„Als Jury suchen wir jedes Jahr nach Kunstmuseen, die uns nicht nur oberflächlich beeindrucken, sondern ein authentisches und nachhaltiges Engagement für ihr Publikum zeigen. Die Kraft der Kunst, Leben tiefgreifend zu verändern und zu einer spürbaren Verbesserung der Gesellschaft beitragen“, erklärte Samuel Gallacher, Vorsitzender der Jury des 2021 gegründeten „Art Museum Awards“. „Ganz gleich, ob die Sammlungen Werke Alter Meister, der Moderne oder junger, aufstrebender Künstler umfassen.“
In Gugging zeigt und beschäftigt man sich seit über 20 Jahren mit Kunst abseits von künstlerischen Konventionen, die der Künstler – im Gegensatz zu einer kulturell vermittelten Kunst – aus sich selber schöpft. Für Nina Ansperger, künstlerische und wissenschaftliche Leiterin des Museums Gugging, stellt diese Finalteilnahme „eine besondere Anerkennung für die Künstler aus Gugging und für die Arbeit des Museums“ dar. „Sie unterstreicht die internationale Strahlkraft der Kunst aus Gugging und bestätigt unseren Anspruch, Künstler unabhängig von Zuschreibungen sichtbar zu machen und ihre Werke über ihre künstlerische Qualität zu vermitteln.“
Sechs Museen auf der Shortlist
Mit seiner Nominierung für den „Art Museum Award“ 2026 befand sich das in Klosterneuburg beheimatete Museum heuer in betont prominenter Gesellschaft. Neben dem auf Art Brut spezialisierten Haus standen fünf weitere Museen im Finale, darunter das renommierte Amsterdamer Rijksmuseum, das nicht nur für seine Meisterwerke von Rembrandt und Vermeer berühmt ist, sondern zudem Menschen weltweit dazu einlädt, die Kunstwerke der Sammlung auch kostenfrei digital zu nutzen. Das Museum schaffte es gemeinsam mit der Slowenischen Nationalgalerie in Ljubljana sowie mit dem Museum für zeitgenössische britische Kunst „Hastings Contemporary“ auf die Shortlist. Die in der südenglischen Küstenstadt Hastings gelegene Institution ist dafür bekannt, zeitgenössische britische Kunst mit Bildungsprojekten und Engagement für die Umwelt und die Küstenregion zu verbinden. Laut Jury zeige man mit den unterschiedlichen Ausstellungen, Bildungsprojekten sowie sozial-ökologischen Initiativen, „wie eine regionale Einrichtung zu einer einflussreichen kulturellen und gesellschaftlichen Kraft werden kann“.
Mit dem Rotterdamer „Fenix Museum of Migration” fand ein weiteres sozial engagiertes Museum die Anerkennung der neunköpfigen, international besetzten Jury. Das Museum befindet sich in einem ehemaligen, 1923 errichteten Lager am Rotterdamer Hafen, der einst Millionen Menschen für ihren Aufbruch zu einem neuen Leben im Ausland diente. Seit 2025 haben Besucher im neu eröffneten, lichtdurchfluteten Museumsbau mit spektakulärer Treppenspirale die Möglichkeit, das Thema Migration anhand von zahlreichen persönlichen Geschichten und durch die Augen internationaler Künstler zu erleben.

Blick in die Welt
Letztendlich konnte den Preis jedoch das griechische „Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst (EMST)“ in Athen für sich beanspruchen. Das Haus setzt auf griechische Gegenwartskunst in Beziehung zum südöstlichen Mittelmeerraum und zur Welt. Laut Angaben auf der Museums-Homepage versteht man sich „als Verfechter der zeitgenössischen griechischen Kunst – mit einem selbstbewussten Blick auf den südöstlichen Mittelmeerraum und die Welt“ und fungiert damit nicht zuletzt „als wertvolle kulturelle Brücke in einer zunehmend fragmentierten Welt“.
Gemeinsam ist allen seit 2021 bis dato nominierten 31 Museen, dass sie auf innovative, wegweisende und kreative Weise mit Kunst arbeiten und dabei aktuelle gesellschaftliche Fragen aufgreifen. Demokratische und humanistische Werte stehen dabei im Mittelpunkt, Teilhabe und Inklusion, soziale Gerechtigkeit, Gleichstellung und Nachhaltigkeit prägen die Museumsarbeit. Im Zuge des „Art Museum Awards“ wurde Gugging besonders für „die Verbindung von künstlerischer Exzellenz mit gelebter Inklusion und Teilhabe“ hervorgehoben.
Auf dem Weg zum Museum
In Gugging wird Kunst dort gezeigt, wo sie entsteht. Seinen Auftakt zur Entwicklung zum Museum nahm Gugging unter dem Psychiater Leo Navratil. Als Leiter der Heil- und Pflegeanstalt hatte er bereits in den 1950er-Jahren begonnen, seine Patienten in der psychiatrischen Männerabteilung zeichnen zu lassen, wobei im Laufe der Jahre eine Reihe qualitativ hochwertiger Arbeiten entstand. In den 1970er-Jahren kam es schließlich zur ersten großen Ausstellung. Trotz erster Erfolge in der Kunstwelt blieb Navratil der Bezeichnung „Künstler-Patienten“ treu. Erst sein Nachfolger, Johann Feilacher, schaffte 1986 die Bezeichnung Patienten ab und benannte die Wohnstätte in „Haus der Künstler“ um.
Wie weit die in Gugging geschaffene Kunst mittlerweile hinauswirkt, zeigen unter anderem auch die Begegnungen mit anderen Kunstschaffenden. Peter Pongratz bezeichnete den ehemaligen Gugginger Johann Hauser als seinen Lehrer. Gerhard Roth beschäftigte sich über Jahrzehnte schreibend und fotografierend mit Gugging. David Bowie wiederum besuchte die Künstler während der Arbeit an seinem Album „Outside“ und nahm Eindrücke von dort mit ins Studio.


20 Jahre Kunst
Mit der von Nina Ansperger kuratierten Jubiläumsausstellung „museum gugging.! 20 jahre kUNSt“ werden aktuell spannende Einblicke in die Entwicklung des Hauses gegeben. Präsentiert werden die Werke von 20 Kunstschaffenden. Im Oktober wartet man zudem mit einem besonderen Rahmenprogramm auf. So lassen sich beispielsweise zur „Langen Nacht der Museen“ am 3. Oktober die Werke auch im abgedunkelten Raum mit Taschenlampen erkunden, während ab 11. Oktober jeweils sonntags spezielle Jubiläumsführungen angeboten werden. Erst kürzlich wurde das Museum auch für die „Zero Project Arts Awards“ 2027 nominiert. Die Auszeichnung der Essl Foundation würdigt Initiativen, die Menschen mit Behinderungen gleichberechtigte Teilhabe ermöglichen. Gugging zählt zu insgesamt zehn ausgewählten Kunst- und Kulturinitiativen in neun Ländern. Der Preisträger wird am Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen bekanntgegeben.








