Umfrage: Immobilien bleiben ein sicherer Hafen

Das Interesse an Investitionen in Liegenschaften ist ungebrochen groß, zeigt eine aktuelle Umfrage. Auch die Mehrheit der jungen Generation setzt beim Vermögensaufbau auf Wohneigentum.

Wohnimmobilien genießen bei den Österreichern weiterhin einen hohen Stellenwert bei der Geldanlage, zeigt eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Marketagent im Auftrag der Raiffeisen Vorsorge Wohnung (RVW), die heuer das 20-jährige Firmenjubiläum feiert.

Mehr als drei Viertel sehen in der Immobilie „eine sichere und attraktive Anlageform“. Knapp 63 Prozent können sich vorstellen, künftig in Wohnimmobilien zu investieren. Für die repräsentative RVW-Immobilienstudie wurden Anfang August insgesamt 938 Personen zwischen 20 und 75 Jahren in Österreich online befragt. 

„Auch für die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien sind Immobilien im Privatkundenbereich eines unserer wichtigsten Geschäftsfelder“, unterstreicht Vorständin Christine Flehberger, die Privatkunden und KMU in der Bank verantwortet, die Bedeutung von Immobilien. Und das Thema werde wieder interessanter. Die Finanzierungen im Immobilienbereich hätten heuer im Jahresvergleich um über 11 Prozent zugelegt. Das Wohnbaukreditvolumen sei im laufenden Jahr um 2,6 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro gestiegen. „Wir beobachten aktuell eine steigende Nachfrage insbesondere bei Bestandsimmobilien, Sanierungen und energetischen Verbesserungen“, berichtet Flehberger. 

Beachtlich sei, dass die Kunden dabei vor allem auf Sicherheit achten: 92 Prozent der Kredite werden mit einem Fixzinssatz abgeschlossen, so die Bankerin. Doch nicht nur bei der Finanzierung spielt das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle, sondern auch bei der Motivation, in ein Immobilieninvestment zu gehen. „Grundbücherlich gesichertes Eigentum ist der oberste Punkt für die Entscheidung, gefolgt von der erwarteten Wertsteigerung und den planbaren monatlichen Kosten“, betont RVW-Geschäftsführerin Marion Weinberger-Fritz.

Kaufpreis schlägt Lage

Verschoben haben sich die entscheidenden Kriterien bei der Objektauswahl: Während früher „die Lage, die Lage und die Lage“ als entscheidend galt, ist heute für knapp 74 Prozent der Befragten der Kaufpreis der wichtigste Entscheidungsfaktor, gefolgt vom Zustand der Immobilie (67 Prozent) und der Lage (62 Prozent). „Jeder möchte den größtmöglichen Wohnraum haben, die Frage ist aber, kann man es sich auch leisten. Wir waren in den letzten Jahren gezwungen, immer kompakter zu bauen, um die Leistbarkeit zu gewährleisten“, erklärt Weinberger-Fritz den Trend zu kleineren Vorsorgewohnungen. Im Eigennutzerbereich würden viele mit der Erwartung kommen, 120 m2 kaufen zu wollen, tatsächlichen werden es dann oft 80 m2. Da spielen die Grundrisse und Konfiguration der Wohnung eine wichtige Rolle, so die Immobilienexpertin.

Ein relativ neues Thema sei die Bedeutung der Energieeffizienz, die bis zum Jahr 2022 kaum von Interesse war, berichtet Weinberger-Fritz. Nun sei sie für 38 Prozent der Befragten das wichtigste Auswahlkriterium. „Das Zertifizieren von Projekten wird immer mehr angenommen und ist mittlerweile für Teile der Bevölkerung besonders wichtig“, berichtet Weinberger-Fritz.

Beim Zweck einer zukünftigen Investition in eine Wohnimmobilie zeigt sich ein breites Motivspektrum: 36 Prozent der Befragten würde Eigennutzung und Geldanlage kombinieren, knapp ein Drittel würde ausschließlich zum Zweck der Geldanlage investieren und rund ein Viertel ausschließlich zur Eigennutzung. Die Motive unterscheiden sich dabei deutlich nach Geschlecht: 39 Prozent der befragten Männer nennen wesentlich häufiger den Zweck der reinen Geldanlage als Frauen (25 Prozent), wohingegen Frauen Immobilien häufiger sowohl als Investment zur Eigennutzung als auch zur Geldanlage betrachten (44 Prozent). Bei den Männern sind es knapp 30 Prozent.

Gleichzeitig rechnen die Befragten weiterhin mit einem hohen Druck am Wohnungsmarkt: Eine Mehrheit von über 85 Prozent der Österreicher ist überzeugt davon, dass die Nachfrage nach Wohnungen in den nächsten Jahren steigen wird. Acht von zehn Befragten rechnen sogar mit einer Wohnungsknappheit in den großen österreichischen Städten.

Auch Gen Z interessiert

Die Studie zeigt ein langfristig hohes Nachfragepotenzial – vor allem auch bei jenen Generationen, die vielfach noch am Beginn ihres Vermögensaufbaus stehen. So planen knapp 55 Prozent aus der Generation Z, also der heute 14- bis 29-Jährigen, künftig eine Wohnimmobilie zu erwerben. Gleichzeitig verändert sich der Zugang zum Immobilieninvestment und die Leistbarkeit wird zunehmend zu einer Herausforderung. Fehlendes Eigenkapital (46 Prozent) und hohe Immobilienpreise (46 Prozent) werden von jeweils knapp der Hälfte der Befragten als Hürden genannt.

Die unsichere geopolitische und wirtschaftliche Lage hat zuletzt zur Zurückhaltung geführt. „Wir haben im ersten Quartal 2026 Verkaufszahlen gehabt wie vor dem Ukraine-Krieg. Man hat gemerkt, dass die Menschen wieder vermehrt kommen und Interesse haben. Und dann ist der Iran-Krieg ausgebrochen, was wieder zu mehr Vorsicht führte“, resümierte Weinberger-Fritz.

AusgabeRZ40-2026

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