Längst ist der Klimawandel auch in Österreich spürbar. Hitzewellen, Starkregen oder Trockenperioden treffen Städte und Gemeinden immer häufiger. Die Folgen reichen von überlasteten Kanalisationen über die Bildung von Hitzeinseln bis hin zum zunehmenden Stress für die heimische Pflanzen- und Tierwelt sowie den Menschen.
Damit sich das Leben in unseren Städten auch in Zukunft noch lebenswert gestaltet, rücken vor allem im Bereich der Stadtplanung und des Bauwesens Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel zunehmend ins Zentrum. Vielerorts ist man heute darum bemüht, der Entstehung von Hitzeinseln aufgrund der Versiegelung von Böden entgegenzuwirken: sei es durch vermehrte Begrünung, helle Pflasterungen statt dunklem Asphalt sowie die erhöhte Präsenz von kühlendem Wasser im öffentlichen Raum.
Einen wichtigen Faktor für das städtische Mikroklima stellen dabei immer häufiger auch Fassadenbegrünungen dar. Die vertikalen Grünflächen wirken sich durch Verdunstung und Beschattung nicht nur kühlend auf das Raumklima aus (was die Klimaanlage erspart), sondern helfen auch dabei, gesundheitsschädlichen Feinstaub zu binden. Zudem bieten sie Vögeln und Insekten Lebensraum und haben eine lärmmindernde Wirkung. Wer die Vorteile einer Fassadenbegrünung für sich nutzen möchte, der findet in Österreich beispielsweise mit der Umweltberatung Wien und dem Verband für Bauwerksbegrünung „Grünstattgrau“ zentrale Anlaufstellen. Denn bevor man mit der Begrünung loslegen kann, gilt es, sich unter anderem über die baulichen Voraussetzungen des Gebäudes, behördliche Anforderungen und Genehmigungen sowie geeignete Pflanzen zu informieren.
Bessere Orientierung
Genau hier setzt auch die im April 2026 in Kraft getretene ÖNORM B 1131 an. Diese bündelt erstmals den Stand der Technik und definiert klare Anforderungen für Planung, Ausführung und Pflege von Bauwerksbegrünungen. Damit verfügt Österreich als einziges EU-Land über eine eigene Norm für Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung. Geschaffen wird damit nicht nur „eine bessere Orientierung für alle Beteiligten“, sondern diese ermöglicht „auch anspruchsvollere Projekte sicher und nachvollziehbar umzusetzen“, betont Katharina Mauss, Prokuristin von „Grünstattgrau“.
Die Plattform versteht sich als Schnittstelle zwischen Forschung, Planung und Praxis und vermittelt in Online-Seminaren und Weiterbildungen (30. Juni bis 3. Juli 2026) die Inhalte und Anforderungen der Norm. Neben der Standardisierung von Solargrün- und Retentionsgründächern (begrünte Dächer, die Regenwasser speichern und zeitverzögert wieder abgeben) wurden darin beispielsweise auch die Anforderungen an Substrate und Dränschichten vereinfacht und präzisiert.
Stadtwald statt Asphaltdschungel
Inwieweit Dachbegrünung auch schon in den vergangenen Jahren erfolgreich umgesetzt wurde, zeigt sich unter anderem gut an einem Beispiel aus der Steiermark. Für das im März 2026 mit dem „Österreichischen Staatspreis für Klimawandelanpassung“ (CliA) ausgezeichnete Projekt des „Uniklinikum Graz“ wurde eine intensiv begrünte Dachfläche mit „systematischem Management für Klimawandelanpassung“ und „Biodiversität“ als zusätzlicher Erholungsraum für Personal und Patienten geschaffen. Ebenfalls als neuer „klimafitter Aufenthaltsraum“ versteht sich das im Rahmen des EU-Life-Projekts „impaQt“ (gemeinsam mit Charlottenburg) geförderte Stadtentwicklungsprojekt „Boulevard Melk“. Im Projektzeitraum bis 2029 soll im Zentrum von Melk ein klimaresilientes Stadtquartier entwickelt werden. Teil des von der Universität für Bodenkultur Wien – von der Entsiegelung über die Begrünung bis hin zur urbanen Wasserspeicherung – wissenschaftlich begleiteten Stadtentwicklungsprojekts ist unter anderem die Umgestaltung eines Parkplatzes zu einem innerstädtischen Stadtgarten.
Die Maßnahmen verstehen sich als Reallabore, in denen die erprobten Ansätze nicht nur getestet, sondern auch wissenschaftlich ausgewertet werden. Die Besonderheit des Projekts liegt – neben der Findung innovativer Finanzierungsmodelle aus Fördergeldern und wirkungsabhängigen Investitionen – vor allem in der ganzheitlichen Betrachtung eines gesamten Stadtteils mit all seinen unterschiedlichen Liegenschaften, weiß Doris Schnepf, Projektkoordinatorin „Green4cities GmbH“. Ziel ist es, nicht nur eine „neue Art der Baukultur zu schaffen“, sondern diese auch in anderen Städten nutzbar zu machen. Ein ganzheitlicher Ansatz, zu dem auch die Einbindung der Bevölkerung in Form von Bürgerbeteiligungsprozessen gehört.
Auch in Wels hat man bei der Stadtgestaltung in der Vergangenheit auf Bürgerbeteiligung gesetzt. So hatte beispielsweise die Welser Bevölkerung im Vorfeld des Umbaus des Welser Volksgartens die Gelegenheit, sich mit Anregungen und Wünschen einzubringen. Das Areal zählt seit dem Abriss der alten Messehalle mit zehn Hektar zu einem der größten Entsiegelungsprojekte Österreichs. Statt Asphalt setzt man auf eine Mischung von Grünflächen, 500 neuen Bäumen, Wasserflächen wie unter anderem einen Seerosenteich sowie Aufenthalts- und Bewegungsräume für Kinder und Bewegungsfreudige. Der „klimaresiliente Park für alle Generationen“ soll nicht zuletzt aktiv zur Kühlung des Stadtklimas beitragen.








