Während die Kreditnachfrage der österreichischen Unternehmen nach Einschätzung der heimischen Banken infolge der verstärkten Investitionstätigkeit im ersten Quartal 2026 weiter gestiegen ist, belasten die Unsicherheit und die direkten Auswirkungen des Krieges im Nahen und Mittleren Osten den Ausblick.
Für das zweite Quartal 2026 erwarten die heimischen Banken einen Rückgang der Kreditnachfrage der Unternehmen. Im Gegensatz dazu erwarten die Banken, dass die Kreditnachfrage privater Haushalte weiter steigt – ein Trend, der gemäß den Antworten der Banken bereits seit zwei Jahren anhält und hauptsächlich mit dem niedrigeren Zinsniveau begründet wird, wie eine Umfrage im Euroraum zum Kreditgeschäft zeigt.
„Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten ist im ersten Quartal 2026 erneut gestiegen, gleichzeitig zeigt sich zunehmend ein differenziertes Bild im Kreditgeschäft: Geopolitische Unsicherheiten belasten den Ausblick für Unternehmen, während die Kreditnachfrage der privaten Haushalte robust bleibt; vor allem aufgrund der gesunkenen Zinsen. Entscheidend wird sein, wie stark sich die anhaltende Unsicherheit in den kommenden Monaten auf die Investitionstätigkeit auswirkt“, so OeNB-Gouverneur Martin Kocher.
Angebotsseitig belastet laut den Umfrageergebnissen die angespannte Risikosituation seit 2022 das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen (allgemeine Wirtschaftslage, Kreditwürdigkeit der Unternehmen). Das hat zu einer laufenden Verschärfung der Kreditangebotspolitik der Banken geführt. Aufgrund des Krieges im Nahen und Mittleren Osten haben die Banken einige ihrer Vergaberichtlinien gezielt angepasst.
Zuletzt gab es aber auch Erleichterungen bei der Kreditfinanzierung für Unternehmen. Im ersten Quartal 2026 wurden laut Antworten der Banken die Margen für Kredite, die nicht überdurchschnittlich riskant sind, erneut gesenkt. Als wesentlicher Grund dafür wurde eine Intensivierung des Wettbewerbs zwischen den Banken gemeldet.
Mehr private Wohnbaukredite
Nach einem historischen Tief steigt laut den Umfrageergebnissen die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaukrediten seit dem ersten Halbjahr 2024 durchgehend. 2024 war der Anstieg noch moderat, danach ist er stärker ausgefallen – vor allem im ersten und zweiten Quartal 2025. Für das zweite Quartal 2026 wird eine Fortsetzung dieses Trends erwartet. Als Hauptgrund für diese Entwicklung melden die Banken die gegenüber 2024 deutlich gesunkenen Zinsen. Von Juni 2024 bis Juni 2025 hat die EZB ihren Leitzins schrittweise von 4 auf 2 Prozent gesenkt.
Die laut Umfrageergebnissen gestiegene Nachfrage der privaten Haushalte nach Wohnbaukrediten hat folglich auch zu einer gestiegenen Neuvergabe von Wohnbaukrediten durch die Banken geführt. Im Jahresdurchschnitt 2025 wurden 1,4 Mrd. Euro pro Monat an neuen Wohnbaukrediten vergeben. Das entspricht einem Zuwachs von fast 50 Prozent gegenüber dem Jahresdurchschnitt von 2024.
Die gestiegene Nachfrage nach Wohnbaukrediten signalisiert eine weiterhin solide Neukreditvergabe in den nächsten Monaten. Eine ähnlich expansive Kreditentwicklung wie in den Jahren der Niedrigzinsphase bis Mitte 2022 ist aber auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Zum Vergleich: 2017 und 2018, vor Beginn des ausgeprägten Kreditzyklus, wurden durchschnittlich 1,5 Mrd. Euro pro Monat an neuen Wohnbaukrediten vergeben – also etwas mehr als 2025, bei damals um 1,5 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen. 2021, am Höhepunkt des Kreditzyklus, betrug die Neukreditvergabe für privaten Wohnbau durchschnittlich 2,1 Mrd. Euro pro Monat, bei damals um 2,2 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen.








