Sie gelten als kleine Kraftpakete der Natur und werden gerne als Superfood angepriesen. Sprossen gehören seit einigen Jahren zum Standardsortiment vieler Supermärkte. Doch warum sind die kleinen Pflänzchen so gesund und was können sie wirklich bewirken?
Alle Inhaltsstoffe, die im trockenen Samen noch schlummern, werden während des Keimprozesses aktiviert: Enzyme setzen Umwandlungsprozesse in Gang, Proteine und Kohlenhydrate werden aufgeschlossen, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe entstehen oder liegen in besser verfügbarer Form vor. Dadurch können Keimsprossen eine besonders dichte Mischung aus Vitaminen, Mineralstoffen, pflanzlichem Eiweiß, Aminosäuren und bioaktiven Pflanzenstoffen liefern.
Der gesundheitliche Effekt liegt aber nicht nur in der Nährstoffdichte, sondern auch in der möglichen Bioverfügbarkeit. Während der Keimung baut die junge Pflanze Speicherstoffe um, um wachsen zu können. Diese Prozesse können dazu beitragen, dass bestimmte Inhaltsstoffe für den Menschen leichter aufnehmbar und verwertbar werden. Damit liefern Sprossen auf kleinem Raum eine konzentrierte Portion wichtiger Nährstoffe.
Besonders interessant sind Brokkolisprossen, denen man gesundheitsfördernde Eigenschaften zuschreibt. Sie enthalten Senfölglykoside, aus denen beim Kauen oder Zerkleinern unter anderem Sulforaphan entsteht. Dieser Pflanzenstoff ist typisch für Kreuzblütengewächse wie Brokkoli, Karfiol, Kohl, Radieschen oder Senf und wird seit Jahren wissenschaftlich untersucht. Neben Senfölglykosiden liefern sie auch Mineralstoffe wie Eisen, Zink, Kalium, Kalzium und Magnesium sowie Enzyme und andere sekundäre Pflanzenstoffe. Brokkolisprossen können dabei deutlich höhere Mengen dieser Stoffe enthalten als der erntereife Brokkoli.
Wer Sprossen zu Hause selbst ziehen möchte, sollte besonders auf Hygiene achten, da im feuchten Milieu nicht nur die Sprossen, sondern auch unerwünschte Keime rasch wachsen. Mit sauberem Saatgut, sterilen Gläsern und gründlichem Waschen der Sprossen ist man auf der sicheren Seite und kann die kleinen Pflänzchen bereits nach wenigen Tagen ernten. Auf dem Butterbrot, in Salaten, Bowls, Suppen oder als Topping von warmen Gerichten bilden die Sprossen einen gesunden und aromatischen Akzent.
Brokkoli im Fokus
Besonders Brokkoli bzw. Sulforaphan stehen im Mittelpunkt der Forschung. Verschiedene Studien bringen Senfölglykoside und ihre Abbauprodukte mit entzündungshemmenden Effekten in Verbindung. Forscher der Universität Heidelberg beschäftigten sich unter anderem mit Brokkolisprossen und untersuchten, wie Sulforaphan das Wachstum von Krebszellen beeinflussen und Tumorstammzellen angreifbarer machen könnte.
Auch im Bereich des menschlichen Stoffwechsels werden Brokkolisprossen untersucht. Denn Sulforaphan beeinflusst die Glukoseproduktion in der Leber und kann in Form von Brokkolisprossen-Extrakt gut verträglich genutzt werden. Ob die Einnahme auch einen relevanten Beitrag für betroffene Diabetes-Patienten leisten kann, untersuchte nun eine Studie aus England. 74 Personen mit Prädiabetes nahmen an der placebokontrollierten klinischen Studie teil, die die Wirkung eines Brokkolisprossen-Extrakts auf den Blutzuckerspiegel prüfte. Auch wenn das vorab definierte Studienziel zwar nicht erreicht wurde, so zeigte sich insgesamt jedoch eine moderate Senkung des Nüchternblutzuckerspiegels. Besonders profitierten Personen mit milder Adipositas, niedriger Insulinresistenz und verminderter Insulinsekretion. Zusätzlich deuteten die Analysen darauf hin, dass Darmmikrobiota und genetische Faktoren die Wirkung mitbeeinflussen könnten.








