„Nur wenige kennen die Elīna“

Kammersängerin Elīna Garanča spricht über neue Wege und persönliche Einblicke in ihr Leben.

Mit Grafenegg beginnt ein neuer Abschnitt für das Erfolgsformat „Klassik unter Sternen“. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die neue Phase?
Elīna Garanča: Ich gehe nicht mit Erwartung, ich gehe mit Zuneigung und Liebe und mit Begeisterung, weil wir gesehen haben, dass uns die Leute auch nach 17 und 18 Jahren folgen, von Jahr zu Jahr und von jetzt Ort zu Ort. Die ausverkauften Karten zeigen uns, dass das Interesse, die Liebe und die Treue bestehen, und das freut uns wahnsinnig. In der schnelllebigen Welt von heute gibt es nur sehr wenige Veranstaltungen mit solch einer Kontinuität. Der Ortswechsel wird neue Türen öffnen, wie das Kulturpicknick mit den Zukunftsstimmen oder dem neuen Themenweg. Wir suchen in dieser modernen und immer weniger persönlich werdenden Welt die Nähe zum Publikum. 

Woher kommen die Ideen für das Programm, das Jahr für Jahr neu konzipiert wird?
Garanča: Durch die Technik und die Erfahrung kann ich Gott sei Dank immer wieder neue Stücke singen und das macht mir sehr viel Spaß. Und ich versuche auch mit meinem Mann immer neue Überraschungen anzubieten und damit dem Publikum zu sagen, dass es immer noch etwas Neues gibt.

Wie kann man sich das Kulturpicknick vorstellen? Wie wird der Rahmen dafür sein?
Garanča: Es ist eine Open Air-Veranstaltung im Schlosspark, man hat Liegestühle, man kann auch mit der eigenen Picknickdecke kommen und Zeit miteinander verbringen. Die jungen Sänger werden etwas vorsingen und die Besucher können Fragen stellen, wie eine Frage-Antwort-Runde. Man kann den Themenweg gehen, mit Beschreibungen von meinem Lebensweg, meinen Gedanken, auch außerhalb Bühne. 

Welches Gefühl ist es für Sie, durch den eigenen Themenweg zu gehen und auf wichtige Stationen zurückzublicken?
Garanča: Ich werde 50 dieses Jahr, es wird mir bewusst, dass ich das Hauptleben gelebt habe und die Hauptkarriere gesungen habe. Man schaut auch mit einer gewissen Gelassenheit auf so etwas zurück, denn man kann nichts verändern, nur besser machen. Die Kinder sind größer geworden, man wird älter und hat einen anderen Blickwinkel. Ich fühle mich jetzt ein bisschen offener, um andere in mein privates Leben schauen zu lassen. Sehr viele kennen ja die Garancˇa, aber nur wenige kennen die Elıˉna. Die Elıˉna habe ich jahrelang geschützt, aber jetzt habe ich das Gefühl, Elıˉna darf jetzt auch raus, das ist meine Zeit. 

Können Sie sich vorstellen, Klassik unter Sternen noch zu erweitern, was die Vorstellungen betrifft?
Garanča: Wenn das Interesse besteht, natürlich. Durch den Standort, die feste Bühne, die Räumlichkeiten und die Zufahrt wird alles vereinfacht. Göttweig war eine einzigartige Kulisse, aber die ganze Logistik und die technischen Vorbereitungen waren äußert schwierig – man muss auch an Nachhaltigkeit und Green Events denken. In Grafenegg fällt diese Last weg und man kann sich viel mehr auf das Künstlerische und Soziale konzentrieren. Wir fangen eine neue Phase an, wir haben ein bisschen etwas gesät, aber ich glaube, es gibt hier Raum zum Wachsen.

Auf Stift Göttweig war der Schlusspunkt von Klassik unter Sternen immer ein Ave Maria und kein Applaus. Wie wird das erste Galakonzert in Grafenegg enden?
Garanča: Wir haben eine Maria, aber nicht das Ave Maria. Es wird eine Arie sein, die Maria involviert, die auch eine spirituelle Verbindung zu Maria ist, die in schwierigen Momenten für ein Menschenleben sehr wichtig ist. Ich glaube nicht, dass es ein Stück sein wird, wo man nicht applaudieren will – trotzdem wird es ein spiritueller Moment sein. Mehr darf ich zurzeit wirklich nicht verraten. Mein Mann hat mir gesagt, ‚du kannst erzählen, aber bitte nicht alles‘.

AusgabeRZ18-2026

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