigenmittelaufbau wieder näherbringen, denn ohne Eigenmittel wird es schwierig, ein Darlehen für Wohnungseigentum zu bekommen. Und Wohnungseigentum ist eine zentrale Säule der Altersvorsorge, denn Pensionisten ersparen sich als Wohnungseigentümer 30 Prozent im Vergleich zu Mietern. Bausparen als Teil der Zukunftsvorsorge müssen wir wieder stärker in die Köpfe bekommen. Bausparen ist nicht nur ein Sparprodukt für 6 Jahre, es ist vielmehr Zielsparen für die finanzielle Unabhängigkeit in der Zukunft.

Analysten rechnen heuer noch mit zwei Zinserhöhungen in Europa. Spielt das Umfeld dem Bausparen in die Karten?
Vallant: Wenn der 12-Monats-Euribor zwischen 2 und 4 Prozent liegt, dann ist es ein super Zinsumfeld, das für das Bausparen spricht – sowohl bei den Einlagen als auch bei den Darlehen. Das Umfeld ist also für das Bausparprodukt ein sehr gutes. 

Das politische Umfeld ist für heimische Bausparkassen momentan nicht ganz so positiv. Wie geht es Ihnen mit der Ansage „Das Zukunftsdepot soll der Bausparer der nächsten Generation sein“? 
Vallant: Da werden Äpfel mit Birnen verglichen. Es ist kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Das Zukunftsdepot ist begrüßenswert und wichtig, aber es ist ein Kapitalmarktinstrument. Das Bausparen ist eine ganz andere Kategorie der Sicherheit und der Liquiditätsversorgung. Wir sind die Basis der Bankprodukte und der Veranlagung – mit Kapitalgarantie und Einlagensicherung. Wir generieren Einlagen in Österreich und reinvestieren ausschließlich zu Zwecken der Wohnraumschaffung, Bildung und Pflege in Österreich. Es ist eine Kreislaufwirtschaft, die die Volkswirtschaft unterstützt. Das Zukunftsdepot ist eine langfristige Kapitalmarktveranlagung mit allen Vor-, aber auch Nachteilen und die Gelder fließen in den internationalen Kapitalmarkt.

Gibt es aktuelle Berechnungen zu den volkswirtschaftlichen Effekten der heimischen Bausparkassen? 
Vallant: Ja, im Vorjahr lag die staatliche Bausparprämie bei 33 Millionen Euro und damit haben wir eine Finanzierungsleistung von 1,7 Milliarden Euro generiert. Der Hebel ist nach wie vor stark. Die Bausparkassen erfüllen dabei den Wunsch von Kunden, Aufsicht und Konsumentenschützern, denn wir finanzieren de facto 90 Prozent mit Fixzinsen. 

Hat Bausparen in der Politik also ein Imageproblem?
Vallant: Was zählt, ist, dass die Menschen eine Sparform haben, der sie absolut vertrauen können und das tun sie beim Bausparen. Man wird nicht unglaublich reich, das ist richtig, aber man wird auch nie Geld verlieren und alle sechs Jahre wird sicheres Kapital aufgebaut, mit dem man weitersparen oder ein Darlehen nehmen kann. Gerade durch unsere planbaren Finanzierungen leistet Bausparen einen wichtigen Beitrag zur Schaffung von leistbarem Wohneigentum. Und auch das wissen die Menschen in unserem Land. 

In der Vergangenheit haben die Bausparkassen immer wieder eine Anhebung der Prämie gefordert.
Vallant: Das werden wir auch weiterhin tun. Es gibt da mehrere Stoßrichtungen. Eine davon ist die Erhöhung der Prämie oder aber auch die Erhöhung der prämienbegünstigten Einzahlungen, die mit jährlich 1.200 Euro schon lange Zeit nicht einmal inflationsangepasst wurden.

Es hat in der Vergangenheit immer wieder Herausforderungen für die Bausparkassen gegeben. Wie ordnen Sie die aktuelle Situation ein?
Vallant: Die Negativzinslage war ein Riesenthema für die Bausparkasse. Dann kamen die KIM-Verordnung und die hohe Inflation. Dadurch ist der Immobilienmarkt weitgehend zum Stillstand gekommen. Die Bauwirtschaft ist mittlerweile auch das siebte Jahr in der Rezession. Auch wir merken das bei den Verwendungszwecken, das hat sich komplett gedreht. Der Neubau machte früher über 50 Prozent der Neukreditvergabe aus, mittlerweile sind es unter 20 Prozent. 50 Prozent fließen in Altbestand, dann kommen Sanierung, Renovierung und Zubau. Aber wir sehen, der Markt kommt zurück. 2025 und 2026 haben wir Steigerungsraten von über 20 Prozent in der Neukreditvergabe und ich bin auch optimistisch, dass dieser Trend im Jahr 2027 anhalten wird. 

Die Raiffeisen Bausparkasse gibt es seit 65 Jahren. Wie sehen mögliche Weiterentwicklungen aus?
Vallant: Wir ehrten kürzlich den 13-millionsten Bausparer, einen 22-jährigen Steirer. Wir haben über die Jahre 540.000 Eigenheime mitfinanziert, das ist Graz und Salzburg zusammen. Das ist schon eine beeindruckende Bilanz. Im Sommer haben wir unser eigenes Bausparportal gelauncht, das auf Cloud-Technologie basiert und im neuen Design des Raiffeisensektors gestaltet ist. Im Jänner, wenn 1,3 Millionen Kunden ihren Kontoauszug postalisch bekommen, wird das Portal breit ausgerollt. In einem ersten Schritt geht es um den Sparbereich: Kunden und Berater können Vertragsinformationen abrufen und Änderungen vornehmen. 99 Prozent der Abschlüsse neuer Bausparverträge erfolgen sowieso schon digital. In einem zweiten Schritt soll das Portal im kommenden Jahr auch die Basis für Finanzierungseinreichungen von Beraterinnen und Beratern in der Raiffeisenbank werden. Die gesamte Beratungsstrecke wird dadurch einfacher, schneller und effizienter. 

AusgabeRZ45-2026

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