Gentlemen & Hooligans beim Club Athlétique Traunsee

Rugby schaut brutal aus, gilt aber als eine der fairsten Sportarten. Beim Club Athlétique (CA) Traunsee wird seit zwölf Jahren dem Eierlaberl hinterhergejagt – mit wachsender Begeisterung und Erfolg. Doch Vize-Präsident Yannis Schorn hat immer noch Träume.

Es gibt da diesen Spruch, von dem jeder Rugby-Spieler schon einmal etwas gehört hat. „Rugby ist ein Spiel für Hooligans, das von Gentlemen gespielt wird“, heißt es da, und Yannis Schorn, Vize-Präsident und aktiver Athlet beim CA Traunsee, kann nur zustimmend mit dem Kopf nicken. „Es ist wirklich so“, sagt der 28-Jährige, der im zivilen Leben als Dachdecker arbeitet. „Auf dem Platz schenkt man einander gar nichts, da geht es richtig hart zur Sache. Aber sobald das Match vorbei ist und man das Spielfeld verlässt, ist man miteinander befreundet und trinkt zusammen ein Bier. Das ist schon etwas Besonderes.“

Französische Wurzeln

Schorn muss es wissen, er ist bereits seit knapp zehn Jahren bei dem oberösterreichischen Verein dabei, hat Höhen und Tiefen miterlebt. Zuvor spielte er American Football, eine Sportart, die nur auf den allerersten Blick Ähnlichkeiten zum Rugby aufweist. „Zwei komplett unterschiedliche Dinge“, sagt Schorn. Und verweist auf Unterschiede in der Ausrüstung, der taktischen Möglichkeiten und vor allem der Spielzeit-Regulierung. „Beim American Football ist nach jedem Spielzug eine Unterbrechung, bei uns läuft die Uhr immer weiter. Ich finde den Vergleich mit Fußball viel passender – außer, dass man bei uns die Hand benutzen und den Ball nur nach hinten passen darf.“ Und ja, etwas körperbetonter kommt Rugby wohl auch daher.

© CA Traunsee

An den Traunsee kam das Spiel, das hierzulande ein Nischen-Dasein fristet, in anderen Regionen der Welt aber zum Teil National-Sport und seit 2016 auch wieder olympisch ist, über einen Franzosen. Mathieu Garavet verschlug es in die Gegend, er wollte seiner in der Heimat ausgeübten Leidenschaft auch hierzulande nachgehen – deshalb hat der Verein auch den französischen Namen „Club Athlétique“, was für viele zunächst ungewöhnlich klingt. „Wir sind hier eine kleine Sportart und oftmals ist es schwer, Leute zu begeistern. Es ist, wie wenn man in der Bretagne einen Skisprung-Verein hochziehen will“, soll er zu Beginn einmal gesagt haben. Garavet ist mittlerweile spurlos verschwunden, Klub und Bezeichnung blieben und werden auch nicht angetastet. „Der Name ist mittlerweile unser Markenzeichen, den rühren wir nicht an“, sagt Schorn. „So sind wir gestartet, und so wird es eines Tages zu Ende gehen.“

Rettung aus Südafrika

Und auch wenn das Ende noch in ferner Zukunft liegen soll – die Existenz der Athletiker war bereits einmal sehr stark bedroht, und zwar durch Corona. Zwar verfügte der Klub, der seit 2024 von der Raiffeisenbank Ohlsdorf als Dressen-Sponsor unterstützt wird, über eine Ausnahmegenehmigung für Leistungssportler und durfte in der Zeit im Gegensatz zu vielen anderen trainieren. Weil die Rahmenbedingungen mit speziellen Anmeldungen und Gesundheits-Nachweisen aber dennoch mühsam waren, brachen immer mehr Spieler weg. Bis man irgendwann Trainingseinheiten mit drei Akteuren durchziehen musste und sich die Sinnfrage stellte.

Die Rettung kam 2023 aus Südafrika, einem Land mit großer Rugby-Tradition, wie auch ein nicht sportaffines Publikum durch den 2009 in die Kinos gekommenen Clint-Eastwood-Film „Invictus“ weiß. Petri Visser spielte in seiner fernen Heimat Rugby und kam aus privaten Gründen an den Traunsee, wo er einen Verein suchte. „Er glaubte, wir hätten hier ein großartiges und voll professionelles Niveau und hat sich kaum getraut, bei uns vorzuspielen“, erinnert sich Schorn lachend. „Wir dagegen dachten: Wenn einer aus Südafrika kommt, müssen wir uns echt zusammenreißen. Dort spielt jedes Kind so selbstverständlich Rugby wie bei uns Fußball.“

Am Ende des Tages war es eher Visser, der mit seiner Einschätzung nicht ganz richtig lag, aber die Beziehung matchte trotzdem, da er das Familiäre und den Spaßfaktor durchaus zu schätzen wusste. Also wurde er Spielertrainer und brachte völlig neue Reize und Ansätze ins Training ein. „Das war wohl der Hauptgrund, warum wir noch einmal den Turnaround geschafft haben und wieder kontinuierlich wachsen konnten. Mittlerweile haben wir einen Kader von etwa 15 aktiven Spielern aus dem In- und Ausland, es sind neben vielen Spielern aus der Region auch Engländer, Iren, Schotten, Südafrikaner und seit Kurzem auch ein Italiener dabei.“ Was für ein internationales Flair sorgt, mit dem sich die Aktiven sichtlich wohl fühlen.

Blick auf das Stockerl

An dieser Stelle muss erklärt werden: Rugby wird in verschiedenen Varianten gespielt, die heute gängigen sind 7er-Rugby und 15er-Rugby, was auf die Anzahl der Spieler hinweist, die gegeneinander spielen. Am Traunsee selbst wird ausschließlich die 7er-Variante gespielt, über eine langjährige Kooperation mit dem Rugby Club (RC) Linz gibt es aber auch 15er-Rugby. Daher muss bei den Erfolgen, die der Klub seit seinem Gründungsjahr 2014 eingefahren hat, auch genau unterschieden werden: Im 7er-Rugby wurde man 2019 und 2020 eigenständig Landesmeister, im 10er-Rugby, das heute in Österreich kaum noch gespielt wird, Staatsmeister 2019 und 2023, das aber im Zuge der Spielgemeinschaft mit den Linzern.

© CA Traunsee

Und wenn Mitte September der nächste Staatsmeistertitel in der kleinsten Variante ausgespielt wird, liebäugelt man zumindest mit einem Platz auf dem Stockerl. „Die Mannschaften aus Graz und Wien sind an normalen Tagen schwer zu besiegen“, weiß Schorn. „Aber gerade im Rugby sind immer wieder Überraschungen möglich, das haben wir selbst mehr als einmal erlebt.“ Wie 2017, als Schorn gerade neu beim Verein und das große Ziel war, einmal den übermächtig scheinenden OÖ-Konkurrenten aus Hargelsberg zu bezwingen. „Als wir das geschafft haben, wurde richtig gefeiert, dieser Erfolg war sicher identitätsstiftend für unseren Verein.“

Heute wünscht sich Schorn, dass auch wieder Kinder und Jugendliche zum CA Traunsee stoßen, um auch in Zukunft eine konkurrenzfähige Mannschaft stellen zu können. Zwar kann man frühestens mit 16 Jahren bei den „Großen“ mitspielen, Schorn würde aber auch Kindertrainings anbieten, um den Nachwuchs heranzuführen. „Und wenn es uns dann gelingt, langfristig zu den Top-3-Vereinen in Österreich zu gehören, würde schon ein kleines Träumchen wahr werden.“

AusgabeRZ35-2026

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