„2025 war sehr erfolgreich und wir haben ein sehr gutes Ergebnis erzielt“, bilanziert Reinhard Schwendtbauer, seit 1. Mai 2025 Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und in dieser Funktion in der Vorwoche einstimmig vom Aufsichtsrat bis 2032 verlängert. Das Betriebsergebnis ist im Vorjahr um fast 25 Prozent auf 845,2 Mio. Euro gestiegen und der Jahresüberschuss vor Steuern auf 748,3 Mio. Euro, das ist ein Zuwachs von 53,8 Prozent oder 261,8 Mio. Euro.
Die positive Entwicklung führt Schwendtbauer einerseits auf das gute operative Geschäft der RLB OÖ zurück – so ist etwa der Provisionsüberschuss um 12,0 Prozent auf 211,3 Mio. Euro gestiegen – und andererseits auf die gute Performance der wesentlichen Beteiligungen sowie auf geringere Kreditausfälle. „Gemeinsam mit den 64 Raiffeisenbanken mit 344 Bankstellen in Oberösterreich bilden die Raiffeisenlandesbank OÖ und der Beteiligungsbereich ein starkes Dreieck, das uns große Stabilität gibt“, unterstreicht Schwendtbauer. Die gesamte Raiffeisenbankengruppe ist mit einer Bilanzsumme von 69,6 Mrd. Euro die fünftgrößte in Österreich und die größte Bank in ausschließlichem österreichischem Eigentum, wie der Generaldirektor gerne betont.
Mehr Finanzierungen
Die Konzernbilanzsumme der RLB OÖ lag per Ende 2025 bei 48,7 Mrd. Euro. Die Kundeneinlagen haben sich um 3,1 Prozent auf 14,2 Mrd. Euro verringert, während die Finanzierungen in Summe um 1,0 Prozent auf 25,7 Mrd. Euro gestiegen sind. Die Investitionsfinanzierungen haben sich dabei um 2,0 Prozent erhöht. „2025 haben wir schon gesehen, dass sich eine leichte Erholung abzeichnet. Jetzt mit der geopolitischen Krise ist natürlich die Unsicherheit wieder größer geworden“, analysiert Schwendtbauer.
Im Jahr 2025 sind die Risikovorsorgen erneut gesunken, um 19 Mio. Euro auf 156,5 Mio. Euro – der Rückgang ergibt sich insbesondere durch gesunkene Einzelwertberichtigungen. Der Anteil notleidender Kredite ist 2025 bis Jahresende von 6,30 auf 5,69 Prozent gesunken. „Wir sind auf einem sehr guten Weg, in den nächsten Monaten die 5 Prozent – die Benchmark der EZB – zu unterschreiten“, prognostiziert Schwendtbauer.

Gestalterischer Spielraum
„Noch wichtiger als das Ergebnis selbst sind die Kapitalquoten“, erklärt Schwendtbauer. Mit 21,0 Prozent Eigenmittelquote hat man einen historischen Höchststand erreicht und auch die harte Kernkapitalquote im Konzern ist im Vorjahr um 1,7 Prozentpunkte auf 19,4 Prozent gestiegen. Damit verfüge man über jenen Spielraum, den es braucht, um als Impulsgeber und Mitgestalter den Wirtschaftsstandort zu stärken, so Schwendtbauer. Mit dieser Kapitalausstattung könne man, wenn die Konjunktur – nach den geopolitischen Verwerfungen – wieder anzieht, den Finanzbedarf der Wirtschaft abdecken. Ungefähr eine Milliarde sei für Standortsicherungsbeteiligungen reserviert, sollte es notwendig sein oder sich eine Möglichkeit bietet.
Die Entwicklung im Beteiligungsportfolio – mit rund 350 Firmen – beschreibt Schwendtbauer als sehr gut. Die 13 at equity bilanzierten Unternehmen haben im Vorjahr 462,3 Mio. Euro zum Konzernergebnis beigetragen, das sind um 192,5 Mio. Euro mehr als im Jahr davor. Die Raiffeisen Bank International hat 163,6 Mio. Euro beigetragen, die Voestalpine 150,2 Mio. Euro und die 25-Prozent-Beteiligung an der tschechischen Raiffeisenbank 98,1 Mio. Euro. „In Tschechien ist derzeit die wirtschaftliche Dynamik höher als bei uns, das liegt auch an einem sehr wirtschaftsfreundlichen Regierungsprogramm.“
Starke Wachstumsraten erzielen auch die Tochterunternehmen der IMPULS-Leasing-Gruppe: Das Leasing-Geschäft der RLB OÖ verzeichnete gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 7,1 Prozent auf 3,6 Mrd. Euro.
Mehr Kunden
Die 64 oberösterreichischen Raiffeisenbanken erreichten im Vorjahr ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 379,7 Mio. Euro, das ist ein Rückgang von 1,2 Prozent, aber „ein exzellentes Ergebnis“, so Schwendtbauer. Das Betriebsergebnis reduzierte sich um 6,3 Prozent auf 561,3 Mio. Euro. Die Bilanzsumme der Primärstufe in Oberösterreich erhöhte sich um 3,2 Prozent auf 35,0 Mrd. Euro. Die Spareinlagen legten um 3,2 Prozent auf 29,0 Mrd. Euro zu, die Investitionsfinanzierungen um 1,9 Prozent auf 15,7 Mrd. Euro. Insgesamt stagnierten die Finanzierungen bei 19,3 Mrd. Euro. Die harte Kernkapitalquote verbesserte sich weiter um 1,1 Prozentpunkte auf 23,1 Prozent.
Die Anzahl der Privatkunden in der Raiffeisenbankengruppe OÖ (inkl. RLB) ist um 3.324 auf 986.660 gestiegen. Darüber hinaus werden 82.668 Firmenkunden betreut.
Wertpapierzuwächse
Besonders freuen Schwendtbauer die deutlichen Steigerungen im Wertpapiergeschäft. Das Wertpapiervolumen der Privatkunden erhöhte sich um 18,5 Prozent auf 15,9 Mrd. Euro. Deutliche Zuwächse gab es auch beim Online-Sparen mit einem Plus von 9,2 Prozent.
Auch der private Wohnbau hat im Vorjahr wieder angezogen: 5.657 Neuabschlüsse bei privaten Wohnbaukrediten bedeuten einen Anstieg um 48,6 Prozent. Das Kreditvolumen bei Neuabschlüssen ist sogar um 67,2 Prozent gestiegen und liegt erstmals seit 2022 wieder über der Milliarden-Marke, konkret bei 1,02 Mrd. Euro. „Das stimmt uns zuversichtlich“, kommentiert Schwendtbauer. Der positive Trend wird durch die Zahlen der ersten beiden Monate 2026 bestätigt: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist die Anzahl der Neuabschlüsse erneut um 62,1 Prozent und das Neuvolumen um 78,6 Prozent gestiegen.
Aus der Marktführerschaft in Oberösterreich leitet der Generaldirektor einen klaren wirtschafts-, regional- und sozialpolitischen Auftrag ab, der sich in umfangreichen Partnerschaften mit Sportvereinen, Blaulichtorganisationen, Bildungs- und Sozialeinrichtungen, aber auch mit Kunst- und Kulturinitiativen widerspiegelt. Allein 2025 wurden von Raiffeisen Oberösterreich dafür rund 10 Mio. Euro investiert.
Die Erwartungen an das Jahr 2026 haben sich seit dem Krieg im Nahen Osten relativiert. „Wir hatten einen leichten Aufwärtstrend, das haben wir bei unseren eigenen Beteiligungen gesehen. Derzeit sind viele auf Beobachtungsstatus und warten auf weitere Signale“, berichtet Schwendtbauer und ergänzt: „Unsicherheit ist immer das Schlechteste.“ Der Generaldirektor rechnet mit zwei Zinserhöhungen in den nächsten Monaten. Sollte sich der Ölpreis dauerhaft über der 100-Dollar-Marke bewegen, sei auch eine Stagflation oder Rezession nicht ausgeschlossen.
Neue Leuchtturmprojekte
Für die Wirtschaft und die Stimmung brauche es nun Leuchtturmprojekte, „wo man sieht, dass etwas weitergeht“, so Schwendtbauer und erwähnt dabei den Spatenstich der neuen Raiffeisenzentrale in Linz, der im Mai stattfinden wird.
Kontraproduktiv für die Wirtschaft hält der Generaldirektor ganz klar die Bankenabgabe: „Wir haben in den letzten Jahren knapp 300 Mio. Euro Bankenabgabe gezahlt, mit diesem Geld hätten wir auch 3 Mrd. Euro an zusätzlichen Finanzierungen an die Wirtschaft ausreichen können, das hätte positivere Effekte gehabt als diese Branchensteuer.“ Aktuelle De-Regulierungs-Ambitionen seien somit keine Geschenke an die Banken, sondern „definitiv eine Investition in die Finanzkraft der österreichischen Wirtschaft“.
Mehr Zusammenarbeit
Insgesamt zeigt sich Reinhard Schwendtbauer mit seinem ersten Jahr als Generaldirektor zufrieden: „Wir haben viele Initiativen gesetzt und einen Ruck zu mehr Zusammenarbeit auf allen Ebenen des Raiffeisensektors hineingebracht.“ In Oberösterreich läuft das Strategieprojekt „Verbund Impulse 2030“, mit dem die Raiffeisenbanken von Abwicklungstätigkeiten entlastet werden sollen. Und auch zwischen den Landesbanken komme man jetzt in eine neue Zusammenarbeit.








