OeKB: Exporteure nutzen Absicherungen

Firmen schützen ihre Auslandsgeschäfte mit Hilfe der Oesterreichischen Kontrollbank.

In volatilen Phasen mit politischen und wirtschaftlichen Risiken greifen heimische Unternehmen gerne zu Absicherungs- und Haftungsinstrumenten. „Je höher die Unsicherheit, desto eher sucht man die Absicherung“, erklärt OeKB-Vorstand Helmut Bernkopf. Die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) steht seit mittlerweile 80 Jahren den heimischen Exporteuren mit entsprechenden Produkten zur Seite. Der Gedanke, dass es irgendwann keine Exportservices mehr braucht, weil alle Länder marktfähig sind, habe sich in der jüngeren Vergangenheit wieder zerschlagen. „Unsere Rolle ist mehr denn je wichtig“, unterstreicht Bernkopf. Alle vorsichtig positiven Signale für die Konjunktur 2026 haben sich Ende Februar mit der kriegerischen Eskalation im Nahost-Konflikt wieder verschoben.

Die Nachfrage nach OeKB-Services bleibt somit auch im heurigen Jahr groß. Sowohl im Inlandsbereich, hier vor allem mit der Vorratsinvest (Finanzierung von Betriebsmitteln und Vorräten), als auch im Auslandsgeschäft, also im Bereich der Garantien und Finanzierungen. Im Vorjahr meldete die OeKB in diesem Bereich Zuwächse im Neugeschäft auf 3 Mrd. Euro. Diese Marke könnte man heuer wieder erreichen. „Bei exportinduzierten Investitionen haben wir zum Halbjahr ähnliche Volumina wie im Vorjahr“, berichtet Bernkopf.

Exoten werden attraktiver

Bei den Exportdestinationen sind die heimischen Unternehmen weitgehend standorttreu, also rund 70 Prozent der österreichischen Exporte gehen nach wie vor in die Europäische Union. Die Auslandsgeschäfte mit den USA laufen weiterhin verhalten, es gebe keine Neuansiedelungen, aber auch keine Rückzüge heimischer Firmen. Hingegen gewinnen für heimische Firmen exotischere Länder in Lateinamerika und Südostasien an Attraktivität: Die neuen EU-Handelsabkommen mit Indien und Brasilien „fruchten“, so Bernkopf, und erzeugten im ersten Halbjahr eine Anziehungskraft für Exporteure. Gerade in Indien gebe es eine enorme Dynamik, so würden etwa 20 Prozent der weltweiten Infrastrukturprojekte aktuell in Indien realisiert. Impulse gibt hier auch die Global-Gateway-Strategie der EU, bei der es darum geht, weltweit nachhaltige und hochwertige Infrastruktur zu finanzieren. Auch in Afrika komme dadurch Dynamik hinein. 

Positiv entwickeln sich laut OeKB dementsprechend die Segmente Energie und Infrastruktur sowie die Absicherung von Lieferketten. „Insbesondere die Pipeline bei Netzausbauten, Speicherung und grünen Technologien wie auch Wasserkraft ist gut gefüllt“, so Bernkopf, deshalb sei man auch bei der Prognose für das Gesamtjahr „entsprechend optimistisch“.

Weitere Potenziale

In einigen Bereichen wäre dabei noch mehr möglich, etwa bei der EU-Aufrüstung. Die neuen Investitionen in die Landesverteidigungen könnten auch für heimische Zulieferer relevant sein, auch wenn sich Bernkopf dadurch keinen „Exportboom“ erwartet. Dazu brauche es allerdings klare gesetzliche Regelungen, Stichwort „Dual Use“. 

Hoffnung signalisierten auch die Friedensgespräche in Danzig, wo es um die Möglichkeiten des Wiederaufbaus der Ukraine ging und wo auch österreichische Unternehmen dabei waren. Die OeKB hat zur Unterstützung dieser Aktivitäten 500 Mio. Euro bereitgestellt. „Aber die Phase für den Wiederaufbau ist noch zu früh“, spricht Bernkopf von einer geringen Nachfrage nach diesen Mitteln, obwohl die Deckungsquote für politisches Risiko nochmal von 95 auf 98 Prozent erhöht wurde. Insgesamt wird der Wiederaufbau in der Ukraine mit rund 600 Mrd. Euro beziffert. Die EU will hier mitfinanzieren und im Gegenzug bei Resilienzthemen von der Ukraine lernen. Die Ukraine sei etwa eine Benchmark für Cybersecurity geworden. 

AusgabeRZ28-2026

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