Ernte: „Der Ackerbau ist am Limit“

Die Ernte fällt heuer deutlich schlechter aus als im Vorjahr. Gleichzeitig verschärfen hohe Kosten und niedrige Preise die Lage der Ackerbaubetriebe.

Anhaltende Hitze und ausbleibender Regen haben Österreichs Ackerbau heuer massiv zugesetzt. Die Ernte dürfte deutlich kleiner ausfallen als im Vorjahr. „Anhaltende Hitze und Trockenstress lassen eine deutlich geringere Getreideernte erwarten als 2025“, sagt Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger. Gemeinsam mit Nikolaus Berlakovich, Präsident der LK Burgenland, hatte er ins burgenländische Deutschkreuz zur Ernte-Pressekonferenz am Hof von Lisa Kölly-Pfneisl (Ackerbau und Weinbau) geladen. 

Die schwierige Saison begann bereits im Herbst 2025. Einer wechselhaften und kühlen Witterung folgten ein trockener Winter, wenig Regen im Februar und ein niederschlagsarmer Frühling. Im Juni erschwerten zusätzlich extrem hohe Temperaturen die Bedingungen. „Diese Ackerbausaison ist nichts für schwache Nerven“, brachte es Moosbrugger auf den Punkt. Mit diesen Niederschlagsdefiziten konnten sich die Kulturen nicht so entwickeln, wie gewünscht. 

Schätzungen gehen von einem Minus von 15 bis 20 Prozent aus, was einer Erntemenge von 2,7 Millionen Tonnen (ohne Mais) entspricht – wobei die Ernte in den verschiedenen Bundesländern und vor allem regional sehr unterschiedlich ausfällt. „Im Burgenland kann man auf das Minus noch 20 Prozent draufschlagen – ohne hier zu dramatisieren“, so Nikolaus Berlakovich. Im Raum Neusiedl am See verzeichnet man heuer ein Niederschlagsminus von 90 Prozent. Rund um Deutschkreuz beträgt das Minus immer noch über 60 Prozent. Grundsätzlich macht sich folgender Trend bemerkbar: „Je weiter im Osten, desto stärker sind die Ertragseinbußen“, sagt Josef Moosbrugger, und weiter, „die Qualität ist gut, aber es fehlen die Mengen.“ Denn im Juni setzte die extreme Hitze vielen Kulturen gerade in der wichtigen Kornfüllungsphase erheblich zu. 

Unter Druck

Nicht nur die Erträge bereiten den Betrieben Sorgen: „Die Wirtschaftlichkeit, die Rentabilität ist angesichts der Preis-Kosten-Schere nicht mehr gegeben“, sagt Moosbrugger. Unter diesen Bedingungen eine wirtschaftliche Perspektive zu entwickeln, werde zunehmend schwieriger. Daher war die vorgezogene Auszahlung des Agrardiesels unverzichtbar – dieser sei „aber kein Ausgleich dafür, was am Markt passiert, er ist notwendig für die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft“. Besonders im Vergleich mit anderen europäischen Ländern.

„Der Ackerbau ist am Limit“, beschreibt Nikolaus Berlakovich die Situation. Die letzten Jahre seien dadurch gekennzeichnet gewesen, dass sich die Erzeugerpreise auf einem niedrigen Niveau bewegen, Tendenz absteigend, und die Produktionskosten immer stärker steigen, von Dünger über Energie und Treibstoff bis zu den Arbeitskräften. Das könne sich irgendwann nicht mehr ausgehen. „Was uns in Europa aber nicht passieren darf, ist, dass wir ein Problem bei der Lebensmittelversorgung bekommen“, warnt Berlakovich auch in seiner Funktion als COPA-Vizepräsident. So wäre etwa das Aussetzen der CO2-Steuer auf Dünger ein wichtiger Schritt. Auch Moosbrugger prognostiziert: „In der kommenden Saison wird das Thema Dünger noch intensiver zuschlagen.“ Es sei eindeutig der falsche Weg in Europa, die Düngerindustrie zu schützen, ohne gleichzeitig die Landwirtschaft mitzudenken.

Kulturen im Wandel

Nicht nur die Erträge gehen zurück. Auch die Getreidefläche schrumpft weiter. Nach dem historischen Tiefstand des Vorjahres sank sie 2026 nochmals um 0,7 Prozent auf 497.340 Hektar. „Getreide kommt mit Trockenheit und Hitze schlechter zurecht als zum Beispiel Mais“, erklärt Moosbrugger.

Die wichtigsten Kulturen in Österreich sind nach wie vor Mais (Körner- und Silomais), Weizen, Gerste, Sojabohnen und Triticale. Besonders stark ausgeweitet wurden im Vergleich zum Vorjahr Sonnenblumen (+19,7 Prozent), Roggen (+10,1 Prozent), Ölkürbis (+9,5 Prozent) und Wintergerste (+3,5 Prozent). Doch auch Raps (+5,7 Prozent) konnte von einem sehr niedrigen Niveau wieder zulegen. Prozentmäßig am stärksten an Fläche verloren haben heuer Erdäpfel (–18,5 Prozent; vor allem Stärkeerdäpfel mit –50,5 Prozent), Körnererbsen (–21,2 Prozent), Ackerbohnen (–12,2 Prozent), Sommergerste (–12,1 Prozent), Hafer (–9,3 Prozent) und Zuckerrüben (–8,3 Prozent).

Dass die Ernte trotz aller widrigen Wetterbedingungen besser ausfällt als vielerorts befürchtet, sei dem Know-how und dem Können der heimischen Ackerbauern zu verdanken, betonte der LKÖ-Präsident. „Ein Teil des Ertrags ist mit Sicherheit der Professionalität der Ackerbauern und den modernen Sorten zu verdanken“, sagt er. Nun gelte es, Antworten zu finden auf die Frage, welche Ackerbaukulturen Zukunft haben und auch mit Trockenheit und Hitze zurechtkommen.

Gleiche Regeln für alle

Gerade im Ackerbau wird besonders viel von der Landwirtschaft gefordert, etwa wenn es um Pflanzenschutz geht. Immer mehr Wirkstoffe gehen verloren, die Zulassungen sind nicht für alle Länder einer Zone gleich, was zu erschwerten Produktionsbedingungen in der heimischen Landwirtschaft führt. Die Vorschläge der EU-Kommission zur Anpassung der Zulassungsverfahren seien hier hinter den Erwartungen zurückgeblieben, so Berlakovich. 

Das Problem der unterschiedlichen Produktionsbedingungen sieht Moosbrugger auch in anderen landwirtschaftlichen Bereichen. „Was man bei uns in der Produktion nicht will, das darf auch nicht importiert werden“, sagt der LKÖ-Präsident und spielt damit auf Abkommen mit der Ukraine oder Mercosur an. „Das vernichtet Wettbewerb und letztendlich Wertschöpfung in der Landwirtschaft.“

Berlakovich fordert außerdem: „Wir brauchen eine starke, zukunftsweisende und ausreichend finanziell ausgestattete Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) samt Inflationsanpassung. Außerdem müssen praktikable, anreizbasierte Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen ein zentrales Ziel sein. Reformvorschläge, welche die GAP schwächen oder Kürzungen im Bereich der Agrar-Umweltmaßnahmen vorsehen, lehnen wir entschieden ab.“ 

AusgabeRZ28-2026

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