RLB OÖ: Stärke schafft Spielraum

Die RLB OÖ nutzte ihre Festveranstaltung zur Hauptversammlung, um ihre neuen Schwerpunkte für Wachstum, Digitalisierung und eine engere Zusammenarbeit im Raiffeisen-Sektor zu konkretisieren. Mit starken Zahlen im Rücken will man die Zukunft aktiv mitgestalten.

Ein Jahr ist vergangen, seit sich die Raiffeisenlandesbank OÖ an der Spitze neu aufgestellt hat und Heinrich Schaller das Zepter des Generaldirektors an seinen Nachfolger Reinhard Schwendtbauer übergeben hat. Die diesjährige Festveranstaltung anlässlich der Hauptversammlung bot nun die ideale Bühne, einen ersten Rückblick auf bereits umgesetzte Maßnahmen zu wagen sowie die zukünftige Strategie zu präsentieren. Nicht zuletzt nutzte der RLB-Vorstand das Event auch dazu, den scheidenden CEO der Raiffeisen Bank International, Johann Strobl, zu würdigen.

„Das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 war ein ganz besonderes, weil es vor allem geprägt war von einem gelungenen Start der neuen Führungsmannschaft. Ich denke, dass mit dieser geordneten Staffelübergabe ein spürbarer neuer Wind ins Haus eingezogen ist“, erklärte Aufsichtsratspräsident Volkmar Angermeier in seiner Eröffnungsrede. Sichtbar sei dies vor allem anhand der beiden Strategieprojekte „Impuls 2030“ in der Raiffeisenlandesbank OÖ und „Verbund Impulse 2030“ im oberösterreichischen Raiffeisen-Sektor. 

Die klare Priorisierung zentraler Zukunftsthemen zeige dadurch bereits Wirkung. „Zukunft wird nicht nur verwaltet, sondern aktiv gestaltet. Das ist gerade in einer Zeit, in der sich die Bankenbranche in einem großen Umbau befindet, von essenzieller Bedeutung“, betonte Angermeier.

Erwin Hameseder
Erwin Hameseder © RLB OÖ

Genossenschaft als Antithese

In dieser Hinsicht unterstrich ÖRV-Generalanwalt Erwin Hames­eder in seinen Grußworten die Bedeutung der genossenschaftlichen Idee und ihrer Grundprinzipien Solidarität, Miteinander und gemeinschaftlicher Selbsthilfe. Diese Werte hätten sich seit mehr als 140 Jahren bewährt und seien in der heutigen Zeit angesichts geopolitischer Krisen und multipler gesellschaftlicher Herausforderungen relevanter denn je.

„Ich sehe die Genossenschaft ein bisschen als Antithese zur Globalisierung“, sagte Hameseder. Die Globalisierung habe zwar unzweifelhaft Wohlstand gebracht, aber auch unglaubliche Abhängigkeiten geschaffen, was Resilienz koste. Genossenschaften hingegen würden Resilienz in den Regionen stärken, indem sie vor Ort Arbeitsplätze schaffen und somit lokale Wertschöpfung sichern. „Wir müssen es auf europäischer Ebene aber auch in Österreich schaffen, wichtige Industrien und Grundversorgung wieder zurückzuholen, um diese Abhängigkeiten etwas zu reduzieren“, so der Generalanwalt. Dafür nötige Investitionen müsse man wie eine Versicherungsprämie betrachten: „Das kostet Geld, aber damit versichern wir uns die Autonomie in der Grundversorgung.“

Solide Ausgangssituation

Dass es für die Herausforderungen der Zukunft Investitionen braucht, ist auch Reinhard Schwendtbauer bewusst. „Aber wir haben das Kapital, das ist das Schöne. Wir müssen nicht aus einer Notsituation heraus handeln“, sagte der Generaldirektor. Tatsächlich stehe die Raiffeisenlandesbank OÖ sehr gut da, wie Schwendtbauer mit einem erneuten Überblick auf die bereits Ende März präsentierte Bilanz verdeutlichte. So ist das Betriebsergebnis im Geschäftsjahr 2025 um fast 25 Prozent auf 845,2 Mio. Euro gestiegen. Der Jahresüberschuss vor Steuern wuchs auf 748,3 Mio. Euro an – ein sattes Plus von 53,8 Prozent oder 261,8 Mio. Euro. „Das ist ein sehr hoher Wert, der sich aus wirklich guter Arbeit im klassischen Bankenbereich und einer sehr guten Performance unserer Beteiligungen zusammensetzt“, erklärte Schwendtbauer. 

Als noch viel wichtiger als ein einzelnes Jahresergebnis betrachte er aber die Gesamtkapitalquote von über 21 Prozent: „Wir sind hochsolide und können deswegen bei allen Dingen, die wir in Zukunft strategisch machen wollen, sagen: Wir können es uns leisten.“ Man könne etwa offensiver am Markt auftreten oder Beteiligungen ausbauen.

Reinhard Schwendtbauer
Reinhard Schwendtbauer © RLB OÖ

Hohe Investitionsbereitschaft

Schon jetzt sehe sich die RLB OÖ dank ihres Kommerzgeschäfts und 350 Unternehmensbeteiligungen als „unternehmerischste Bank Österreichs“. Dieses Profil soll in den kommenden Jahren weiter geschärft werden. Schwendtbauer kündigte an, in den nächsten Jahren eine Milliarde Euro Eigenkapital für den Ausbau des Beteiligungsportfolios einsetzen zu wollen. Auch im Private-Equity-Bereich habe man über die Invest AG derzeit etwas mehr als 500 Mio. Euro investiert. „Auch dort besteht die Bereitschaft, weitere 500 Mio. Euro zu investieren“, sagte Schwendtbauer.

Gleichzeitig machte der Generaldirektor deutlich, dass Wachstum nicht allein über Beteiligungen definiert werde. Als Stärke von Raiffeisen OÖ beschrieb er das Zusammenspiel innerhalb der Gruppe und zeichnete das Bild eines Dreiecks zwischen der Landesbank, dem Beteiligungsportfolio und den 64 regionalen Raiffeisenbanken im Bundesland. Ziel sei es, möglichst viele dieser Institute zu erhalten. Dafür arbeite man im Projekt „Verbund Impulse 2030“ an einer neuen Governance, verbindlicherer Zusammenarbeit und maßgeschneiderten Dienstleistungsangeboten.

Besonderen Handlungsbedarf sieht Schwendtbauer im digitalen Wandel. Neobanken und digitale Anbieter würden auch in Oberösterreich täglich Kunden gewinnen. Die RLB OÖ müsse daher in IT, digitale Lösungen und neue Angebote investieren. Das erwirtschaftete Kapital sei notwendig, um die Zukunftsfähigkeit der Bankengruppe abzusichern.

Dass die Strategie „Impuls 2030“ nicht nur auf künftige Aktivität abzielt, sondern in den einzelnen Ressorts bereits mit konkreten Projekten unterlegt ist, zeigte im Anschluss eine Talkrunde mit den Vorstandsmitgliedern Michaela Keplinger-Mitterlehner, Stefan Sandberger, Michael Glaser, Gerald Aichhorn und Sigrid Burkowski. 

Gruppenfoto vom RLB OÖ Vorstand
Der Vorstand der RLB OÖ: Michael Glaser, Sigrid Burkowski, Reinhard Schwendtbauer, Michaela Keplinger-Mitterlehner, Gerald Aichhorn und Stefan Sandberger © RLB OÖ

Projekte auf Schiene

Keplinger-Mitterlehner rückte die Finanzbildung als Teil der gelebten Verantwortung von Raiffeisen in den Fokus, denn: „Nur Menschen, die mit Finanzen umgehen können, können ein selbstbestimmtes Leben führen.“ Neben zahlreichen Veranstaltungen zum Schwerpunkt „Frauen und Finanzen“ seien im Vorjahr 300 Finanzbildungsvorträge abgehalten worden. Auch digital werde das Angebot ausgebaut, unter anderem mit der neuen Kapitalmarkt-Info-App Raiffeisen Börse360°. Die Aktivitäten zeigten Wirkung: Bei den 18- bis 27-Jährigen habe sich die Zahl der Depotkunden binnen zwei Jahren verdoppelt.

Im Firmenkundengeschäft will die RLB OÖ laut Sandberger noch stärker auf Kundennähe und effizientere Prozesse setzen. Drei Geschäftsbereiche seien zusammengelegt worden, um interne Schnittstellen abzubauen und den Kundenbetreuern mehr Zeit für den direkten Austausch mit den Unternehmen zu geben. Parallel dazu arbeite man im Raiffeisen-Verbund an einem neuen Finanzierungstool und einem CRM-System. „Unser digitales Angebot muss noch wesentlich besser werden und daran arbeiten wir intensiv“, betonte Sandberger.

Risikovorstand Glaser führte die geplante Einführung des IRB-Ansatzes als weiteren strategischen Hebel an. Ab Anfang 2028 will die RLB OÖ Kreditrisiken mit eigenen Ratingmodellen bewerten. „Wenn ich das meinen Freunden erkläre, die nichts mit dem Bankwesen zu tun haben, dann vergleiche ich es ganz gerne mit einer Vollkaskoversicherung – wer riskanter fährt, zahlt auch mehr als der, der weniger riskant fährt“, so Glaser. Dadurch könne Kapital gezielter eingesetzt und die Preisgestaltung für bonitätsstarke Kunden verbessert werden. Bei planmäßiger Umsetzung erwartet Glaser einen zusätzlichen Kapitalpolster von ein bis zwei Prozentpunkten.

Burkowski verwies auf Fortschritte bei der Zusammenarbeit im österreichischen Raiffeisen-Sektor: „Wir haben das ein wenig in die Jahre gekommene, zu fixen Intervallen tagende Gremium Recht durch ein Speedboot ersetzt, das ist das Legal Expert Committee.“ Dieses neue Gremium, bestehend aus sieben Juristen – fünf Herren, zwei Damen – aus drei Landesbanken, bündelt seit 1. April bundesweite Rechts- und Compliance-Themen und soll für schnellere, einheitlichere und verbindlichere Lösungen sorgen. Seither habe es bereits 30 Aufträge erhalten und acht Legal Opinions erstellt.

Ein weiterer konkreter Aspekt der zukunftsorientierten Ausrichtung ist der anstehende Neubau der RLB-Zentrale direkt neben dem bestehenden Standort am Linzer Europaplatz. Aichhorn sprach von einem Standort mit Campus-Logik, der sowohl für Kunden als auch für bestehende und künftige Mitarbeitende eine der ersten Adressen in Österreich werden solle. Der Aufsichtsrat habe den Realisierungsbeschluss gefasst, der Spatenstich ist für 21. Mai geplant.

So unterschiedlich wie die vielen Projekte der Bank sei auch das sechsköpfige Vorstandsteam und die jeweiligen Ressorts, so Schwendtbauer. „Jeder ist ein absoluter Profi auf seinem Gebiet. Aber uns eint gemeinsam der ganz klare Wille, als Team für Raiffeisen zu arbeiten und etwas weiterzubringen“, brachte es der Generaldirektor auf den Punkt.

Reinhard Schwendtbauer und Aufsichtsratspräsident Volkmar Angermeier ehrten Johann Strobl
Reinhard Schwendtbauer und Aufsichtsratspräsident Volkmar Angermeier ehrten Johann Strobl © RLB OÖ

Goldenes Giebelkreuz für Strobl

Diesen Gestaltungswillen schrieb Schwendtbauer auch Johann Strobl zu, mit dessen Ehrung die Festveranstaltung ihren würdigen Abschluss fand. Der langjährige Vorstandsvorsitzende der RBI, der den Vorsitz mit 1. Juli an seinen designierten Nachfolger Michael Höllerer übergeben wird, wurde mit dem Goldenen Giebelkreuz ausgezeichnet. Schwendtbauer würdigte Strobl als Persönlichkeit, die in den vergangenen Jahrzehnten „wie kein Zweiter für die Weiterentwicklung des österreichischen und internationalen Raiffeisensektors“ gestanden sei. 

Besonders hob er dessen bemerkenswerte Ruhe, analytische Schärfe und Verlässlichkeit in herausfordernden Zeiten hervor – von der Finanzkrise über die Niedrigzinsphase und Covid bis zum Russland- und Ukraine-Thema. Schwendtbauer hielt mit einem Schmunzeln fest: „Ein Wiener Kollege hat mir einmal gesagt: Wenn du im Duden Unaufgebrachtheit nachschlägst, steht sicher Johann Strobl dort.“

AusgabeRZ19-2026

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