Kunstbrücke als Einladung zum Dialog

Das neue Raiqa eröffnet in Innsbruck einen eigenen Kunstraum, der selbst als Kunstobjekt fungiert. Mit der Kunstbrücke möchte man einen Ort der Begegnung schaffen und Kunst für alle zugänglich machen.

Die RLB Kunstbrücke ist auf eine neue Ebene gehoben worden, freut sich Silvia Höller, künstlerische Leiterin der Kunstbrücke, im Rahmen der Eröffnung. Nach einer langen Durststrecke während der Neuentstehung der Raiffeisen-Landesbank Tirol, hat nun auch die Kunst wieder die Möglichkeit zur freien Entfaltung – in einem eigens definierten Raum, aber auch an der Außenfassade und in den Beratungsräumlichkeiten des neuen Hauses. 

„Wir wollten ein hybrides Gebäude errichten, das nicht nur wir alleine nutzen“, erklärt Thomas Wass, Vorstandsvorsitzender der RLB Tirol, die Idee hinter dem neuen Raiqa. Daher befinden sich an der neuen Adresse nicht nur eine Bank, sondern auch ein Hotel, ein Bistro und viele Shops. Ziel sei es gewesen, einen Ort der Begegnung zu schaffen, der zum Verweilen einlädt. „Unsere Rolle hier ist es, Gastgeber zu sein und einen Dialog stattfinden zu lassen“, so Wass weiter – zwischen Kunden, Beratern und Unternehmen, aber auch auf einer künstlerischen Ebene. „Die RLB Kunstbrücke ist ein großes Herzensprojekt von uns. Kunst ist Teil unserer DNA.“ Daher hat man auch von Beginn an großen Wert auf die Gestaltung der Ausstellungsräume der Kunstbrücke gelegt. 

„Das Besondere an diesem Projekt ist, dass der Ausstellungsraum von Beginn an als Kunstprojekt gedacht wurde“, sagt Höller. Kunstschaffende konnten sich im Rahmen eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbs mit ihren Ideen bewerben. Das Wiener Architekturbüro Pichler & Traupmann war zwar von Anfang an in den Prozess eingebunden und auch in der Jury vertreten, trotzdem sollten die Wettbewerbsteilnehmer hauptverantwortlich für die Planung und Umsetzung der neuen Räumlichkeiten sein. Die Wahl fiel schließlich auf Dorit Margreiter Choy, Professorin an der Akademie der bildenden Künste Wien und international tätige Medienkünstlerin. „Überzeugt hat uns ihr Entwurf, weil er Architektur als etwas Dynamisches, Offenes, Experimentelles versteht, dabei auch nachhaltige Aspekte mitdenkt und vor allem dem Raum eine sehr eigene stake, Identität verleiht“, erklärt Silvia Höller die Entscheidung. 

Ein Raum, der verschwinden kann

Der 220 m2 große Ausstellungsraum ist in zwei Raumhöhen unterteilt. Zwei Elemente prägen ihn grundlegend: Das sind einerseits Bodenhülsen, die sich wie kleine Kreise abzeichnen und sich im 60-Zentimeter-Abstand über den Boden verteilen, sowie 3,8 Meter hohe Steher, die exakt in diese Kreise passen und beliebig angeordnet werden können. Daran können Tafeln angebracht und mit Kunstwerken bestückt werden. An der Decke verläuft ein dynamisches Schienensystem für Vorhänge, die den Raum ganz nach Bedarf gliedern. Dadurch ist ein Ausstellungsraum entstanden, der unglaublich viele Möglichkeiten bietet.

„Der Raum kann sich mit den Ausstellungen immer wieder verändern“, unterstreicht Höller die Flexibilität. „Die Idee war einerseits, eine künstlerische Arbeit zu schaffen, eine Art skulpturale Aufstellung, aber den Raum auch so zu sehen, dass er gänzlich verschwinden kann“, sagt Margreiter Choy über ihr Konzept. Die Vorhänge dienen dazu, den Kunstwerken einen Hintergrund zu geben, können aber auch zur Raumgliederung verwendet werden. Da das Budget der Ausstellungsarchitektur oft zu den größten Posten einer Ausstellung zählt, war es der Künstlerin wichtig, hier auf Nachhaltigkeit im Sinne von Multifunktionalität und Flexibilität zu setzen. 

Silvia Höller und Dorit Margreiter Choy vor der Videoinstallation „Mirror Maze“
Silvia Höller und Dorit Margreiter Choy vor der Videoinstallation „Mirror Maze“ © Günter Kresser

Prototyp

Die Arbeiten, die aktuell in der Kunstbrücke zu sehen sind, stammen ebenfalls von Dorit Margreiter Choy und befassen sich mit dem Überbegriff Raum. Unter dem Ausstellungstitel „Prototyp“ zeigt sie unter anderem zwei Videoinstallationen – entstanden sind diese im Spiegelkabinett des Wiener Praters („Mirror Maze“) und im Silberbergwerk in Schwaz („Silber“). Für den Film „Silber“ überblendete die Künstlerin Aufnahmen des Bergwerks mit einem isländischen Gletscher, wobei sich die Eisbrocken wie Edelsteine aus dem Berg herauszulösen scheinen. 

Ein Mobile bringt sanfte Bewegung in den Raum. Das Mobile „passage“, dessen zwei Teile in der Ausstellung räumlich voneinander getrennt präsentiert werden, basiert auf der von Margreiter Choy entwickelten Typografie „zentrum“. Die stilisierten Buchstaben – an einer Seite mit Spiegeln versehen – formen zwar das Wort Passage, sie präsentieren sich auf den ersten Blick allerdings mehr als bewegtes Bild oder schwebende Skulptur, die den Ausstellungsraum durch die Spiegelungen miteinbezieht.

Künftig sind in der Kunstbrücke drei Ausstellungen pro Jahr geplant, sowie die Präsentation des RLB Kunstpreises, der alle zwei Jahre vergeben wird. „Die Kunstbrücke ist ein zusätzliches Angebot für die Kunstszene in Innsbruck“, sagt Silvia Höller. Auch Rahmenveranstaltungen sind geplant. Der Eintritt ist frei und unabhängig von den Banköffnungszeiten möglich. Daher wird ein Besuch auch an Samstagen möglich sein. „Wir wollen die Kunst noch zugänglicher machen“, unterstreicht Thomas Wass.

Einfach Wow

Kunst findet im neuen Raiqa aber nicht nur im definierten Ausstellungsraum statt – auch zwei Beratungsräume wurden von der künstlerischen Hand zweier RLB Kunstpreis-Gewinner geprägt. Schon beim Betreten des Gebäudes sieht man die gläserne Front der beiden Räume, die im oberen Stockwerk „schweben“. Im Raum „Zugspitze“ steht man als Kunde/Besucher mitten in einer zentralperspektivischen Zeichnung, die von Anna-Maria Bogner gestaltet wurde. „Das Zentrum der Arbeit ist der Betrachter, die Situation, in die er sich begibt“, beschreibt die Künstlerin ihre Motivation dazu.

Christoph Hinterhuber legte den Fokus des Raumes „Zuckerhütl“ auf die Farbe Ultramarinblau – einmal in Form von Balken, die eine Art Wellenbewegung erzeugen, und andererseits als prägnanter Schriftzug: Das Wort „Wow“ auf der Glaswand ist außen- und innenraumwirksam und beschreibt sicher die Empfindung vieler Besucher, die das Gebäude zum ersten Mal betreten.

Apropos außen: Auch die Passage, die man vom Bahnhof kommend entlanggeht, wurde mit einem Kunstwerk aufgewertet. Die „Wave of Reflection“ der Lichtkünstlerin Julia Bornefeld ist 5 mal 5 Meter groß und besteht aus 2.000 vertikal angeordneten Aluminiumrohren. Durch die wechselnde LED-Beleuchtung ist eine Lichtorgel entstanden, die wie eine Welle anmutet. Und wenn man an der richtigen Position steht, kann man sogar die Nordkette sehen, die sich im oberen Teil des Fensters spiegelt. 

AusgabeRZ19-2026

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