Krisenmodus hinterlässt Spuren

Österreichs Wirtschaftsstandort verliert im internationalen Vergleich zunehmend an Boden, zeigt der „Deloitte Radar 2026“.

Die Aussichten für den österreichischen Wirtschaftsstandort bleiben weiterhin trüb – mit schwerwiegenden Folgen für die heimische Wettbewerbsfähigkeit, zeigt der „Deloitte Radar 2026“: Geopolitische Spannungen, hohe Energie- und Finanzierungskosten sowie die schwache Konjunktur belasten die heimischen Unternehmen.

Der Wirtschaftsstandort kämpfte bereits seit längerem mit einem stetigen Abwärtstrend, jetzt spitze sich die Lage weiter zu, so Deloitte. Um Wohlstand und Sicherheit nicht noch weiter zu gefährden, brauche es neben kurzfristigen Maßnahmen im Rahmen der Budgetkonsolidierung „vor allem tiefgreifende und einschneidende Strukturreformen“. Der Deloitte Radar untersucht die Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Wirtschaftsstandorts. Für den aktuellen Report wurden einerseits rund 600 Top-Führungskräfte befragt und andererseits die wichtigsten globalen Indizes analysiert.

„Österreichs Wirtschaftsstandort schafft es seit Jahren nicht aus dem Krisenmodus. Im Gegenteil: Im aktuellen Wettbewerbsranking des IMD (International Institute for Management Development, Anm.) erreichen wir erneut nur den 26. Platz und verharren deutlich hinter vergleichbaren europäischen Ländern wie der Schweiz, Dänemark oder Schweden“, streicht Harald Breit, CEO von Deloitte Österreich, hervor. Es brauche eine offene und schonungslose Bestandsaufnahme sowie den politischen Willen zu tiefgreifenden strukturellen Reformen. Denn die Energiekrise infolge des Iran-Kriegs nehme erst Fahrt auf. 

Stimmung am Tiefpunkt

Schon jetzt ist laut der Umfrage jedes zweite Unternehmen vom Krieg im Nahen Osten direkt betroffen. Sechs von zehn Unternehmen erwarten negative Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit. Darüber hinaus beklagen 61 Prozent die hohen Energiekosten. Es verwundert also nicht, dass vor diesem Hintergrund die Stimmung am Standort am Tiefpunkt sei, so Deloitte weiter. Rund ein Drittel der Befragten gibt an, die Stimmung als negativ oder sogar sehr negativ wahrzunehmen, während nur eine Minderheit von 14 Prozent die Stimmung positiv sieht. Ähnlich düster ist der Ausblick auf die nächsten Monate.

Die Themen dabei sind nicht neu: Die österreichischen Führungskräfte empfinden vor allem die überbordende Bürokratie (58 Prozent), die allgemeine Unsicherheit (53 Prozent) und die hohen Steuern und Abgaben (37 Prozent) als besonders problematisch. Im IMD-Ranking belegt die österreichische Steuerpolitik aktuell nur Platz 64 von 69 Ländern – damit zählt Österreich auch im internationalen Vergleich zu den Schlusslichtern.

Deutliches Warnsignal

„Der Bürokratiedschungel und die Steuerpolitik werden als die größten Belastungsfaktoren wahrgenommen, das ist ein Warnsignal. Wir riskieren damit die breite Abwanderung von Unternehmen ins Ausland – und eine Zunahme der Insolvenzen. Es droht ein weiterer Verlust der Wettbewerbsfähigkeit“, warnt Herbert Kovar, Managing Partner im Bereich Tax & Legal bei Deloitte Österreich. Entgegenwirken kann man der Problematik laut den befragten Führungskräften vor allem mit der Sanierung des Staatshaushaltes, Investitionsförderungen und der Schaffung erhöhter Rechtssicherheit für eine bessere Planbarkeit von Investitionen. 

Zudem wird auch der Ruf nach einer spürbaren Kostensenkung für Unternehmen lauter: „Die Senkung der Lohnnebenkosten wird seit Jahren gefordert, nun will die Regierung hier einen ersten Schritt im nächsten Budget setzen. Aber es braucht mehr: Eine Senkung um drei Prozentpunkte bis 2028 mit klarer Gegenfinanzierung, etwa durch Effizienzsteigerungen im Staat und wachstumsbedingte Mehreinnahmen, ist notwendig“, appelliert Kovar.

Neben der Steuerpolitik gilt auch der Arbeitsmarkt als Sorgenkind. Jedes fünfte Unternehmen  beurteilt die Verfügbarkeit von Fachkräften als schlecht, 27 Prozent geben dem Standort bei den Personalkosten schlechte Noten. Auch bei der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer wird noch Luft nach oben gesehen: 20 Prozent vergeben hier nur ein „Genügend“ oder „Nicht genügend“.

Harald Breit fasst abschließend zusammen: „Echter Fortschritt wird ohne spürbare Einschnitte und echte Reformen nicht gelingen. Wir sehen vor allem in diesen fünf Bereichen Handlungsbedarf: weitere Senkung der Lohnnebenkosten, bessere Nutzung der Potenziale am Arbeitsmarkt, Bürokratieabbau, Absicherung des Pensionssystems und Ausbau von erneuerbaren Energien. Wenn wir jetzt nicht ins Handeln kommen, wird der Standort weiter an Boden verlieren – das können wir uns nicht mehr leisten.“

AusgabeRZ20-2026

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