Die Anforderungen an die Eigenveranlagung von Banken sind vielschichtig und auf das Geschäftsmodell zugeschnitten. Im Fokus stehen dabei die Steuerung von Liquidität, Risiko und Regulierung. Beim „Nostro-Rat 2026“ der Raiffeisen KAG in Innsbruck stand vor allem die Künstliche Intelligenz (KI) im Fokus.
Seit 2016 unterstützt der Fondsanbieter verstärkt die Landes- und Raiffeisenbanken beim Veranlagen ihrer eigenen Liquidität. Mit aktivem Management soll ein Mehrwert generiert werden. „Im Nostro weiß man das besonders zu schätzen“, betont Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG. Trotz der geopolitischen Herausforderungen sei die Stimmung am Kapitalmarkt „sehr, sehr gut“. Man sehe eine positive Performance, das sei ein wichtiges Signal an Investoren.
„Es gibt nicht die eine Lösung, die für alle passt. Unser Anspruch ist es, uns vom Produkt- zum Lösungsanbieter weiterzuentwickeln“, erklärte Andrea Völkl, Senior Relationship Managerin bei der Raiffeisen KAG. Festgeld sei in der Regel in den meisten Häusern ein wichtiger Baustein für Sicherheit und Liquidität. Gemeinsam mit Anleihen bildet sie den Kern der Nostro-Veranlagung. Fonds kommen dann ins Spiel, wenn ein hohes Maß an Diversifikation gefragt ist. Zertifikate und Aktien finden sich in den Nostro-Portfolios eher im geringen Ausmaß.
Aktuell managt die Raiffeisen KAG einen Nostro-Bestand im Ausmaß von rund 1,3 Mrd. Euro. Besonders gefragt seien momentan Einmalerläge in Laufzeitenfonds und Ansparpläne in themenbasierten Aktienfonds wie dem Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien oder Raiffeisen-Smart Energy-ESG-Aktien. Das Nostro-Fondssparen beginnt bei 10.000 Euro monatlich. Pro Jahr werden rund 50 Mio. Euro über diese Schiene investiert. Darüber hinaus sind auch Spezialfonds beliebt, die auf ein Volumen von 360 Mio. Euro kommen. „Nicht jeder braucht jeden Baustein, aber für jeden gibt es eine geeignete Lösung“, betonte Völkl.

„KI ist neues Tier“
Die Trends am Kapitalmarkt analysierte Fondsmanager und KI-Experte Leopold Quell. Seit Jahrzehnten seien börsenotierte Softwarefirmen im Vergleich zu anderen Branchen zyklusunabhängig immer größer geworden, weil sie in den Unternehmen und der Gesellschaft tief verwurzelt seien und eine entsprechende Preismacht hätten. Deshalb wurde in Börsekreisen der Satz „Software eats the world“ geprägt.
„Jetzt ist ein anderes Tier da – die KI“, so Quell. In den vergangenen Monaten haben global gesehen Softwareunternehmen an der Börse relativ schwach performt. Hintergrund ist, dass die KI diese Software-Bastion angreife und zum Teil Softwarelösungen programmiere. „KI ist aus unserer Sicht nur ein Brandbeschleuniger für die Schwächen der Branche“, sagte Quell. Diese sei in den vergangenen Jahren innovationsträge geworden. Hyperscalers wie Google, Amazon, Meta und Microsoft dürften heuer allein in die KI-Infrastruktur rund 700 Mrd. Euro investieren, nächstes Jahr sollen es 950 Mrd. Euro werden. Eine spannende Frage sei, wie viel diese Infrastruktur in ein, drei oder fünf Jahren wert sein wird.
Das Geld für die KI-Infrastruktur fließe vor allem zu Unternehmen wie Nvidia, die man grob als „Hardware“-Branche bezeichnen könnte. Geografisch sitzen diese Konzerne überwiegend in Asien, allen voran in Taiwan, Südkorea und Japan. Das Zurückholen dieser Produktion ist oftmals nicht nur wegen der Kosten, sondern auch wegen des Know-hows nicht mehr möglich“, so Quell. Deshalb investiere die Raiffeisen KAG auch gezielt in die asiatischen Märkte. In Anlehnung an „America First“ von US-Präsident Donald Trump heißt es vor allem in der KI-Industrie „Asia Next“, so Quell.
KI im Kundenservice
Die Möglichkeiten des Einsatzes von KI-Agenten im Kundenservice skizzierte Alexander Wahler, CEO und Mitbegründer des Start-ups Onlim. Dabei stellt Wahler klar: „Zwischen KI-Marketing und produktiver Realität liegt ein großer Unterschied.“ Vom Markt werde eine 100-Prozent-Automatisierung versprochen, realistisch seien aber 50 bis 70 Prozent. Seiner Erfahrung zufolge haben Unternehmen, die frühzeitig neue Technologien ausprobieren, selbst wenn sie Rückschläge erleiden, im Vergleich zu Betrieben, die zuwarten, die Nase vorn, weil sie Learnings mitnehmen können. Er warnt davor, das Thema KI ausschließlich an einen Dienstleister auszulagern. „KI ist auch ein Veränderungsprozess im Unternehmen“, berichtete Wahler. Es gehe auch darum, interne Prozesse so zu optimieren, um den größten Nutzen aus der neuen Technologie ziehen zu können.

Preisdruck lässt nach
Die globale Wirtschaftsentwicklung beleuchteten Karin Kunrath, Chief Investment Officer (CIO) der Raiffeisen KAG, und Kurt Schappelwein, Leiter von Multi Assets und stellvertretender CIO. „Die größte Überraschung in diesem Jahr ist die Aktienseite, wo das Wachstum anhält“, so Kunrath mit Blick auf die geopolitischen Konflikte. Schappelwein strich hervor, dass der Inflationsdruck mit fallenden Ölpreisen nachlassen wird. Diese seien mittlerweile wieder auf unter 80 US-Dollar je Fass zurückgekommen. Bis sich das im Markt auswirkt, könnte es ein paar Monate dauern. Dennoch könne ein weiterer Zinsschritt der Europäischen Zentralbank (EZB) heuer im Herbst nicht ausgeschlossen werden. Die EZB reagierte im Juni nach Ansicht des Raiffeisen-KAG-Experten „sehr widerwillig“ mit der Erhöhung des Leitzinssatzes um 25 Basispunkte auf 2,40 Prozent, weil die Wirtschaft in der Eurozone nach wie vor schwach sei. Sollte es irgendeine Möglichkeit geben, auf eine Zinserhöhung zu verzichten, „wird die EZB das machen“.
Um die Orientierung im Nostro-Universum zu verbessern, entwickelte die Raiffeisen KAG das Tool „Nostro Fund Viewer“, das alle Fondsinformationen an einem Ort bündelt, berichtete Michael Schmid, Leiter des Risikomanagements der Raiffeisen KAG. Der Fokus sei dabei auf die transparente Darstellung von Risiko, Performance und Struktur gerichtet. Im Vordergrund stehe „der niederschwellige Zugang zu entscheidungsrelevanten Daten“. Der nächste Schritt sei nun eine mehrwöchige Testphase, die man mit bis zu maximal zehn Testbanken anstrebe, betonte Jens-David Lehnen, Leiter des Institutionellen Geschäfts der Raiffeisen KAG. Im Herbst sollte dann der Rollout im Raiffeisen-Sektor erfolgen.








