Direktvermarktung: Tragfähiges Geschäftsmodell

Direktvermarktung gewinnt für Österreichs Landwirtschaft weiter an Bedeutung. Sie sichert Einkommen, schafft Arbeitsplätze und stärkt die regionale Wertschöpfung.

Petra und Thomas Lechner führen einen Familienbetrieb im Mostviertel und vermarkten hauptsächlich Bio-Obst. Auf 5,5 Hektar werden Äpfel, Pfirsiche, Marillen und Zwetschken angebaut. Weiters bewirtschaften sie eine Ackerbaufläche von 28 Hektar sowie 3 Hektar Forst. Der Schwerpunkt liegt aber auf Frischobst, zusätzlich werden auch Säfte, Essig, Dörrobst, Kernöl und Eier angeboten. Verkauft wird ab Hof, über Bio- und Bauernläden sowie Selbstbedienungsgeschäfte. Auch Firmen und Schulen werden mit ihrem Obst beliefert.

Erst der Fokus auf die Direktvermarktung habe die nötige finanzielle Stabilität für den Betrieb geschaffen, erzählt Petra Lechner und nennt die selbstbestimmte Preisgestaltung, Sortimentsauswahl und Kooperationen auf Augenhöhe als wesentliche Vorteile. Der direkte Kundenkontakt sorgt zudem für ehrliches Feedback und Impulse zur Weiterentwicklung. 

Wie die Familie Lechner setzen 29 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich auf Direktvermarktung. Das zeigt eine aktuelle KeyQuest-Umfrage im Auftrag des Verbands bäuerlicher Direktvermarkter Österreich – Gutes vom Bauernhof. Durchschnittlich erwirtschaften diese Betriebe 36 Prozent ihres Einkommens durch Direktvermarktung. Im Jahr 2022 waren es noch 33 Prozent. So geben auch zwei Drittel der Direktvermarkter an, dass ihnen die Direktvermarktung langfristig den Bestand ihres Betriebes sichert. Dem kommt zugute, dass drei Viertel eine steigende Nachfrage der Konsumenten sehen und erwarten, dass durch neue Technologien, das Internet und Co. die Chancen höher sind, diese noch leichter zu erreichen.

Wirtschaftsfaktor

Im Zehnjahresvergleich ist die Bedeutung der Direktvermarktung eindeutig gestiegen, betont Johannes Mayr, Geschäftsführer der KeyQuest Marktforschung: Waren es 2016 noch 13 Prozent der Betriebe, die der Direktvermarktung „große Bedeutung“ zugeschrieben haben, sind es 2026 bereits 18 Prozent. 

Auch die volkswirtschaftliche Bedeutung der Direktvermarktung wurde untersucht: Die Ergebnisse zeigen, dass je Direktvermarkter-Betrieb im Schnitt 0,91 Arbeitsplätze direkt auf dem Betrieb geschaffen werden. Betriebe, die mehr als 50 Prozent ihres Einkommens aus Direktvermarktung erwirtschaften, schaffen dadurch sogar 1,74 Arbeitsplätze. Hochgerechnet entspricht das österreichweit etwa 27.500 Arbeitsplätze. Gleichzeitig haben Direktvermarkter-Betriebe in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt rund 60.000 Euro in diesen Bereich investiert, was bei 30.000 Betrieben einem Gesamtinvestitionsvolumen von 1,8 Mrd. Euro entspricht. 

„Die große Bedeutung für die Gesamtwirtschaft wird auch dadurch unterstrichen, dass 91 Prozent dieser Investitionen laut Studie an österreichische Unternehmen vergeben worden sind. Damit werden 3.500 Arbeitsplätze in der vorgelagerten Wirtschaft gesichert“, hält Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, fest. 

Demnach stelle die Direktvermarktung für viele landwirtschaftliche Betriebe in Österreich „ein tragfähiges Geschäftsmodell dar, das Einkommen sichert, Arbeitsplätze schafft und regionale Wertschöpfung in Österreich stärkt“, fasst KeyQuest-Geschäftsführer Mayr zusammen.

Dass mehr als die Hälfte der Direktvermarktungsbetriebe weitere Investitionen tätigen will – insbesondere in Verkaufsräume, Maschinen und Produktionstechnik –, unterstreiche zudem, dass die Direktvermarkter an die Zukunft ihres Sektors glauben und die damit verbundenen Chancen nützen wollen, so Moosbrugger.

Gute Aussichten

„Direktvermarktung erfordert ein spezielles Know-how. Insbesondere darf man Zeit und Einsatz nicht unterschätzen“, betont LKÖ-Präsident Moosbrugger: „Das passt nicht zu jedem Betrieb und ist sicher kein Patentrezept für die österreichische Landwirtschaft. Damit kann auch nicht jeder Betrieb für die Zukunft gerettet werden.“ 

Positiv stimmt, dass sich rund 10 Prozent der derzeitigen Nicht-Direktvermarkter einen Einstieg in die Direktvermarktung vorstellen können. Wichtigster Anreiz für den Einstieg ist laut KeyQuest dabei die höhere Rentabilität bzw. ein besseres Preisniveau. Als Voraussetzungen werden vor allem ausreichend Zeit (inklusive entsprechende familiäre Situation) und keine allzu hohen bürokratischen Hürden genannt.

AusgabeRZ31-2026

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