Für viele Menschen sind Träume wichtig, für Hochleistungssportler ganz besonders. Kletter-Toptalent Jakoba Rauter zum Beispiel träumt nicht nur, wie so viele, von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen, sondern auch davon, diese gemeinsam mit ihrer Schwester Magdalena zu erleben. Die Stabhochspringerin, über die wir an dieser Stelle bereits berichtet haben, absolviert derzeit ein Studium in Texas und gehört nach wie vor zur Elite in ihrer Sportart. Genauso wie Jakoba, die schon seit Langem als „Rising Star“ in der Kletterszene gehandelt wird, in diesem Jahr aber auch von den großen Ergebnissen den Durchbruch geschafft hat.
„Ja, da waren ein paar spektakuläre Sachen dabei“, sagt die 17-Jährige mit dem gewinnenden Lachen. U19-Europameisterin in Ungarn. Weltcup-Debüt in Tschechien. Gesamtsiegerin im Europacup bei den Erwachsenen. Und: das Erreichen des Halbfinales beim Heim-Weltcup in Innsbruck, der als einer der anspruchsvollsten auf der Tour gilt. „Ich wollte unbedingt einmal in der Jugend den EM-Titel holen, weil ich das noch nie geschafft habe. Das war richtig toll. Aber vor heimischem Publikum mit Familien und Freunden bei meinem erst zweiten Weltcup ins Halbfinale zu kommen, war ein ganz besonderes Highlight“, sagt die Tirolerin aus Götzens. Dass zwischen diesen beiden Erfolgserlebnissen gerade einmal vier Tage lagen, macht das Erlebte noch einmal spezieller. Eine Woche wie im Traum.
Entschlossen
Dabei ist Jakoba Rauter keine Athletin, der alles in die Wiege gelegt wurde. Klar, dass sie über ein hohes Maß an Talent verfügt, war schon zu sehen, als sie als nicht einmal 10-Jährige beim KraxelCup in Axams triumphierte. „Es war aber nie so, dass bei mir immer alles leicht von der Hand ging, ich musste immer auch viel investieren, um erfolgreich zu sein.“ Das kommt ihr heute zugute, auch wenn es vom Kopf her manchmal nicht so leicht ist, alles einzuordnen. „An manchen Tagen habe ich das Gefühl, mir selbst beweisen zu müssen, dass ich gut genug bin. Das könnte unterbewusst aber auch Teil meiner Strategie sein.“
Eine Strategie, die augenscheinlich schon früh funktionierte. Denn bereits mit zwölf Jahren wusste Jakoba: „Ich will mit Klettern meinen Lebensunterhalt verdienen.“ Damals ließ sie sich von Videos von Janja Garnbret inspirieren, die hochdekorierte Slowenin, die als mehrfache Olympiasiegerin als beste Kletterin der Welt gilt. „Viele sagen, dass ich vom Stil her ganz ähnlich klettere wie sie. Das ist unbewusst wohl dem geschuldet, dass ich sie immer schon studiert und bewundert habe.“ Bis heute ist Janja Garnbret ihr großes Vorbild, aber natürlich bewundert sie auch die heimischen Kletter-Granden, mit denen sie in Innsbruck tagtäglich trainiert. Jessica Pilz und vor allem Raiffeisen-Kollege Jakob Schubert, den sie nicht nur wegen seiner Fähigkeiten an der Kletterwand schätzt. „Die Begeisterung, mit der er nach so vielen Jahren noch jeden Tag zum Training kommt, ist total ansteckend. Ich würde mir wünschen, dass ich mir die auch so lange erhalten kann.“
Derzeit spricht jedenfalls nicht viel dagegen. Das erkennt man auch an den Videos, die sie in regelmäßigen Abständen auf Instagram für ihre mittlerweile mehr als 14.000 Follower postet. Nicht, weil sie es aus Marketinggründen muss, sondern weil es ihr ein echtes Bedürfnis ist. „Mir macht es Spaß, in diesem Bereich kreativ zu sein. Ich liebe es, mir etwas auszudenken und schneide die Filme auch selber zusammen. In diesem Genre zu arbeiten, könnte ich mir auch für die Zukunft vorstellen.“


Erwartungsvoll
Doch erst einmal stehen andere Ziele auf dem Programm. So warten im Juli noch zwei richtig große Highlights auf die junge Athletin. Zunächst ab dem 17. die EM der Erwachsenen in Barcelona und nur vier Tage später die Jugend-Weltmeisterschaften im italienischen Arco. „Da muss man einfach durchziehen“, sagt sie. Und erklärt, mit welcher Zielsetzung sie in diese beiden Wettkämpfe geht, obwohl sie nicht der Typ ist, der mit konkreten Platzierungswünschen ins Rennen geht. „Bei der Jugend-WM will ich auf jeden Fall ins Finale, dort ist dann alles möglich. Und bei der Erwachsenen-EM tu ich mir schwer, weil es meine erste Saison in dem Bereich ist. Aber das gute Abschneiden in Innsbruck hat mir gezeigt, dass ich durchaus hohe Erwartungen haben darf. Ich möchte es aber auf mich zukommen lassen.“
Und dann ist da noch Olympia 2028 in Los Angeles, Stichwort: Geschwister-Start. Ein großes Ziel, das allerdings mit der Krux behaftet ist, dass beim Bouldern gerade einmal zwölf Athletinnen aus der ganzen Welt an den Start gehen dürfen. Eine lächerlich kleine Zahl. „Das wird unglaublich schwierig, erst recht in meinem jungen Alter. Deswegen versteife ich mich nicht darauf, dort dabei sein zu müssen. Es wäre kein Scheitern, wenn man es nicht dorthin schafft.“ Nachsatz: „Aber ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich es nicht unbedingt schaffen will.“
Und was mit Träumen möglich ist, hat die beeindruckende Karriere der Jakoba Rauter ja schon gezeigt.








