Almsommer: Es wird wieder „aufkranzt“

Mit Glockenklang, Blumenschmuck und manch weiterem althergebrachtem Brauch endet auch heuer wieder vielerorts in Österreich der Almsommer.

Es bimmelt, muht und blökt: Sobald sich der Hochsommer seinem Ende zuneigt, ist es wieder Zeit, die Tiere auf den Almen ihren festlich geschmückten Gang in die Täler anzutreten zu lassen. Obwohl zum ersten Mal in der Mitte des 18. Jahrhunderts erwähnt, dürfte es sich bei dem Brauch, das Vieh für seinen Rückweg von der Alm in den heimischen Stall aufzuputzen, um eine wesentlich ältere Tradition handeln. Noch heute lässt sich das sogenannte „Aufkranzen“ des Viehs österreichweit bestaunen – Schmuck und Begleitbräuche variieren dabei jedoch von Region zu Region.

Während in der oberösterreichischen Pyhrn-Region die Tiere schlicht gebundene Kränze mit bunten Schleifen erhalten, ist es im steirischen „Grössing“ üblich, den Stieren einen prachtvollen mit Bändern versehenen Fichtenwipfel – einen so genannten „Stierboschn“ – zwischen den Hörnern anzubringen. 

Besonderer Aufputz

In vielen Gegenden bilden zudem auch (Papier-)Blumen, Heiligenbilder, Kreuze oder Spiegeln zur Abwehr von Dämonen einen wichtigen Bestandteil des tierischen Kopfschmucks. Eine Besonderheit stellt auch ein dunkel gehaltener Aufputz dar. Dieser kam und kommt dann zum Tragen, wenn es in der Familie der Tierhalter einen Todesfall gegeben hat. Manch „Klagkranz“ soll seit Generationen in der Familie aufbewahrt werden. Ist während des Aufenthalts auf der Alm ein Tier zu Tode gekommen – sei es durch Absturz, Witterungseinflüsse oder Krankheit – sollten die Kühe auf ihrer Wanderung ins Tal auf Schmuck verzichten.

Im Salzburger Land werden die Rinder mit Blumen- und Kräutergirlanden geschmückt. © Salzburgerland Tourismus

Negativ auswirken können sich aber auch Umwelteinflüsse. So sorgte dieses Jahr vor allem die Trockenheit auch in puncto Almbetrieb für unerfreuliche Nachrichten. Futter- und Wasserknappheit erzwangen, dass die Tiere mancherorts bereits früher ins Tal geholt werden mussten. 

Rückkehr der Pferde

Im Normalfall treten die Tiere im Zeitraum ab Ende August bis Mitte Oktober ihre Reise zurück ins Tal an beziehungsweise sie fahren – wie es im Salzburger Lungau heißt – aus der Alm. Begleitet wird ihr Abtrieb oftmals von einer Reihe diverser Rahmenveranstaltungen. Allein im Salzburger Land reicht die Palette der Veranstaltungen im Rahmen des Bauernherbstes von traditionellen Bauermärkten und Hoffesten bis hin zu Live-Musik, Handwerksveranstaltungen und Spielstationen für Kinder. 

Vor allem der Ponyalmabtrieb von der Pritzhütte im Gontal ins Pferdezentrum am Katschberg dürfte auch dieses Jahr (am 5. September) wieder Kinderaugen zum Leuchten bringen. Ebenfalls für Pferdeliebhaber empfiehlt sich ein Ausflug nach Ebbs, wenn die Junghengste des Haflinger-Gestüts „Fohlenhof Ebbs“ zum „Tag der Junghengste“ am 10. Oktober von der Alm zurückkehren. Noch aufregender gestaltet sich für manch Pferdefreund wohl nur die Heimkehr der jungen Lipizzaner von der steirischen Stubalm. Mehr als drei Monate verbringen die ein- bis dreijährigen Tiere auf rund 1.600 Metern Seehöhe, um Sehnen und Bänder zu stärken und ihre Trittsicherheit zu fördern. Denn nur die talentiertesten Hengste werden ausgewählt, um später gemeinsam mit ihrem Bereiter in der Spanischen Hofreitschule die hohe Schule der Reitkunst zu präsentieren. 

Anfang September kehren die jungen Lippizaner von der Stubalm zurück. © Spanische Hofreitschule Lippizanergestüt Piber

Von ihrem später charakteristischen weißen Fell ist bei vielen der Jungtiere jedoch auch nach ihrer Rückkehr von der Alm am 12. September noch wenig zu sehen, dafür präsentieren sich die Hengste mit Blumen geschmückt. Eine Besonderheit des jährlichen Almabtriebs der Spanischen Hofreitschule stellt zudem die Segnung der Pferde in Maria Lankowitz dar. Danach heißt es für die Junghengste schließlich, angeführt vom Musikverein, weiter durch Köflach ins Gestüt Piber zu ziehen. Wer Lust und Zeit hat, hat auch heuer wieder die Möglichkeit, den Almabtrieb mit einem Besuch des Gestüts sowie speziellen Führungen oder einer Kutschenfahrt zu verbinden. 

Von Ziegen und Schafen

Ein Erlebnis der etwas anderen Art bietet hingegen auch heuer wieder die Schafschied im Tiroler Tarrenz. Bis zu 1.000 Schafe und 100 Ziegen werden nach ihrem lautstarken Eintreffen im Ort ihren unterschiedlichen Besitzern zugeordnet. Das tierische Spektakel soll heuer am 13. September stattfinden. Ebenfalls fröhlich gebimmelt und geblökt wird auch beim Schafabtrieb auf der Salzburger Mitterfeldalm (am 5. September) sowie im Nassfeld (am 12. September). 

Insgesamt verbringen in Österreich jährlich rund 103.000 Schafe und 13.500 Ziegen ihren Sommer auf der Alm. Den größten Anteil am Almvieh stellen nach wie vor die Rinder mit einem Anteil von rund 300.000 Tieren, darunter etwa 50.000 Milchkühe. 

Spott für den Sautreiber

Weitaus seltener sind in heutiger Zeit Schweine auf der Alm. Erhalten hat sich in einzelnen Regionen allerdings bis heute der eine oder andere mit ihrem Abtrieb in Verbindung stehende Brauch. Waren früher Schweine auf der Alm, die ins Tal gebracht werden mussten, so begleitete diese ein eigener Sautreiber. Die Tiere hatten jedoch die Angewohnheit, sich beim Heimweg gerne in Pfützen zu suhlen und mussten bisweilen ob ihrer Weigerung, selbst zu gehen, sogar über Brücken getragen werden. Der Sautreiber hatte demnach nicht nur reichlich anstrengende Arbeit zu erledigen, sondern musste auch so einiges an Spott ertragen. Der Überlieferung nach revanchierte er sich, indem er seine Spötter mit Schweinedreck beschmierte.

Heute fällt die Vergeltung vergleichsweise weniger deftig aus: Bei Almabtrieben im steirischen Mautern oder in Radmer tritt der Sautreiber als auffällig gekleideter Spaßmacher auf und schwärzt Zuschauer mit Ruß. 

Üblich war es früher zudem, dass Bauernfamilien und Kindern am Wegrand eigens bereitete Köstlichkeiten bereithielten. In Kärnten kannte man etwa die in heißem Fett ausgebackenen „Schottkugalan“. In der Steiermark gehörten „Raunkerln“ zur Wegzehrung. Heute versorgen Markt- und Essensstände die Besucherschar mit Krapfen, Käse, Speck, Brot und anderen regionalen Köstlichkeiten.

AusgabeRZ35-2026

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