Bevor die Blätter im Garten sprießen und die Wurzeln sich in der Erde verankern, braucht es zunächst die Idee eines Gartens – eine Vorstellung davon, wie dieser aussehen soll. Nicht immer machen die ausgewählten Pflanzen dann jedoch das, was wir von ihnen erwarten. Schädlinge sowie veränderte oder verschärfte Umweltbedingungen leisten mitunter ihren Beitrag. So sorgte beispielsweise eine 2022 in Marokko herrschende Dürre für die Gärtner des Anima Gartens in Marrakesch für verschärfte Bedingungen. Wie es den Männern trotz Wasserknappheit gelang, den Garten am Leben zu erhalten, können die Besucher noch bis 27. September im Rahmen der Ausstellung in „The Water Cabinet“ von Hanakam & Schuller nachverfolgen.
Kultivieren für die Zukunft
Die mehrkanalige Filmarbeit war die erste Arbeit, die dem Ausstellungskurator Christian Kosmas Mayer in den Sinn kam, nachdem er von „Kunstverein-Eisenstadt“-Direktor Vitus Weh eingeladen worden war, eine Ausstellung im alten Gärtnerhaus zu gestalten. Das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude diente den im Dienst der Esterházys stehenden Obergärtnern einst als Wohnstätte. Seit vergangenem Jahr fungiert das Häuschen für den Kunstverein Eisenstadt als Ausstellungsfläche.
Auch nach der Renovierung lassen sich im Innenraum an den durch den Verputz hervortretenden roten Ziegelsteinen noch die Spuren der Zeit erkennen. Damit bildet das ehemalige Wohngebäude für Mayer einen wichtigen Teil der mit „Von dem, was trägt“ betitelten Ausstellung – ein Titel, der mit Absicht mehrdeutig gewählt wurde. Denn auch Pflanzen tragen laut Mayer neben Früchten, ebenso wie Gebäude und Menschen, Geschichten in sich. Insbesondere Zimmerpflanzen „erzählen“ von der ihnen zukommenden Fürsorge.
Klimawandel und Kunst
Der amerikanische Künstler Mark Dion fügt in seinen Installationen Kinderwagen, Laufstall und Flaschen mit Pflanzen zusammen und widmet sich damit in humorvoller und überspitzter Weise jener Arbeit, die manch einer in die Aufzucht und Erhaltung seines grünen Mitbewohners investiert. Um Aufzucht beziehungsweise Kultivierung geht es auch in Sonia Leimers Video „Eden Antarctica“. Die aus Südtirol stammende Künstlerin verwendete dokumentarische Aufnahmen einer Versuchsanlage in der Arktis, in der Gemüse unter künstlichen Bedingungen wächst, und verbindet diese mit den fiktiven briefartigen Aufzeichnungen einer Wissenschaftlerin. Texte und Aufnahmen zeichnen mitunter ein stark melancholisches Bild, das trotz des aktuell vor sich gehenden Klimawandels Hoffnung entstehen lässt.
Vor allem in Zeiten, in denen immer noch Menschen darauf beharren, dass der Klimawandel nicht relevant sei, ist es für Mayer wichtig, dass sich die Kunst mit dem Thema auseinandersetzt. Der in Wien lebende Künstler hat die Ausstellung nicht nur kuratiert, sondern mit „Tell-tale“ auch eine eigene Arbeit in die Schau eingebracht. Mit einem oberhalb eines Fensters an der Außenseite des Gebäudes angebrachten trockenen Ast erinnert er an die Fähigkeit mancher Tannenarten, das Wetter vorherzusagen. Das Holz reagiert auf die Luftfeuchtigkeit und der Ast bewegt sich entsprechend entweder nach oben oder unten.
Dichte Vegetation
Man muss jedoch schon genau hinschauen, um den Ast zu erkennen – nicht zuletzt deshalb, weil in unmittelbarer Nähe Lois Weinbergers „Portable Garden“ den Blick auf sich lenkt. In mehreren Kunststofftaschen mit Ackererde entsteht über die Ausstellungszeit eine dichte Vegetation aus Brennnesseln sowie diversen Flugsamen.
Nicht zu identifizieren sind hingegen die an Pflanzen erinnernden Gebilde der tschechischen Art-Brut-Künstlerin Anna Zemánková im Inneren des Gebäudes, während auf der gegenüberliegenden Seite zwei Skizzen von Anastasia und Anna Jermolaewa auch Auskunft über die Persönlichkeit der Zeichnenden geben.
Kreative Impulse
Wer noch Zeit und Lust hat, sollte unbedingt einen Blick in „After Eden: Art With and Against the Garden“ werfen. Das „Herbarium“ der etwas anderen Art entstand als Gemeinschaftsarbeit von 17 Kunstschaffenden in einem von Mayer geleiteten Kurs an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg und regt nicht nur zum Nachdenken über die Natur, sondern auch dazu an, selbst kreativ zu werden. Der Besuch dieser kleinen, aber feinen Ausstellung ist frei – um eine kleine Spende wird gebeten.








