Aktuell stehen, laut dem Bundesdenkmalamt fast 40.000 Objekte in Österreich unter Denkmalschutz. Während manche dieser Denkmäler das ganze Jahr über frei begehbar sind – man denke beispielsweise an die Innenhöfe der Wiener Hofburg oder den Grazer Stadtpark, die jährlich von zahlreichen Menschen aus dem In- und Ausland durchschritten werden –, sind andere für die Öffentlichkeit gar nicht oder nur selten zugänglich. Sei es, weil sie sich in Privatbesitz befinden oder als Büro- und Verwaltungsräume dienen, wie die im kärntnerischen Obervellach gelegene Burg Groppenstein, das Wiener Ringstraßenpalais Erzherzog Wilhelm und das Palais Colloredo-Mannsfeld, das heute als Hauptsitz der „Organization of the Petroleum Exporting Countries (OPEC)“ fungiert. Beide Gebäude werden am Tag des Denkmals im Rahmen von Führungen und mit speziellen Präsentationen zu besichtigen sein.
Ebenfalls ausschließlich am 27. September zu erleben sind dieses Jahr auch das Palmenhaus im Schlosspark von Gmünd, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter Erzherzog Sigismund von Österreich errichtet wurde, sowie die Wehrkirche Hl. Jakobus der Ältere in Kleinzwettl. Außerdem werden sich die Türen erneut zu den in den Jahren 1942 und 1947 vom österreichischen Künstler Franz von Zülow gestalteten Räumen im Bauernhof Sternberg in Scharnstein öffnen.
Insgesamt bietet der Tag des Denkmals Besuchern die Möglichkeit, rund 300 Denkmale näher kennenzulernen. Nicht fehlen dürfen dabei auch alte Bekannte wie die französische Botschaft in Wien und das Bundesdenkmalamt. Letzteres ist in den historischen Räumlichkeiten, die einst Kaiser Franz II./I. im Schweizertrakt der Wiener Hofburg bewohnte, untergebracht und zeichnet für die Koordinierung des Tag des Denkmals verantwortlich.
„Denkmale: Wert für alle“
Ins Leben gerufen wurde die unter dem Titel „European Heritage Days“ europaweit stattfindende Veranstaltung vom Europarat und der Europäischen Union in den 1980er-Jahren. In Österreich findet der Tag des Denkmals seit 1995 jährlich, und seit 1999 österreichweit unter einem einheitlichen Motto statt. 2026 möchte man unter dem Slogan „Denkmale: Wert für alle“ Interessierten den vielfältigen Wert von Denkmalen für die Gesellschaft näherbringen. Vermittelt werden sollen sieben Denkmalwerte, die neben den kulturellen auch die gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Aspekte des historischen Erbes sichtbar machen wollen.
Die Palette reicht von der Bedeutung der Denkmale als Ort des „Alltags und der Begegnung“ über ihre „wirtschaftliche Wertschöpfung“ – indem sie Arbeitsplätze schaffen und den Tourismus fördern – bis hin zur Schaffung von „Identität“ und der Weitergabe von altem handwerklichem Können. So konnte beispielsweise mittels restauratorischem und handwerklichem Können, gepaart mit zeitgemäßen technischen Methoden, die historische Substanz des Grazer Stadtparkbrunnens langfristig gesichert werden. Der 1873 für die Wiener Weltausstellung geschaffene und ein Jahr später im Grazer Stadtpark aufgestellte Brunnen fungiert heute nicht nur als Wahrzeichen und Ort der Begegnung der Stadt Graz, sondern besitzt damit zudem einen identitätsstiftenden Wert. Exklusiv am Tag des Denkmals erhalten die Parkbesucher die Möglichkeit, vom Kulturamtsleiter der Stadt Graz, Michael A. Grossmann, und der Fachreferentin für Denkmalpflege, Valerie Peer-Soran, mehr über die Herausforderungen bei der Sanierung des seit vergangenem Jahr wieder in seiner vollen Pracht erstrahlenden Brunnens zu erfahren.



Open House
Noch in Restaurierung befindet sich hingegen momentan der Gemäldezyklus von Martin van Meytens zur Hochzeit Erzherzog Josephs mit Isabella von Bourbon-Parma. Die Bilder sind normalerweise im Zeremoniensaal in Schloss Schönbrunn zu sehen. Kunstinteressierte sind am Tag des Denkmals dazu eingeladen, sich im temporär eingerichteten Atelier selbst ein Bild vom Restaurierungsfortschritt zu machen.
Wer mehr über traditionelle Techniken wie Kalkbrennen, Ziegelschlagen, Maserieren und Schmieden erfahren möchte, hat im Informations- und Weiterbildungszentrum Baudenkmalpflege in der Kartause Mauerbach Gelegenheit dazu. Allen, die sich hingegen für die Dokumentation von Kulturgut mittels 3D-Technik interessieren, bietet sich ab 13 Uhr bei der Dombauhütte von St. Stephan eine besondere Gelegenheit: Der Dom ist in den letzten Jahren wiederholt in seiner gesamten Bausubstanz erfasst und dreidimensional dokumentiert worden. Die Erfahrungen der Dombauhütte konnten zudem in der jüngsten Vergangenheit auch für den Kulturgüterschutz in Kriegsgebieten, wie beispielsweise in der Ukraine, nutzbar gemacht werden.
Nicht minder spannend gestaltet sich aktuell auch ein Besuch auf dem historischen Otto-Wagner-Areal. Das ehemalige Krankenhausgelände wird derzeit zu einem modernen Wissenschafts-, Kultur- und Bildungsstandort entwickelt. Zum Tag des Denkmals bieten die Volunteers des Architekturfestivals „Open House Wien“ spezielle Kurzführungen an. Die als Non-Profit-Organisation in London ins Leben gerufene Initiative findet seit 2014 auch in der österreichischen Bundeshauptstadt statt.
Zu Fuß und mit der Straßenbahn
Das Architekturfestival „Open House Wien“ ermöglicht von 25. bis 27. September einen Blick in über 50 – oftmals für die Öffentlichkeit geschlossene – Gebäude, beispielsweise in das entsprechend der Wiener Moderne gestaltete Haus Urwalek und in die Festsäle der TU Wien. In Kooperation mit dem Tag des Denkmals werden zudem auch besondere Einblicke in die Arbeiterkammer Wien sowie ins Wiener Funkhaus eröffnet.
Während es für die von Open House veranstalteten Führungen keiner besonderen Anmeldung bedarf (First-come-first-served-Prinzip), sollte man sich bei einigen der am Tag des Denkmals stattfindenden Führungen auf jeden Fall rechtzeitig anmelden. Bei manchen Gebäuden ist die Nachfrage oftmals sehr groß und die Kapazitäten beschränkt.
Spannende Einblicke in die Geschichte der Stadt bieten an diesem Tag auch die über die Bühne gehenden Stadtführungen. Die Palette reicht von geführten Touren entlang der alten Wiener Universitätsbauten von 1624 bis 1850 und zu alten Römersteinen bis hin zur Spurensuche polnischer Geschichte in Wien. Und last but not least lädt man in Kooperation mit den Museumspartnern von „abenteuer INDUSTRIE“ zu kostenfreien Ringrunden in einer historischen Straßenbahn ein.








