Hartnäckigkeit zahlt sich im Leben oft aus. Wären Tim Bous und sein Freund Samuel vor zehn Jahren nicht so unglaublich lästig gewesen, würde es die BlackValley Wild heute nicht geben. Und der Sport wäre um eine kultige Geschichte ärmer. Denn die beiden Football-begeisterten Burschen aus Payerbach, die in Ermangelung eines näher gelegenen Vereins bei den Mödling Rangers dem Eierlaberl nachjagten, wollten in ihrem Heimatort unbedingt eine Spaß-Partie aufziehen. „Ihre Idee war, dass Väter gegen Söhne spielen, es sollte einfach nur ein einmaliges Match sein“, erzählt Jochen Bous, Tims Vater. „Und weil die beiden Burschen einfach nicht lockerließen, haben wir gesagt: Okay, alle Payerbacher, die älter als 25 Jahre sind, sind eingeladen, gegen alle Payerbacher unter 25 zu spielen.“
Also kam es zu High Noon am Silvestertag 2016 zur heute legendären Partie der Payerbacher Wölfe (alt) gegen die Küber Krokodile (jung). Die Ausrüstungen lieh man sich von den Mödling Rangers, das bis dahin nur sehr rudimentär vorhandene Know-how kam von begeisterten Football-Fans, die ihr Wissen über den Sport aus den NFL-Übertragungen am Sonntagabend bezogen. Als Schiedsrichter fungierte der Obmann der Rangers, der auch die Regelkunde ins Schwarzatal mitbrachte.
Der eigentliche Wahnsinn spielte sich aber auf den Rängen ab. „Wir trauten unseren Augen nicht“, erinnert sich Bous. „Wir haben vielleicht zwei oder drei Plakate gemacht, um das Match auf dem Sportplatz anzukündigen. Und plötzlich waren mehr als 350 Zuschauer dabei, um sich das Spektakel anzuschauen.“
Blut geleckt
Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Begeisterung vorhanden war. Die „alten“ Wölfe gewannen das Match, leckten Blut und gebaren die Idee, dass man doch auch gleich weiter trainieren könne, wenn man schon mal so gut in Form sei. Also wurde geübt, an einem Roster, wie der Kader genannt wird, gebastelt, das Spiel gegen die Krokodile zwei weitere Male ausgetragen. „Und irgendwann sagte jemand: Lass uns doch einen Verein gründen“, erzählt Bous. Es war die Geburtsstunde der BlackValley Wild, die als nächsten Schritt natürlich auch am Ligabetrieb der Division 4, also der untersten Spielklasse im American Football, teilnehmen wollten. Blöd nur, dass es gerade 2020 war und ein Virus namens Corona die Idee so gnadenlos tackelte wie sonst nur ein Cornerback seine Gegenspieler.
Doch der mittlerweile als Obmann agierende Bous und seine Mitstreiter blieben hartnäckig und setzten ihre Vision im Herbst 2021, als Covid langsam in die Defensive gedrängt wurde, in die Tat um. Und erlebten ihre nächsten Aha-Momente. Denn man gewann ein Spiel nach dem anderen und setzte sich im Saisonfinale sogar gegen die hoch favorisierten Welser Huskies durch. „Es war wie im Märchen“, erinnert sich Bous, der heute als Bürgermeister in Payerbach fungiert. „Nur ein paar Jahre zuvor wusste keiner von uns, wie man einen Football überhaupt hält, und auf einmal haben wir gleich den Aufstieg geschafft. Unglaublich!“

Gute Aussichten
Sportlicher Erfolg macht natürlich Lust auf mehr. Also wurden die Ärmel hochgekrempelt, um den Verein auf professionellere Beine zu stellen. Mit der Raiffeisenbank Region Wiener Alpen war von Beginn an ein ambitionierter Sponsor an Bord, der auf der finanziellen Seite mithalf, die wichtigsten Vorhaben umzusetzen. „Wir konnten ja nicht mit selbst gebastelten Leiberln auflaufen, auf die wir selbst unsere Nummern malen“, sagt Bous, der selbst eine Vergangenheit in der Marketing-Abteilung von Raiffeisen hat, mit einem Lachen. „Da war es schon enorm wichtig, einen Partner zu haben, der uns dabei unterstützt.“ So schritt die Professionalisierung rasch voran. Heute wird man nicht mehr von reinen TV-Experten trainiert, sondern von ehemaligen Spielern, die über Bundesliga-Erfahrung verfügen. Und man hat, nach einiger Zeit im Exil, seine eigene Heimstätte gefunden. Auf dem Sportplatz des ASK Schlöglmühl, dessen Fußball-Abteilung mittlerweile den Spielbetrieb einstellen musste, wird heute trainiert und gespielt. „Es ist eine feine, allerdings auch sehr kleine Sportanlage. Wir sind gerade damit beschäftigt, dort zu renovieren und sie noch besser auf unsere Bedürfnisse abzustimmen.“
Das ist auch deswegen nötig, weil es sportlich mal wieder rundläuft bei den Payerbachern. In der laufenden Saison hat man sechs von acht Spielen gewonnen, der Einzug in die Play-offs ist fixiert. Dort geht es am ersten Juli-Wochenende gegen die Sportunion Goldwörth Raccoons um den Einzug ins Endspiel. Bous: „Ich sage es ganz ehrlich: In dieser Konstellation ist alles möglich! Und wenn es uns wirklich gelingt, den Meistertitel zu holen, wäre damit der Aufstieg in die Division 2 verbunden.“ Es wäre das nächste Kapitel des Märchens der Wilden aus dem Schwarzatal.
Aber auch das letzte? Immerhin lebt man davon, dass man eben kein Profiklub ist, der alles nur nach den Gesetzen des Erfolges ausrichtet. „Unsere Philosophie ist, dass wir einen goldenen Mittelweg bieten wollen zwischen sportlichem Ehrgeiz auf der einen, aber auch Spaß und Freundschaft auf der anderen Seite“, sagt Bous. Und erzählt von Spielern, die über die BlackValley Wild den Sprung in die höchste Liga zu größeren Klubs geschafft haben, nach einiger Zeit aber auch wieder zurückgekehrt sind. „Einfach weil sie nicht alles dem Football unterordnen wollen und hier ihr Leben leben und dabei ihrem großen Hobby in entspannter Atmosphäre nachgehen können.“
Nur eines hat man bislang noch nicht geschafft. Zwar gibt es eine sehr erfolgreiche und große Cheerleader-Gruppe, der Aufbau einer Nachwuchs-Abteilung ist bisher aber noch nicht gelungen. Schließlich muss man mindestens 17 Jahre alt sein, um bei der Kampfmannschaft mitmachen zu können. „Wir haben die Phantasie, daran zu arbeiten und haben es auch schon probiert, aber es steckt schon ein riesiger Aufwand dahinter“, verrät Bous.
Aber die Geschichte der BlackValley Wild lehrt ja, dass man jederzeit bereit ist, auch ungewöhnliche Wege zu beschreiten, um letztlich an das Ziel zu kommen.








