RVS: Stabil durch unruhiges Fahrwasser

Bei der Generalversammlung des Raiffeisenverbandes Salzburg standen ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025, die regionale Wertschöpfung und die Weiterentwicklung der Bankengruppe im Fokus.

Der Raiffeisenverband Salzburg (RVS) blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück, in dem es gelungen ist, die führende Position der größten heimischen Bankengruppe im Bundesland neuerlich zu stärken. Mit seinen rund 1.000 Mitarbeitenden erwirtschaftete der RVS 2025 ein Betriebsergebnis von 115,4 Mio. Euro, was einem Zuwachs von 48 Prozent oder 37,4 Mio. Euro entspricht. Auch das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit konnte um rund 16 Mio. auf 96,4 Mio. Euro gesteigert werden – ein Plus von 19,8 Prozent.

„Trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen hat sich der Raiffeisenverband Salzburg im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 gut behauptet“, resümierte Generaldirektor Heinz Konrad bei der 122. Generalversammlung im Hinblick auf den ausgebliebenen Konjunkturaufschwung sowie die hohe Inflation, die Österreich im Gegensatz zu den meisten anderen EU-Mitgliedsstaaten nicht in den Griff bekomme.

Dank solider Erträge aus dem Bankgeschäft und den Beteiligungsunternehmen sowie dem Verkauf von Anteilen am Zahlungsdienstleister Hobex an den Raiffeisensektor sei das geplante Ergebnis dennoch übertroffen und die Rücklagen weiter gestärkt worden. Die Transaktion brachte dem Raiffeisenverband laut Konrad einen Vorsteuergewinn von 52. Mio Euro. Zugleich betonte er, dass dieser Ertrag verdecke, dass man im rein operativen Bereich nicht ganz den eigenen Erwartungen entsprochen habe, weil das Zinsergebnis hinter dem Vorjahr zurückgeblieben sei. Die harte Kernkapitalquote legte um einen halben Prozentpunkt auf 16,1 Prozent zu.

Nicht minder erfolgreich war das abgelaufene Geschäftsjahr für die 33 selbstständigen Raiffeisenbanken in Salzburg mit einer aggregierten Bilanzsumme von knapp 12 Mrd. Euro. Die Einlagen stiegen um 2,7 Prozent auf 10,1 Mrd. Euro, das Kreditvolumen um 1,7 Prozent auf 8,4 Mrd. Euro. Zusammen wurde ein Betriebsergebnis von 188 Mio. Euro und ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 161 Mio. Euro erwirtschaftet.

RVS-Obmann Erich Zauner zeigte sich auch für das angelaufene Geschäftsjahr 2026 zuversichtlich: „Die Betriebserträge liegen im ersten Quartal etwa auf dem Vorjahresniveau.“ Die Struktur der Bankengruppe blieb unverändert: 2025 fanden keine Fusionen statt, auch für 2026 seien keine Zusammenschlüsse vorgesehen.

Wertschöpfung für die Region

Welche Bedeutung Raiffeisen Salzburg über das Bankgeschäft hinaus für den Wirtschaftsstandort hat, zeigte Zauner anhand des aktuellen Wertschöpfungsberichts auf. Demnach betrug der gesamtwirtschaftliche Beitrag der Bankengruppe im Jahr 2024 rund 914 Mio. Euro. Berücksichtigt wurden dabei der Bankbereich, die Lagerhäuser sowie die Equity-Beteiligungen des RVS. „Für jeden Euro, den wir als Raiffeisen Salzburg selbst erwirtschaften, werden weitere 43 Cent an Wertschöpfung ausgelöst“, betonte der Obmann. Die Brutto-Wertschöpfung pro Beschäftigtem lag im Jahr 2024 mit 129.000 Euro deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Mittelwert von rund 90.000 Euro.

Der verbreiteten Aussage, Banken würden so viel verdienen und müssten mehr besteuert werden, hielt Zauner entgegen. Die Steuer- und Abgabenleistung von Raiffeisen Salzburg bezifferte er direkt mit 273 Mio. Euro, inklusive indirekter und induzierter Effekte mit rund 340 Mio. Euro. „Das sind beeindruckende Zahlen und wir dürfen stolz sein auf den Beitrag unserer Salzburger Raiffeisenorganisation zur Wertschöpfung“, so sein Fazit.

Vor diesem Hintergrund bezeichnete auch Generaldirektor Konrad insbesondere die geplante Verlängerung der erhöhten Stabilitätsabgabe als „absolut unverständlich“. Diese verursache jährliche Kosten von rund sechs Mio. Euro. Höhere Abgaben in Verbindung mit steigenden regulatorischen Kapitalanforderungen würden die Möglichkeiten zur Kreditvergabe reduzieren oder Kredite verteuern, warnte Konrad und übte Kritik an den Koalitionsparteien: „Eine dauerhafte Budgetsanierung zulasten der Banken darf nicht Teil des Regierungsprogramms sein.“ Ein stabiler und gut aufgestellter Bankensektor sei „die allerwichtigste Grundlage“ für ein positives Investitionsklima.

Sieben Strategiefelder

Strategisch will die Raiffeisen Bankengruppe Salzburg den Fokus wieder stärker auf den Markt richten. Große organisatorische Projekte der vergangenen Jahre – allen voran die IT-Umstellung „weITblick“ – hätten erhebliche Ressourcen gebunden, sagte Konrad: „Darunter hat unsere Schlagkraft durchaus ein wenig gelitten.“ 

Basierend auf einer Zukunftsstudie und unter Einbindung von zwei externen Beratungsunternehmen seien daher in einem gruppenweiten Strategieprozess sieben wesentliche Handlungsfelder definiert worden. „Bis 2030 wollen wir die Bank in Salzburg sein, die als Lebensbegleiter gesehen wird – persönlich, digital und kompetent“, erklärte Konrad. Besonders bei jungen Kunden wolle man wieder klar die Nummer eins werden. Voraussetzung dafür seien eine kundenzentrierte Kultur, maximale Convenience und Geschwindigkeit durch effiziente Prozesse sowie eine kundenorientierte und wettbewerbsfähige Risikopolitik.

Als Grundlage für das Bankgeschäft hob Zauner die Bedeutung von Genossenschaften als „echte Hoffnungsträger“ hervor. Die genossenschaftliche Organisation biete die Möglichkeit, „im Schulterschluss Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit zu finden, wie beispielsweise die zunehmende globale Abhängigkeit“. Insgesamt unterstützt die Revision des RVS 143 Genossenschaften, in den vergangenen fünf Jahren wurde die Gründung von 20 neuen aktiv begleitet. „Unsere Genossenschaften sind für mich das Herz und die Seele unserer Region. Sie machen das gemeinsame regionale Wirtschaften erlebbar und schaffen eine starke Basis für unseren Erfolg als Gemeinschaft“, betonte der Obmann.

Obmann Erich Zauner, der bisherige AR-Vorsitzende Peter Burgschwaiger, seine Nachfolgerin Dagmar Herzog und Generaldirektor Heinz Konrad
Obmann Erich Zauner, der bisherige AR-Vorsitzende Peter Burgschwaiger, seine Nachfolgerin Dagmar Herzog und Generaldirektor Heinz Konrad © RVS

Herzog wird Aufsichtsratsvorsitzende

Personell brachte die RVS-Generalversammlung ebenfalls eine wichtige Weichenstellung: Mit 30. April hat Dagmar Herzog den Vorsitz des Aufsichtsrats übernommen. Die selbstständige Steuerberaterin hat diese Funktion auch bei der Raiffeisenbank Straßwalchen inne. Sie folgt damit auf den Unternehmer Peter Burgschwaiger, der seit 2010 an der Spitze des RVS-Aufsichtsrats gestanden hatte. Ebenfalls neu ist Katrin Steger als Herzogs Stellvertreterin, sie folgt in dieser Funktion auf Thomas Winter. Steger ist Hotelierin und Aufsichtsratsvorsitzende der Raiffeisenbank Saalbach-Hinterglemm-Viehhofen. 

Die beiden bisherigen Spitzen Burgschwaiger und Winter verlassen das Gremium. Als Mitglieder des Aufsichtsrats sind Manfred Schaffer (RB Pongau Mitte) und Alois Eisl (RB St. Gilgen-Fuschl-Strobl) neu hinzugekommen.

AusgabeRZ19-2026

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