Raiffeisen Kärnten „mit respektablem Ergebnis“ 2025

Die Bankengruppe steigerte 2025 ihr Kerngeschäft und die Bilanzsumme. Niedrigere Zinsen führten aber zu spürbaren Ergebnisrückgängen.

2025 baute die Raiffeisen Bankengruppe Kärnten ihr Kerngeschäft trotz eines anspruchsvollen wirtschaftlichen Jahres aus. Das Finanzierungsvolumen der 22 Raiffeisenbanken und der Raiffeisen Landesbank (RLB) Kärnten legte im Vorjahr um 4,1 Prozent auf 7 Mrd. Euro zu. Die Kundeneinlagen stiegen entgegen einer rückläufigen Sparquote in Österreich um 4,4 Prozent auf 7,6 Mrd. Euro.

„Das zeigt einerseits das hohe Vertrauen in unsere Bankengruppe und andererseits, dass Sicherheit ein zentrales Thema ist“, kommentierte RLB-Vorstandssprecher Manfred Wilhelmer diesen Zuwachs.

Auch im Wertpapiergeschäft hielt die hohe Dynamik im Vorjahr an, das Depotvolumen der Kunden wuchs um 10,4 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro. Die Bilanzsumme wuchs um knapp 480 Mio. Euro auf 12 Mrd. Euro. Bei den Ergebniszahlen gab es allerdings im Vergleich zum starken Geschäftsjahr 2024 – dem zweitbesten Ergebnis in der Geschichte – doch einige Abstriche: So sank das Betriebsergebnis im Vorjahr um 12,6 Prozent auf 151,7 Mio. Euro, während das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) um 13,9 Prozent auf 112,8 Mio. Euro zurückging. Als Hauptgrund dafür wurde das niedrigere Zinsniveau genannt. Dennoch war 2025 insgesamt gesehen ein gutes Jahr für Raiffeisen und ein starkes Vertriebsjahr, so Wilhelmer, der hinzufügte: „Unsere Stärke ist das Vertrauen der Menschen.“ Raiffeisen Kärnten hat mehr als 330.000 Kunden, wovon 30.500 Firmenkunden sind.

Die aktuelle wirtschaftliche Lage sei von Unsicherheiten aufgrund des Konflikts im Nahen Osten geprägt, betonte der Vorstandssprecher. Im Zentrum der Entwicklung stehen die gestiegenen Energiepreise als Inflationstreiber. „Die Energiekosten wirken wie eine versteckte Steuer“, so der Bankmanager. Damit steige der Kostendruck auf die Haushalte und Unternehmen, was sich wiederum dämpfend auf die Kreditvergabe auswirke. „Investitionen werden genauer geprüft bzw. im schlechtesten Fall auch verschoben“, berichtete Wilhelmer. Trotz dieser angespannten Lage finden Investitionen zwar nach wie vor statt, aber selektiver. Insgesamt erwarte man heuer „eine verhaltenere wirtschaftliche Entwicklung“, in der es nicht nur Risiken, sondern „die eine oder andere Chance“ gebe.

Kapitalbasis gestärkt

„Das respektable Ergebnis 2025“ habe den weiteren Kapitalaufbau in der Bankengruppe ermöglicht, strich RLB-Finanz- und Risikovorstand Gert Spanz hervor. Das Kernkapital nahm im Vorjahr um 6,1 Prozent auf fast 1,16 Mrd. Euro zu. Die Kernkapitalquote verbesserte sich im Jahresabstand um 0,7 Prozentpunkte auf 20,4 Prozent per Ende 2025. „Wir liegen auf einem sehr, sehr hohen Niveau“, so Spanz. Die Risikokosten habe man im Vorjahr mit gut 40 Mio. Euro überdurchschnittlich hoch dotiert – ähnlich wie im Jahr 2024. Etwa 80 Prozent davon entfielen auf das unter Druck geratene Immobiliengeschäft. Auch heuer werde man in etwa auf dieses Niveau kommen. Bezogen auf das Ergebnis würden die durchschnittlichen Risikokosten in etwa 30 Mio. Euro betragen. Die sogenannten notleidenden Kredite (Non-Performing Loans, NPL) liegen in der Bankengruppe mit rund 3,5 Prozent etwas höher als in der Vergangenheit, aber weiterhin in einem relativ soliden Bereich. „Man muss dem Thema aber ein besonderes Augenmerk schenken“, konstatierte Spanz. 

Ein besonderes Highlight des vergangenen Geschäftsjahres war die Übernahme der mehrheitlichen Baywa-Anteile (51,1 Prozent) an der „Unser Lagerhaus“ Warenhandelsgesellschaft (WHG) durch 16 Kärntner Raiffeisenbanken und die RLB Kärnten um rund 20 Mio. Euro. Dies sei „eine bewusste Entscheidung im Sinne einer regionalen Verantwortung und einer Wertschöpfung vor Ort“ gewesen, erinnerte Spanz. In Summe seien 97 Prozent der Lagerhaus-Gruppe nun wieder in Kärntner Eigentum. Neben der WHG gibt es in Kärnten noch drei selbständige Lagerhäuser.

Wachsendes Vertrauen

Im Wesentlichen setzen die Kunden bei ihren Bankgeschäften auf drei Kanäle: Bankstelle, Online- bzw. Mobile-Banking sowie Telefonie/E-Mail. „Die Beratung vor Ort ist ein zentrales Element unseres Erfolges“, betonte RLB-Vorstand Georg Messner. Raiffeisen Kärnten habe im Vorjahr an die 160.000 Beratungsgespräche durchgeführt. Damit wachse das Vertrauen kontinuierlich weiter. Mit 112 Bankstellen verfüge man „über das mit Abstand dichteste Bankstellennetz“ im Bundesland. Dazu komme auch eine flächendeckende Bargeldversorgung durch fast 200 Bankomaten.

Zum Flaggschiff hat sich der digitale Kundenservice über „Mein Elba“ bzw. die „Mein-Elba“-App mit 35,3 Millionen Zugriffen entwickelt, ein Plus von 2,4 Prozent im Jahresvergleich. Pro Tag werde fast 100.000-mal darauf zugegriffen, wobei Handy und Tablet bei den Zugriffsraten führend seien, so Messner. Und der Trend nimmt weiter zu: Im Vorjahr stieg die Mein-Elba-Kundenzahl um 5.800 auf fast 156.000. Daher laute die klare Präferenz bei Entwicklung, IT und bei den Investitionen „mobile first“, so Messner. Auch Künstliche Intelligenz (KI) komme gezielt zum Einsatz, um Abläufe zu vereinfachen und das Serviceangebot weiterzuentwickeln. 

Der Personalstand der Bankengruppe wurde 2025 um 51 auf 1.482 Mitarbeiter reduziert. Hintergrund ist die IT-Auslagerung an die oberösterreichische RAITEC, die das Personal gänzlich am neuen Standort in Klagenfurt übernommen habe, berichtete Messner.

Über das klassische Bankgeschäft hinaus leiste Raiffeisen auch einen spürbaren Beitrag für Kärnten, betonte der RLB-Vorstand. Dazu zählen unter anderem regionale Wertschöpfung, Investitionen in Bankstandorte sowie die 50 gegründeten Energiegenossenschaften. Im Vorjahr wurden zudem rund 1.200 Initiativen in Sport, Kultur und Gesellschaft unterstützt. „Für viele Menschen in Kärnten ist Raiffeisen Teil des Alltags. Genau das ist unser Anspruch: erreichbar sein, Verantwortung für die Region übernehmen und dort präsent bleiben, wo die Menschen leben und wirtschaften“, hielt Messner fest. 

Guter Start 2026

Beim Ausblick auf 2026 zeigte sich Finanzvorstand Gert Spanz „vorsichtig optimistisch“. Das prognostizierte Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent für Österreich sei finanziell gesehen ein Stillstand. Im gewerblichen Immobiliengeschäft sei die Lage nach wie vor herausfordernd. „Wenn die Zinsen steigen, wird es da keine Entspannung geben“, so Spanz.

Trotz der zahlreichen Herausforderungen sei die Bankengruppe „erfolgreich“ ins neue Geschäftsjahr gestartet. „Stabile Erträge und eine sehr gute Kapitalausstattung bilden verlässliche Grundlagen für weiteres Wachstum“, resümierte Spanz. Auf eigenen Wunsch wurde sein Vorstandsmandat nicht mehr verlängern. Im Juni 2026 wird Uta Kogler-Maier Gert Spanz im Vorstand nachfolgen.

AusgabeRZ19-2026

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