Wie verändert sich die Bankenbranche und welchen Einfluss haben globale Entwicklungen auf eine regionale Raiffeisenbank? Dazu will das Management-Forum des Raiffeisen Campus Jahr für Jahr Antworten bieten und neue Perspektiven aufzeigen. Auch heuer kamen wieder rund 140 Geschäftsleiter aus ganz Österreich in Salzburg zusammen, um sich Impulse von Experten zu holen und sich über aktuelle Themen auszutauschen.
Optimismus angesichts der vielfältigen Herausforderungen versuchte jedenfalls Landeshauptfrau Karoline Edtstadler in ihrer Gastrede zu vermitteln: „Ich wünsche mir für Österreich und für Salzburg, dass wir wieder mehr Zuversicht haben und mehr wertschätzen, welche Chancen wir in Österreich haben.“
Die Ära Trump verstehen
Ganz nach dem diesjährigen Motto „Die Welt im Blick. Die Region im Fokus“ wagte zunächst Hannelore Veith einen Blick über den Atlantik. Die langjährige Journalistin und ehemalige ORF-Korrespondentin in Washington berichtete aus erster Hand, wie die USA als Land ticken und wie es zu zwei Amtszeiten von Donald Trump kommen konnte.
Das europäische Mindset unterscheide sich stark vom amerikanischen, so Veith: „Wir sind anders sozialisiert. Unser Kontinent legt viel Wert auf soziale Sicherheit, demgegenüber steht der amerikanische Individualismus und ein Selbstverständnis von der großartigsten Nation der Welt.“

Diese Herangehensweise beinhalte auch mehr Risikobereitschaft und eine Kultur, die Fehler als Wachstumsgrundlage begreift. „Arnold Schwarzenegger wäre in Österreich wahrscheinlich Besitzer von Fitnessstudios – in Amerika ist er das geworden, was
er ist“, meint Veith.
Aus diesem Blickwinkel müsse man auch die Ära Trump betrachten: Dieser sei zwar ein „großer Disruptor mit autoritären Zügen“ und habe ein gestörtes Persönlichkeitsbild, „aber er sticht immer dort hinein, wo es tatsächlich Probleme gibt“. Nur rund 30 Prozent der Amerikaner seien stereotypische Trump-Anhänger, gewählt hätten ihn jedoch auch viele gut gebildete Menschen. Den Grund dafür ortet Veith in Themen wie Teuerung und illegaler Einwanderung, die Trump mit seinem Image als Mann der Wirtschaft und großer Außenseiter ideal bedient habe, während die Demokraten die Themenführerschaft abgegeben hätten.
Darüber hinaus könne Trump auch mit seinem Charisma punkten, wovon man in der europäischen Berichterstattung wenig mitbekomme: „Er ist ein genialer Entertainer. Dem Publikum bei Veranstaltungen begegnet er mit viel Humor, auch über sich selbst“, sagt Veith.
Dass die USA in eine Autokratie abgleiten, glaubt die Journalistin nicht, wiewohl Trump das aus ihrer Sicht sehr wohl gern hätte: „Ich sehe die USA als Land, das sich selbst aufgebaut hat auf dem System der Demokratie. Das lassen sich die Amerikaner nicht von einem einzelnen Mann nehmen.“
Licht und Schatten von KI
Bei gegenwärtigen Umwälzungen kommt man auch um das Thema Künstliche Intelligenz nicht herum. Deren Entwicklung schreitet rasant voran, die Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft sind kaum absehbar. Beim Management Forum 2026 wurde die Technologie aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet – mit wesentlichen Licht- und Schattenseiten.
Silke Finken, Professorin für Innovationsmanagement an der International School of Management (ISM) in München, beleuchtete die Rolle von KI als Treiber strategischer Transformation. Die Technologie habe ein riesiges Potenzial, vom weitreichenden „Finanz-Butler“ über KI-Agenten-Teams im Back-Office bis hin zu komplett autonomer Interaktion zwischen Agenten. Allerdings seien solche Systeme noch nicht sehr stabil, die Fehlerraten anfänglich noch hoch.
„Wir müssen Dinge ausprobieren, sonst bewegen wir uns nicht weiter.“
Silke Finken
Bei autonom agierender KI sei es daher ein schmaler Grat zwischen Unsicherheit und hoher Entwicklungsgeschwindigkeit. Aber, betont Finken: „Wir müssen Dinge ausprobieren, sonst bewegen wir uns nicht weiter.“
Vor allem auf Führungskräfte sieht sie gestiegene Anforderungen zukommen: „Neue Technologien erfordern starke Innovationskultur und Management der notwendigen Transformationen.“ Dabei müsse man Mitarbeiter auch an die Hand nehmen – oft herrsche viel Angst, aufgrund fehlender Kenntnisse das Gesicht oder gar den Job zu verlieren.


Ob KI tatsächlich Arbeitsplätze nimmt? „KI wird Menschen nicht ersetzen, aber Menschen mit KI werden Menschen ohne KI ersetzen“, erklärt Finken. Selbiges gelte auch für Banken. Sie appellierte für eine andere Betrachtungsweise: „Wir brauchen ein innovatives Mindset, wo Veränderung als Chance gesehen wird und nicht als Bedrohung.“
Welches Gefahrenpotenzial in einem anderen Kontext sehr wohl von KI ausgeht, wurde im Vortrag von Daniel Rossgatterer, Experte für Cybersecurity und Geschäftsführer des IT-Unternehmens Secutec, deutlich. Wie Finken sieht auch Rossgatterer KI als Gamechanger – im kriminellen Kontext aber auf der falschen Seite: „Cyberkriminelle werden immer erfolgreicher. Es gibt fast keinen Angriff mehr, wo wir keine KI-Komponente sehen.“ Die Technologie eröffne nicht nur neue Angriffsmöglichkeiten, sondern bringe den Tätern vor allem auch einen Schnelligkeitsvorteil: So erfolgte 2025 bei den schnellsten 25 Prozent der Angriffe der Datenabfluss bereits nach rund 72 Minuten. Im Vorjahr waren es noch 288 Minuten. Die Dimension von Cyberkriminalität verdeutlichte er mit einem Vergleich: Der globale Schaden von 10,5 Bio. Dollar pro Jahr entspräche der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt hinter den USA und China.
„Der Mensch ist die beste und wichtigste Firewall.“
Daniel Rossgatterer
Für 2026 skizzierte Rossgatterer vier Mega-Trends, welche die Bedrohungslandschaft prägen. Neben KI selbst seien dies neue Risiken in der Software Supply Chain, staatliche Akteure – die wiederum teils KI-Methoden anwenden – sowie Identitätsdiebstahl. Dieser spiele in fast 90 Prozent der Attacken eine wesentliche Rolle, etwa durch gestohlene Credentials und Tokens.
Staatliche Cyberkriminalität gehe von Russland, China, Nordkorea, Israel, den USA und dem Iran aus. „Europa spielt mit in einer ganz großen Rolle – das ist die Opferrolle“, sagt Rossgatterer. Die Anzahl der 2025 mit Ransomware erpressten Unternehmen bezifferte er weltweit mit 10.000, 5.000 allein in Europa – mit hoher Dunkelziffer. Die Größe des Betriebs spiele dabei keine Rolle, nur die Lösegeldforderung werde an die liquiden Mittel angepasst, da Bilanzen oft einsehbar sind.
Neben technischen Empfehlungen wie der Verwendung eines Passwort-Managers rät Rossgatterer dazu, Verdächtiges sofort zu melden: „Der Mensch ist die beste und wichtigste Firewall.“
Standort unter Druck
Einen genauen Blick auf Europas und Österreichs wirtschaftliche Rahmenbedingungen richtete der Finanzexperte und ehemalige Leiter von Raiffeisen Research, Peter Brezinschek. Die Geopolitik sei auch 2026 tonangebend, die europäische Wirtschaft stehe aber vor einer doppelten Herausforderung: geopolitische Unsicherheiten und strukturelle Schwächen im Inneren. Während globale Machtverschiebungen und neue Handelsallianzen wie Mercosur oder jenes mit Indien Chancen eröffnen, hemmen hausgemachte Probleme die Dynamik – besonders in Österreich.
Ein zentraler Kritikpunkt ist die zunehmende Regulierungsdichte. „Europa reguliert sich erhobenen Hauptes weiter den Wirtschaftsstandort kaputt“, bringt es Brezinschek in seiner Analyse auf den Punkt. Ein Blick auf zahlreiche EU-Vorgaben – von Lieferketten- über Taxonomie- bis hin zur Renaturierungs- oder der Entwaldungsverordnung – zeige, dass Unternehmen mit wachsender Bürokratie konfrontiert sind. Gleichzeitig versucht die EU, sich geopolitisch stärker zu positionieren: „Die EU versucht sich von den USA und China zu emanzipieren. Das ist positiv.“ Freihandelsabkommen wie mit Indien oder Mercosur seien daher wichtige Signale.
„Der Staat konsumiert, niemand investiert.“
Peter Brezinschek
Doch diese strategische Eigenständigkeit müsse auch wirtschaftlich untermauert werden. Gerade in Österreich fällt die Bilanz dabei ernüchternd aus. Ein echter Aufschwung ist nicht in Sicht. „Wir strangulieren uns mit unseren Regularien selbst, haben einen überbordenden Staatssektor und rückläufige Investitionen: Der Staat konsumiert, niemand investiert.“ Während der Staatskonsum deutlich steigt, bleiben private Investitionen zurück. „Gleichzeitig ist das reale BIP pro Kopf seit 2019 um rund zwei Prozent gesunken – ein klares Indiz für ein Verteilungsproblem“, unterstreicht Brezinschek.
Auch der Arbeitsmarkt und die Demografie verschärfen die Situation. Das Bildungsniveau unter den Zuwanderern ist laut Analyse oft gering, weshalb der BIP-Beitrag ebenfalls gering ausfällt, die Pensionsproblematik verschärft wird und die Gesundheitsausgaben steigen. Entscheidend wäre daher eine stärkere Integration und Qualifizierung dieser Zuwanderer.

Besonders kritisch ist laut Brezinschek hierzulande die Entwicklung bei Produktivität und Löhnen. Während die Einkommen steigen, stagniert die Arbeitsproduktivität – ein gefährlicher Trend. „Höhere Löhne wären kein Problem, wenn die Produktivität steigen würde. Das Gegenteil ist aber der Fall“, so der Experte. Gleichzeitig zählt Österreich zu den EU-Ländern mit den höchsten Staatsausgaben. Das expansive Krisenmotto „Koste es, was es wolle“ wirke bis heute nach – mit entsprechenden Budgetfolgen. Die wirtschaftlichen Probleme seien zu einem großen Teil hausgemacht: „Wir verhindern Wirtschaftsleistung im eigenen Land – Trump hat damit nichts zu tun“, bringt es Brezinschek auf den Punkt.
Was jetzt zählt, sind rasche Reformen – am Arbeitsmarkt etwa durch weniger attraktive Teilzeitmodelle, einer Anpassung des Arbeitslosengeldes oder ein neues Lohnverhandlungsmodell sowie weniger Steuern auf Arbeit, ein Flat Tax-Modell und eine Senkung der Lohnnebenkosten. An Strukturreformen schlägt der Experte ein Pensionssystem am Beispiel von Schweden mit einer Kapitalmarktergänzung vor sowie eine Gesundheitsreform mit klaren Kompetenzen. Eine Föderalismusreform, die Neugestaltung des Finanzausgleichs sowie weniger Bürokratie könnten zu effizienteren Staatsstrukturen führen. Ohne diese Maßnahmen drohe Österreich im internationalen Wettbewerb weiter zurückzufallen.
Die überbordende Bürokratie stand auch im Fokus bei Thomas Schmatzberger vom Fachverband der Raiffeisenbanken: „Wir haben ein Dickicht an Regularien für Banken. Daher braucht es wie im Bereich Nachhaltigkeit auch für Banken eine Omnibus-Verordnung zur Eindämmung der Überregulierung.“ Die aktuellen Regelungen seien auf grenzüberschreitend tätige Kreditinstitute ausgerichtet und vor allem für Regionalbanken nicht geeignet, so Schmatzberger. Daher brauche es ein eigenes Regime für Kleinbanken, wie es die deutsche Aufsichtsbehörde Bafin und die Deutsche Bundesbank vorgeschlagen haben.


Gutes Gesamtpaket
Wie Raiffeisenbanken bei ihren Mitarbeitenden punkten können und welche Rolle das Gehalt für die Arbeitgeberattraktivität spielt, erläuterte der Gehaltsexperte Conrad Pramböck. Im Recruiting ist das Gehalt zwar wichtig, aber nicht isoliert zu betrachten: Standort, Pendelzeit und Arbeitgeberimage beeinflussen die Attraktivität wesentlich: „Gehalt ist wichtig, aber nicht alles“, so der Experte. Insbesondere die Generation Z lege Wert auf Flexibilität und ein gutes Gesamtpaket. Faktoren wie Betriebsklima, Aufgaben, Führung und Entwicklungsmöglichkeiten sind für Mitarbeiter oft ausschlaggebender.
Entscheidend sei, dass die Bezahlung als insgesamt angemessen empfunden wird. Variable Anreizsysteme wirken nur dann motivierend, wenn sie einfach, transparent und nachvollziehbar sind. Zusatzleistungen wie Gesundheitsangebote, Mobilität oder flexible Arbeitszeiten steigern kurzfristig die Attraktivität, führen aber schnell zu Gewöhnung. Nachhaltiger sei ein individuell gestaltbares Angebot.








