Das Jahr 2025 hat für die österreichische Milchwirtschaft sehr positiv begonnen – sowohl was die Preis- als auch die Milchanlieferungs- und Absatzmarktentwicklung betrifft, zieht Helmut Petschar, Präsident des Milchverbandes Österreich (MVÖ), Bilanz. Im Herbst war der Milchmarkt dann mit deutlichen Trübungen konfrontiert. Die Preise für Butter und Butterfett sind deutlich gesunken, „es war einfach zu viel Milch auf dem Markt“. Das hat sich nicht nur auf dem österreichischen, sondern auch dem deutschen Markt manifestiert, wo „im Lebensmittelhandel Butterpreise mit Aktionen gestartet worden sind, die wir in diesem Ausmaß noch nicht gekannt haben“, erklärt Petschar die Entwicklung.
Die geopolitischen Krisen sowie die Preisdiskussionen im Herbst 2025 haben dazu geführt, dass die Milchauszahlungspreise und teilweise auch Produktpreise deutlich nach unten gegangen sind. Die Erzeugermilchpreise für gentechnikfreie Qualitätsmilch lagen 2025 im Durchschnitt bei 54,04 Cent pro Kilo – 2024 lag der Wert bei 48,19 Cent. Im Februar 2026 waren es nur mehr 45,75 Cent (Februar 2025: 53,12 Cent). „Der Preisverfall für die Bauern in Österreich und Europa ist teilweise schon existenzbedrohend“, warnt der Präsident.
Eine wichtige Sparte
Die Gesamtanlieferung von österreichischer Milch ist 2025 um 2,8 Prozent auf 3,68 Millionen Tonnen gestiegen, wobei der Bioanteil mit 18,1 Prozent der mit Abstand höchste Wert in der EU ist. Die Umsätze der heimischen Milchverarbeiter sind 2025 auf 4,4 Milliarden Euro gestiegen, was einem Plus von 9 Prozent entspricht. „Die Milchwirtschaft ist damit eine der wichtigsten Sparten für die österreichischen Bauern“, betont Petschar. Trotzdem mache sich ein voranschreitender Strukturwandel bemerkbar: 750 bis 800 Betriebe haben im Vorjahr die Milchproduktion eingestellt, insgesamt zählt Österreich noch 20.811 milchproduzierende Betriebe – 1994 waren es noch 81.902. 25,8 Kühe kommen durchschnittlich auf jeden Landwirt, was in Summe 536.000 Kühe ergibt.
Österreich ist ein sehr kleinstrukturiertes Land, wo 78 Prozent der Milch aus Berggebieten kommt. Die Sammelkosten für diese qualitativ sehr hochwertige Milch betragen laut Petschar 2,8 bis 3 Cent. Die steigenden Energiekosten wirken sich neben vielen anderen Bereichen in der Produktion auch hier aus.
Hohe Qualität ist auch eine Voraussetzung für den Export nach Deutschland, Österreichs wichtigstem Handelspartner in Sachen Milch und Milchprodukte. Jeder vierte in Österreich produzierte Liter Milch geht nach Deutschland. Der gesamte Exportwert betrug 2025 1,95 Mrd. Euro (plus 9,5 Prozent gegenüber 2024). Mit einem Import von 1,32 Mrd. Euro (plus 12,5 Prozent) ergibt sich eine positive Handelsbilanz von 4,1 Prozent. Das unbestritten beliebteste Produkt im Ausland ist österreichischer Käse. „Käse ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt Petschar. Auch in Österreich ist der Konsum gestiegen. Auf jeden Konsumenten entfallen im Jahr 26 Kilo Käse und 5 Kilo Butter.
Vorrang für Qualität
Grundsätzlich entscheidet der Konsument darüber, welchem Produkt er den Vorzug gibt. „Die österreichische Qualität liegt deutlich über den anderen Ländern. Wir haben hohe Tierwohlauflagen, wir haben den geringsten CO2-Output bei unseren Produkten und Gentechnikfreiheit. Und wir schaffen Arbeitsplätze in Österreich“, unterstreicht Johann Költringer, Geschäftsführer des MVÖ, die Bedeutung der Milchwirtschaft.
Seit 2005 produzieren österreichische Milchbauern flächendeckend gentechnikfrei. Auch die Entscheidung, Tierhaltung plus zu forcieren und damit auf den Wunsch der Konsumenten zu reagieren, sieht Petschar als den richtigen Weg an. Daher setzt er sich auch für die Einführung der Herkunftskennzeichnung für hochwertige Milchprodukte ein – damit der Konsument entscheiden kann, zu welchem Produkt er greift. „Der Krieg zeigt, dass internationale Lieferketten verwundbar sind“, betont Petschar und erinnert an die lückenlose Versorgung mit heimischen Milchprodukten während der Corona-Jahre.
Die Preisdiskussion rund um Lebensmittel können Petschar und Költringer nicht nachvollziehen. Auch Milch und Milchprodukte seien keine Inflationstreiber, unterstreicht Költringer: „Butter hatte 2025 ein 15-Jahres-Tief.“
Butter ist in Österreich ein besonders sensibles und viel besprochenes Thema. Die zuletzt sehr niedrigen Einstiegspreise von 1,49 Euro für 250 Gramm Butter polarisieren. Und: „60 Prozent der Butter wird zu Aktionspreisen gekauft“, gibt Petschar zu bedenken, der neben angemessenen Preisen für hochwertige Produkte außerdem für einen Abbau der Bürokratie und keine neuen Hürden von Seiten der EU plädiert.








