Die Raiffeisen Bank International (RBI) hat in den ersten drei Quartalen 2026 ihre Erträge deutlich gesteigert und das Kreditgeschäft ausgeweitet. Zudem wurden Fortschritte bei Zukäufen und im Schadenersatzprozess gegen den Strabag-Eigentümer Rasperia erzielt.
Das Ergebnis im Kernkonzern ohne Russland legte um 10 Prozent im Jahresvergleich auf 1,1 Mrd. Euro zu. Der Zinsüberschuss stieg um 7 Prozent auf knapp 3,35 Mrd. Euro und der Provisionsüberschuss um 10 Prozent auf 1,62 Mrd. Euro. Und auch die Kreditvergabe wuchs im Vergleich zu Ende 2025 um 8 Prozent auf 109 Mrd. Euro.
„Wir blicken auf drei starke Quartale zurück. Unser Kerngeschäft entwickelt sich sehr erfolgreich und mit unserer soliden Position in attraktiven Märkten sind wir bestens aufgestellt, um weiter zu wachsen.“
RBI-CEO Michael Höllerer
Dafür sollen auch die jüngsten Zukäufe einen Beitrag leisten. Der Erwerb der rumänischen Bank Garanti BBVA konnte pünktlich zum Quartalsergebnis abgeschlossen werden. „Wir schlagen ein neues Kapitel unserer rumänischen Erfolgsgeschichte auf und bringen zwei starke Banken und zwei erfahrene Teams zusammen“, so der RBI-CEO. Mit dem Erwerb steigt Raiffeisen zum drittgrößten Kreditinstitut des Landes auf und wird dort 2,6 Millionen Kunden betreuen. Die Transaktion werde die harte Kernkapitalquote (Tier-1-Ratio) um rund 60 Basispunkte verringern, wobei dieser Kapitaleffekt im Schlussquartal 2026 wirksam wird, so die Bank.
Bei der Übernahme der in Wien ansässigen Addiko Bank, die ein Netzwerk an südosteuropäischen Töchtern hat, wartet die RBI auf das grüne Licht seitens der Regulatoren. In Serbien habe man dieses bereits erhalten. Die Annahmequote für das Addiko-Angebot der RBI lag per 2. November bei 94,84 Prozent. Die ursprünglich geplante Herauslösung („Carve-out“) der Addiko-Töchter in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro ist nach dem Entzug der Banklizenz der serbischen Alta Bank, die die Addiko-Töchter hätte übernehmen sollen, vom Tisch. Die RBI geht nun davon aus, Eigentümerin aller Addiko-Tochterbanken einschließlich jener in Serbien zu bleiben.
„Bedeutender Etappensieg“
Erfreuliche Nachrichten gab es vor kurzem auch vom Wiener Schadenersatzprozess der RBI gegen den von der EU sanktionierten Strabag-Eigentümer Rasperia: „Mit dem rechtskräftigen Urteil gegen Rasperia konnten wir zudem einen bedeutenden Etappensieg erringen, im Interesse unserer Aktionäre und mit dem Ziel, den in Russland entstandenen Schaden zu kompensieren“, sagte Höllerer. Die RBI hat aufgrund eines Versäumnisurteils 3,15 Mrd. Euro Schadenersatz zugesprochen bekommen. Nun muss die RBI bei der FMA als zuständige Sanktionsbehörde einen Antrag auf Freigabe der österreichischen Vermögenswerte, darunter 28,5 Millionen Strabag-Aktien, der Rasperia stellen.
Die Entschädigung wird die Kapitalkraft der Bank weiter stärken. Die harte Kernkapitalquote der RBI ohne Russland lag Ende des dritten Quartals 2026 bei 15,4 Prozent und dürfte bis Ende 2026 unter Berücksichtigung der geplanten Akquisitionen auf 14,5 Prozent sinken. Bei der Berechnung dieser Kennzahl geht die Bank von einem Worst-Case-Szenario aus, in dem sie die Raiffeisenbank Russland entkonsolidieren muss und dabei deren gesamtes Eigenkapital verliert. „Die RBI verfügt über eine starke Kapitalausstattung, die ihr den Spielraum für weiteres Wachstum in den kommenden Jahren gibt“, versicherte RBI-Finanzvorständin Kamila Makhmudova.
Die Qualität des Kreditportfolios mit einer NPE-Ratio („Non-Performing Exposure“) von 1,5 Prozent zum Ende des dritten Quartals 2026 bezeichnete die Bank als „nach wie vor ausgezeichnet“. Die Wertminderungen auf finanzielle Vermögenswerte im Kernkonzern betrugen im Berichtszeitraum 159 Mio. Euro. „Die Stabilität unseres Kreditportfolios bestätigt die Nachhaltigkeit unserer Risikopolitik. Trotz eines weiterhin volatilen Umfelds befindet sich unsere NPE-Ratio auf einem Allzeittief. Die Risikokosten entwickelten sich auch im dritten Quartal mit 18 Basispunkten moderat“, berichtete RBI-Risikovorstand Hannes Mösenbacher.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die RBI mit einem Zinsüberschuss von 4,5 Mrd. Euro und einem Provisionsüberschuss von 2,2 Mrd. Euro. Das Kreditgeschäft soll (ohne Berücksichtigung der Zukäufe) um 9 Prozent wachsen und die Cost-Income-Ratio bei 55 Prozent landen.








