Wer ein erfolgreiches Event organisiert, muss vor allem über zwei Fähigkeiten verfügen: Neue Ideen haben und sich gegen Widerstände durchsetzen. Über beide Eigenschaften verfügt Josef Manahl vom Montafon Tourismus in großem Maße. „Das geht nicht, das gibt die Strecke nicht her, die Läufer wollen das nicht“, hörte er immer wieder, als er sinnierte: „Wir müssen bei unserem Marathon doch nicht immer von Silbertal nach St. Anton laufen, wir können es doch auch mal umgekehrt machen.“ Der Hintergrund war klar: Bis 2018 lag der Start immer in Vorarlberg, sodass das Rennen über zwei Bundesländer dort nach dem Weglaufen der Athleten eigentlich schon wieder zu Ende war. „Ich dachte mir: In Silbertal soll auch mal der Zieleinlauf und den ganzen Tag Remmidemmi sein.“ Und siehe da – seit 2019 wird in jährlichem Rhythmus gewechselt, ist der Start mal in Vorarlberg und mal in Tirol, so wie in diesem Jahr.
Als Manahl seine Idee umsetzte, war der Raiffeisen Montafon Arlberg Marathon längst in der Szene etabliert. Es war im Jahr 2003, als auf Initiative der beiden damaligen Bürgermeister erstmals der grenzüberschreitende Lauf stattfand. „Mit deutlich weniger als 100 Teilnehmern“, wie Manahl aus den Annalen weiß. In diesem Jahr werden insgesamt 800 Sportler in verschiedenen Bewerben an den Start gehen, womit das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Aber nicht, weil die Nachfrage nicht noch gesteigert werden könnte, in dieser Frage gäbe es in diesen laufbegeisterten Zeiten noch eine Menge Fantasie. Es ist aber die Verantwortung für die Natur und der Aspekt der Nachhaltigkeit, der für diese selbst gezogene Grenze sorgt. „Wir laufen abseits von Verkehr und Lärm durch das größte Naturschutzgebiet Vorarlbergs, dem Europaschutzgebiet Verwall. Dabei geht es uns um das Laufen in der Natur, sie zu genießen, aber auch zu erhalten. Da würde es nicht passen, wenn wir mit Tausenden von Läufern in einem Megaevent durch die Gegend pflügen. Und mit unserem Limit zeigen wir auch: Wir wollen exklusiv bleiben!“
Globales Interesse
Dieses Jahr ist die Grenze von 800 Läufern bereits erreicht, Nachnennungen am Renntag sind nicht möglich. Nicht der einzige Aspekt, bei dem man sich der Rekordjagd verwehrt. Denn auf die Idee, internationale Spitzenläufer als Zugpferde zu verpflichten, kommen die Organisatoren nicht. „Wir streben nicht danach, jedes Jahr eine neue Bestleistung aufzustellen. Uns geht es um die engagierten Hobbyläufer, die unsere Veranstaltung zu schätzen wissen“, sagt Manahl, selbst ambitionierter und begeisterter Hobby-Läufer. Der Mann hat diesbezüglich allerdings leicht reden, denn schon jetzt haben sich Läufer aus weltweit 30 Ländern in die Starterliste eintragen lassen, von Neuseeland bis Brasilien, von Deutschland bis zur Schweiz.

Dabei ist es nicht mal nur der Marathon selbst, der die Athleten anlockt, auch wenn der natürlich das Herzstück darstellt. Und dabei gar nicht mal so anstrengend ist, wie es das Label „Berg-Marathon“ vermuten ließe. „Ich bin der Meinung: Wer den Vienna City Marathon schafft, der schafft auch unseren“, prophezeit Manahl. „Es geht am Anfang in einer gemächlichen Steigung auf einer breiten Straße bergauf, dann kommt ein kurzer Trail, dann geht es auf einer breiten Straße wieder bergab.“ Insgesamt sind dabei 1.500 Höhenmeter zu überwinden, was natürlich trotzdem viel Training und Vorbereitung erfordert. Wem das zu hart ist, der hat auch andere Möglichkeiten, Teil des Events zu werden: Beim T33 (steht für Trail 33) spart man sich knapp zehn Kilometer auf die Marathonstrecke, in dem man den direktesten Weg von Silbertal nach St. Anton läuft. „Ideal für Läufer, die nach einem Halbmarathon die nächste Herausforderung suchen, sich den ganzen Marathon aber noch nicht zutrauen“, erklärt Manahl.
Der Panorama-Trail 15 findet immer nur an dem Ort statt, in dem das Ziel steht und richtet sich an Läufer, die einmal in einen Trailrun hineinschnuppern und ausprobieren wollen, wo Chancen und Risiken liegen. Zur Erklärung: Als Trail werden natürliche Strecken bezeichnet, die meist aus Wald- oder Wiesenböden bestehen und nicht präpariert sind.
Speziell für Kids ab fünf Jahren gibt es drei verschiedene kurze Trails zwischen 580 und 1.200 Metern Länge, auf denen auch die Kleinsten ausprobieren können, wie sich ein Rennen anfühlt.
Beim Wandererlebnis 33 sind keine ambitionierten Sportler dabei, sondern Wanderer, die in gemütlicher Atmosphäre und ohne großen Zeitdruck oder spezielles Equipment vor allem die Schönheit der Strecke genießen wollen. Die 50 gemeldeten Wanderer haben dabei ihren eigenen Start, bekommen Proviant mit und können zwischendurch in der „Raiffeisen Wanderer Lounge“ Speck und Käse jausnen, ehe sie ihren Weg fortsetzen.

Faire Aufteilung
Seit 2016, als Manahl mit der Organisation der Veranstaltung betraut wurde, sind gleich zwei Raiffeisenbanken als Sponsoren am Start: Die Raiffeisenbank Bludenz-Montafon auf Vorarlberger und die Raiffeisenbank Arlberg Silvretta auf Tiroler Seite. „Als wir uns damals neu aufgestellt haben, kam die Idee auf, aus beiden Regionen den Partner mitzunehmen und das Ganze fair aufzuteilen“, sagt Manahl. „Seit damals ist es eine Partnerschaft auf Augenhöhe, von der alle profitieren und die hervorragend funktioniert.“ Wohl auch deshalb, weil man sich nie auf dem Erreichten ausgeruht hat und immer neue Wege gegangen ist.
Denn selbst in der Corona-Zeit, als die meisten Sportarten im Land stillstanden, wurde der Montafon Arlberg Marathon ausgetragen. Nicht als gemeinsames Laufevent mit Massenstart, aber so, dass jeder für sich die Strecke absolvieren und seine Zeiten hochladen und am Ende in einer virtuellen Siegerehrung gewürdigt werden konnte. Was von mehr als 250 Sportler dankend genutzt wurde. Innovation und Durchsetzungskraft haben das Event eben immer schon ausgezeichnet.








