Die Jahrestagung ist im Kalender von Raiffeisen NÖ-Wien die wichtigste und größte Veranstaltung. Es wird Bilanz über das vergangene Geschäftsjahr gezogen, strategische Zukunftsfragen werden diskutiert und der genossenschaftliche Auftrag gemeinsam nachgeschärft. So konnten Erwin Hameseder, Obmann der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, und Michael Höllerer, Generaldirektor Raiffeisen NÖ-Wien, als Gastgeber der Veranstaltung auch heuer wieder rund 850 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Religion sowie zahlreiche Kollegen, Funktionäre und Repräsentanten der Beteiligungsunternehmen in der Messe Wien begrüßen und gemeinsam zurück, aber vor allem nach vorne zu blicken.
Einer der wesentlichen inhaltlichen Schwerpunkte der Jahrestagung war „140 Jahre Raiffeisen“. Seit 1886 steht Raiffeisen mit der Gründung der ersten Raiffeisen-Genossenschaft im niederösterreichischen Mühldorf für gelebte genossenschaftliche Werte, regionale Stärke und das verlässliche und partnerschaftliche Miteinander. Nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg entsteht für Raiffeisen dort, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Genossenschaftliche Stärke
Gerade in einer Zeit von geopolitischen Krisen und wirtschaftlichen Unsicherheiten ist Resilienz der entscheidende Faktor für Bestand und Erfolg, ist Hameseder überzeugt: „Resilienz ist kein modisches Schlagwort, es ist das Gebot unserer Zeit. Resilienz ist eine Haltung.“ Der Krieg in der Ukraine, der eskalierende Nahost-Konflikt sowie steigende Energiepreise und instabile Lieferketten würden Unternehmen und Gesellschaft aktuell massiv belasten. „Gleichzeitig erleben wir eine Politik, die Druck nicht abfängt, sondern verschärft. Eine Politik, die Kräfte nicht entfesselt, sondern lähmt“, so der Obmann.
Besonders die im aktuellen Budgetvorschlag der Bundesregierung enthaltenen verlängerten Sonderabgaben für Banken sieht er als Gefahr für Investitionen und Wachstum: „Wer Banken schwächt, schwächt am Ende nicht ‚die Banken‘, sondern die Fähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes, Investitionen zu finanzieren“, fand er klare Worte.
Hameseder ist sicher: „Langfristigen Erfolg haben nur jene Unternehmen, die auch unter Druck handlungsfähig sind. Nachhaltiges Wirtschaften und vorausschauend handeln sind der Schlüssel.“ Und genau darin liege seit jeher die Stärke von Raiffeisen, „denn unser genossenschaftliches Modell ist im Kern nichts anderes als organisierte Resilienz“, betonte er.

Gerade die regionale Verankerung und das Vertrauen der Bevölkerung seien entscheidende Wettbewerbsvorteile. „Unsere regionale Verwurzelung ist kein romantischer Zusatz. Sie ist ein wirtschaftlicher Vorteil. Sie ist ein Stabilitätsfaktor und zeigt: Wohlstand entsteht durch Produktion, nicht durch Regulation. Wohlstand braucht Freiheit“, hob Hameseder hervor.
Ein Blick auf die auch 2025 guten Ergebnisse der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien und der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien sowie der niederösterreichischen Raiffeisenbanken zeige einmal mehr die Stärke und Zukunftsfähigkeit der genossenschaftlichen Gruppe in Niederösterreich und Wien, trotz schwieriger Rahmenbedingungen.
Neben wirtschaftlichen Fragen sprach Hameseder auch sicherheitspolitische Themen offen an. Freiheit, Demokratie und Wohlstand seien nicht selbstverständlich: „Wer Frieden bewahren will, muss auch bereit sein, die Grundlagen dafür zu sichern.“ Österreich dürfe notwendige Debatten nicht länger aufschieben und müsse auch „unangenehme Fragen rechtzeitig beantworten“ – auch das bedeute Resilienz.
Auf Höllerer folgt Hauer
Für den Obmann heißt Resilienz aber auch, im Management von Raiffeisen NÖ-Wien personelle Entscheidungen zu treffen, um Raiffeisen auf der Erfolgsspur zu halten: „Michael Höllerer hat als Generaldirektor seit 2022 viele strategische Weichen gestellt und einen klaren Wachstumskurs eingeschlagen. Damit hat er nicht nur Aufbruchstimmung erzeugt, sondern auch den Unternehmergeist unseres Hauses neu belebt“, bedankte sich Hameseder bei Höllerer, der mit Juli 2026 als Generaldirektor in die Raiffeisen Bank International (RBI) wechselt.
Die Führung bei Raiffeisen NÖ-Wien übernimmt dann Martin Hauer, „der unser Haus wie kaum ein anderer kennt“, wie Hameseder sagte. Die Bestellung von Hauer als Generaldirektor stehe somit für Kontinuität, Substanz und Kundennähe. „Martin Hauer ist eine Führungskraft mit Menschlichkeit, aber auch mit dem Zug zum Tor“, so der Obmann. Die Bank sei stark, optimal positioniert und für die kommenden Herausforderungen gut aufgestellt.

Erfolgreiche Bilanz
Im Gespräch mit Sigrid Seebacher, die gekonnt eloquent als Moderatorin durch die Jahrestagung führte, blickte Generaldirektor Höllerer auf vier erfolgreiche Jahre zurück und zog eine positive Bilanz über die Entwicklung von Raiffeisen NÖ-Wien. Besonders hob er das starke Wachstum, die erfolgreiche Positionierung im Wiener Markt und die gelebte Unternehmenskultur hervor.
„Wir haben unsere Häuser in den letzten Jahren konsequent auf Zukunftskurs gebracht. Der Unternehmenswert ist um mehr als 50 Prozent gestiegen, die Stadtbank konnte um 15.000 neue Privat- und Firmenkunden wachsen und aufgrund unserer Größe und Relevanz mit mehr als 35 Mrd. Euro Bilanzsumme stehen wir nun wieder unter direkter Aufsicht der EZB“, so Höllerer. Entscheidend für diesen Erfolg sei aber auch die Unternehmenskultur. Dass Eigentümer, Führungskräfte, Mitarbeitende so eng zusammenarbeiten und über Bereichsgrenzen hinausdenken, habe Innovationen wie die Partnerschaft mit Bitpanda, Raiffeisen Junior oder die Kooperation mit dem jö Bonus Club erst möglich gemacht, zog Höllerer zufrieden Bilanz.
Mit dem Konzernergebnis von rund 784 Mio. Euro sei er, Höllerer, „sehr zufrieden“. Man habe in einem herausfordernden Umfeld gemeinsam mit den Beteiligungsunternehmen erneut hohe Resilienz und wirtschaftliche Stärke bewiesen. Der Bankbetrieb ohne RBI habe 2025 ein solides operatives Betriebsergebnis von 198,4 Mio. Euro erzielt. Gleichzeitig konnten die Kapitalpuffer mit einer Gesamtkapitalquote von 26,9 Prozent auf ein ausgezeichnetes Niveau gesteigert werden – „das hilft in stürmischen Zeiten und verschafft Spielraum für zukünftiges Wachsum“, resümierte Höllerer.

Auf Augenhöhe mit den Besten
Als designierter Generaldirektor skizzierte Martin Hauer einen Ausblick auf die kommenden Jahre: „Ich sehe uns auf Augenhöhe mit den Allerbesten, sowohl im Banking als auch in unseren Beteiligungen. Wir werden uns aber noch mehr als heute in intensivstem Wettbewerb mit global agierenden Unternehmen messen müssen. Mein Ziel ist es, dass wir in den nächsten Jahren in einen Flow kommen, also in einen Zustand, in dem wir zu Höchstleistungen auflaufen.“
Die inhaltlichen Schwerpunkte sieht Hauer vor allem rund um die Themen Kundenbedürfnisse, Innovation, Digitalisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Aber auch Freude an dem zu haben, was man tut, sei ihm wichtig. Denn: „Freude ist die größte Motivation für uns Menschen“, ist Hauer überzeugt.
Auch für die ersten 100 Tage als Generaldirektor hat Hauer ein Ziel definiert: „Wir haben in den letzten Wochen richtungsweisende Projekte vorangetrieben, die uns noch stabiler, noch resilienter und noch wettbewerbsfähiger machen werden. Daran werden wird in meinen ersten 100 Tagen intensiv arbeiten und eine gute Basis dafür legen, dass wir auch bei der 150-Jahr-Feier von Raiffeisen NÖ-Wien eine gute Figur machen.“ Zudem wolle er im gesamten Raiffeisen-Sektor eine noch engere Vertrauensbasis schaffen.

Stabilisierende Kraft
Bundeskanzler Christian Stocker wandte sich per Videobotschaft an das Auditorium und sprach von einer „besonderen Raiffeisen-Jahrestagung. 140 Jahre Raiffeisen NÖ-Wien sind weit mehr als ein Jubiläum, es ist der Beleg für Beständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und das große Vertrauen, das über Generationen aufgebaut wurde. Raiffeisen NÖ-Wien ist seit Jahrzehnten die stabilisierende Kraft in der Ostregion, Partner für die Menschen, die Betriebe, die Landwirtschaft und für den Mittelstand. Raiffeisen hat immer wieder Veränderungen aktiv mitgestaltet und unter Beweis gestellt, Verantwortung zu übernehmen.“








