IT-Kräfte gebündelt

Die Raiffeisenlandesbanken Oberösterreich und Steiermark schließen ihre Rechenzentren zum neuen „Raitec“ zusammen. Die Generaldirektoren Heinrich und Martin Schaller erklären die Hintergründe und Vorteile und sehen weitere Möglichkeiten für Kooperationen.

Heinrich und Martin Schaller präsentieren Raitec
Heinrich und Martin Schaller präsentieren Raitec (c) RLB OÖ

Die Verschmelzung vom GRZ IT Center mit dem Raiffeisen Informatik Center Steiermark, kurz RICS, ist mit dem Eintrag ins Firmenbuch jetzt offiziell. Wie ist die Fusion zur Raitec GmbH zu Stande gekommen?
Heinrich Schaller: Wir denken schon lange über Effizienzsteigerungen und Maßnahmen nach, wodurch wir die IT sowohl im Betrieb als auch in der Entwicklung für unseren Sektor weiterbringen. Wir haben in Oberösterreich schon öfter darüber nachgedacht, mit anderen Rechenzentren zusammenzugehen und haben in der Zwischenzeit auch mehrere Bundesländer im ehemaligen GRZ IT Center vereint – zusätzlich zu Oberösterreich sind das Tirol, Salzburg und teilweise Kärnten. Es liegt auf der Hand, darüber nachzudenken, welches Bundesland sich noch eignen würde, um für Effizienzsteigerungen einen weiteren Schritt zu setzen. Wir haben uns mit den Steirern vor etlichen Jahren schon einmal darüber unterhalten, damals haben wir aber geglaubt, dass die Effizienzsteigerungen nur geringe Beträge ausmachen, das hat sich in den letzten zwei Jahren sehr stark verändert.  
Martin Schaller: Auch wir in der Steiermark sind schon lange der Ansicht, dass man in den Rechenzentren und in der IT Synergien heben kann und in Zeiten wie diesen auch heben muss. Bereits im Jahr 2014 sind wir kleine wechselseitige Beteiligungen zwischen RICS und GRZ eingegangen. Schon damals in der Absicht, das weiter auszubauen. Es hat eine Zeit gedauert, bis die Gespräche weitergelaufen sind. In der Steiermark ist seit zwei Jahren intensiv an dem Thema weitergearbeitet worden. Wir haben auch mit einem externen Anbieter gesprochen, aber am Ende des Tages hat sich herausgestellt, dass eine Raiffeisen-interne Lösung sicherlich die beste für alle Beteiligten ist. 

Was sind die Vorteile dieser neuen Verbindung?
Martin Schaller: Wir können Synergien heben, indem wir nicht mehr alle Aufgaben an mehreren Standorten in Österreich doppelt und dreifach machen. Wir können uns spezialisieren und Aufgaben verteilen, damit es auch nicht zu doppelten Kosten kommt. Wir haben in den Rechenzentren hervorragende Fachleute, die wir auch in der Zukunft für die Herausforderungen dringend brauchen werden. Wir wissen im Sinne des allgemeinen Fachkräftemangels, dass es gerade auf der IT-Seite schwierig ist, Personal zu bekommen. Unsere Spezialisten in den einzelnen Häusern können jetzt kooperieren und brauchen nichts mehr doppelt oder dreifach machen.

Wie schnell hat man sich auf den Namen „Raitec“ einigen können?
Heinrich Schaller: Für einen neuen Namen für ein großes IT-Unternehmen sehr schnell, auch wenn es einige Monate gedauert hat. Schlussendlich ist eine sehr gute Bezeichnung herausgekommen. Raitec steht für Raiffeisen und Technologie und dafür, dass wir in den beteiligten Bundesländern eine sehr moderne und effiziente IT-Landschaft gestalten. 

Synergien heben ist die große Motivation hinter der Fusion. Wie profitieren die Raiffeisenbanken – Ihre primären Kunden – davon?
Martin Schaller: Wir sind permanent in Diskussion mit unseren Kunden zum Thema IT-Weiterentwicklung und IT-Kosten, die im Sektor eine große Rolle spielen. Wir wissen, dass in diesem Umfeld – mit Digitalisierung, Automatisierung, Robotics und Artificial Intelligence – die Anforderungen an die IT immer stärker ansteigen. Wir wissen, dass wir hier enorme Ressourcen einsetzen müssen. Wenn man alleine bleibt, sind die Aufgaben kapazitätsmäßig und auch kostenmäßig kaum mehr zu stemmen. Daher haben wir mit unseren Raiffeisenbanken vereinbart, dass wir uns sehr starke Partner suchen, damit die Kosten nicht explodieren und wir Synergien erzielen können.

Martin Schaller im Interview
(c) RLB OÖ

„Wahrscheinlich reicht ein Rechenzentrum für ganz Österreich.“

Martin Schaller

Welche Lösungen werden für die Raiffeisenbanken angeboten?
Heinrich Schaller: Es geht in erster Linie um den Hardware-Bereich und den laufenden IT-Betrieb, den versuchen wir günstiger zu machen oder zumindest wesentliche Kostensteigerungen in den nächsten Jahren hintanzuhalten.

Raitec hat nicht nur Raiffeisenbanken als Kunden, sondern auch Kunden außerhalb des Raiffeisen-Sektors.
Martin Schaller: Oberösterreich serviciert vor allem andere Banken mit. In der Steiermark gibt es externe Corporate-Kunden, die mitserviciert werden. Diese Kunden gehen auch in die gemeinsame Gesellschaft über. 

Will man dieses Drittgeschäft ausbauen oder konzentriert man sich auf die Raiffeisenwelt?
Heinrich Schaller: Der Anteil des Geschäfts mit Kunden außerhalb von Raiffeisen macht knapp 10 Prozent aus. Insbesondere am Beginn wird man sich auf die Raiffeisenwelt konzentrieren. 

Sie haben gesagt, vor zwei Jahren waren die Einsparungen nicht so offensichtlich wie jetzt. Wie sieht das jetzt konkret aus?
Heinrich Schaller: Wenn man Kosten im Rechenzentrum einsparen kann, dann wird sich das auch auf unserer Kostenseite niederschlagen. Bereits bis 2025 sehen wir deutliche Synergiehebungspotenziale, aber genaue Summen wollen wir nicht öffentlich nennen.  
Martin Schaller: Man sollte aber nicht glauben, dass für alle Beteiligten die IT billiger wird. Denn aufgrund der neuen Herausforderungen kommt ja wieder einiges dazu. 

Es wurde eine organisatorische und technische Technologie-Roadmap bis 2027 vorgezeichnet. Wie schaut der Weg aus und wohin führt er?
Martin Schaller: Das Ziel ist, dass wir bis 2027 die Einsparungen erzielt haben. Es sind zwei gewachsene Strukturen, die zusammenwachsen müssen. Wir haben nicht überall dieselben technischen Voraussetzungen und genau die werden wir zusammenführen. Bis zum Jahr 2027 sollte alles umgesetzt werden. Grundsätzlich ist die Zusammenführung aufgrund der sorgfältigen und genauen Planung kein großes Problem. 

Bleiben alle Standorte und Mitarbeiter erhalten?
Heinrich Schaller: Der Hauptsitz ist Linz und alle Standorte bleiben erhalten. Auch die Mitarbeiter bleiben alle erhalten, das sind 94 in der Steiermark und 455 beim GRZ, denn in der IT herrscht momentan ein sehr großer Fachkräftemangel. Wir wollen also die Leute nicht nur halten, sondern auch zusätzliche Mitarbeiter einstellen. 

Fusionen bedeuten immer auch eine kulturelle Integration. Wie ist die Stimmung im ehemaligen GRZ und im RICS?
Martin Schaller: Die Fusion wurde sehr positiv aufgenommen. Man freut sich, dass man jetzt gemeinsam ein sehr starkes IT-Unternehmen für Österreich darstellt. Alle sind überzeugt, dass man in dieser gemeinsamen Lösung sehr viel gemeinsam entwickeln kann. Natürlich war am Beginn manchmal die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz mit dabei, aber das konnten wir auf beiden Seiten zu 100 Prozent ausräumen.
Heinrich Schaller: Ich kann das aus oberösterreichischer Sicht nur bestätigen. Zusätzlich ist festzuhalten, dass ein Geschäftsführer des RICS nun einer der drei Geschäftsführer bei Raitec ist. 

Heinrich Schaller im Interview
(c) RLB OÖ

„Gespräche über Erweiterungen werden sehr bald aufgenommen.“

Heinrich Schaller

Wie will man neue Mitarbeiter gewinnen?
Heinrich Schaller: Ein Riesenvorteil ist, dass wir mehrere Standorte anbieten können. Wir suchen nicht nur an einem Standort neue Mitarbeiter, sondern an vielen und da ist es sicher einfacher Leute zu bekommen. Wie in vielen anderen Bereichen des Bankgeschäfts ist es auch notwendig, sich verstärkt um Studenten zu bemühen, die bereits neben ihrer Ausbildung in die Arbeitswelt hineinschnuppern wollen. Wir machen gerade im Bankbereich in Linz diesbezüglich sehr gute Erfahrungen und versuchen das auch im neuen Rechenzentrum auf diese Art und Weise. 
Martin Schaller: Sowohl Graz als auch Linz sind hervorragende universitäre Standorte mit sehr guten IT-Ausbildungen. Auch wir gehen direkt an die Universitäten und Fachhochschulen, um Leute zu rekrutieren.

Die verstärkte Zusammenarbeit im Raiffeisen-Sektor ist laufend ein Thema. Hat der Zusammenschluss der Rechenzentren Vorbildwirkung?
Heinrich Schaller: Wir sind für weitere Kooperationen absolut offen. Jetzt ist es erstmal unsere Aufgabe, diese Zusammenführung vernünftig über die Bühne zu bringen, dann kann man weiter sehen. Das heißt aber nicht, dass erst ab 2027 neue Strukturen geschaffen werden können. Die Gespräche über Erweiterungen werden sehr bald aufgenommen.
Martin Schaller: Ich bin auch der Meinung, dass es Sinn macht, weiterzudenken, denn wahrscheinlich wird ein Rechenzentrum für ganz Österreich ausreichend sein. 

Viel fehlt ja nicht mehr. Raiffeisen Informatik und Vorarlberg – gibt es schon Gespräche in diese Richtungen?
Heinrich Schaller: Wir haben in der Kooperationsgenossenschaft jetzt einmal beschlossen, dass wir von den IT-Leuten ein mögliches neues IT-Zielbild vorgestellt bekommen. Dann werden wir weiterreden. 

Sehen Sie vielleicht auch noch weitere Bereiche, in denen die Steiermark und Oberösterreich stärker zusammenrücken können? 
Heinrich Schaller: Es gibt in den verschiedensten Fachbereichen bereits sehr gute Zusammenarbeit zwischen Oberösterreich und der Steiermark – etwa im Bereich Geldwäsche und ­Compliance. Auch bei Finanzierungen im Firmenkundenbereich arbeiten wir sehr gut zusammen. Da gibt es noch einige Punkte mehr, wo es bereits sehr gut funktioniert. 
Martin Schaller: Natürlich gibt es auch noch andere Bereiche, wo es sicherlich Sinn macht, sich über eine Zusammenarbeit Gedanken zu machen. Vor allem in verschiedenen Abwicklungsbereichen kann man durchaus noch Kräfte bündeln, um Synergien zu erzielen. Man kann sicher noch mehr gemeinsam machen.