LASK: Das Wunder wiederholen

Erstmals seit 61 Jahren geht der LASK als amtierender Meister in die Saison. Kult-Trainer Didi Kühbauer verrät, wie er mit der neuen Favoritenrolle umgeht und warum er in seiner Karriere nicht unbedingt ein Auslandsengagement braucht, um glücklich zu sein.

Es gehört zu den Weisheiten des Sports, dass es schwierig ist, einen großen Erfolg zu erringen. Noch schwieriger ist es aber, ihn zu bestätigen. Und genau vor dieser Mammutaufgabe steht momentan der LASK. Vergangenes Jahr holten die Linzer sensationell das Double, wurden erst Cupsieger und schafften dann noch das Husarenstück, den Meisterteller in die Raiffeisen Arena zu holen – zum ersten Mal seit 1965 und zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte. „Das war eine fantastische Saison, wir haben Unglaubliches geleistet“, blickt Erfolgstrainer Dietmar „Didi“ Kühbauer zurück. „Und auch wenn die Burschen ein Leben lang Doublesieger bleiben – kaufen können wir uns in der kommenden Spielzeit nichts mehr davon.“

Typisch Kühbauer, der nicht dafür bekannt ist, sich auf errungenem Lorbeer ausruhen und Erfolge nur verwalten, statt weitere gestalten zu wollen. Es juckt ihn in den Fingern, das Wunder zu wiederholen – wissend, wie außergewöhnlich die Konstellation war, die für einen oberösterreichischen Feiersommer 2026 sorgte.

Neue Schlüsselspieler

Was dem LASK schon mal gelungen ist: Man konnte den erfolgreichen Kader der Vorsaison weitgehend zusammenhalten. Allerdings mit einer großen Ausnahme: Saša Kalajdžić, der spätestens seit seinem legendären Tor zum 3:3-Ausgleich gegen Algerien auch Nicht-Fußballfans ein Begriff ist, packte seine sieben Sachen und kehrte zu den Wolverhampton Wanderers auf die britische Insel zurück, von wo aus er an die Linzer ausgeliehen war. Ein durchaus schmerzhafter Verlust. „Er war unser Schlüsselspieler im Frühjahr, so ehrlich muss man sein“, beschreibt Kühbauer die Wichtigkeit des Zwei-Meter-Mannes. „Wir wussten: Wenn Saša vorne den Ball bekommt, wird schon etwas für uns herausschauen. Wenn du einen Spieler mit solch einer Qualität haben willst, musst du normalerweise tief in die Tasche greifen.“

Da Sportdirektor Dino Buric aber dafür steht, kreative Lösungen im Talon zu haben, hat er einen Angreifer verpflichtet, der andere Qualitäten mitbringt, aber auch für große Torgefahr steht. Ramiz Harakaté kam vom Liga-Konkurrenten GAK und mit der Empfehlung, in seiner ersten Bundesliga-Saison elf Tore und fünf Assists eingeheimst zu haben. Eine herausragende Quote bei einem Klub, der bis zuletzt gegen den Abstieg spielte und nicht dafür bekannt war, Offensivspektakel zu bieten. Doch bei dem 24-jährigen Franzosen mahnt Kühbauer zu Vorsicht: „Bei ihm sieht man die Qualität, aber bei uns wird er natürlich anders bewertet als beim GAK. Von ihm wünsche ich mir, dass er hier den nächsten Schritt in seiner Karriere und eines Tages den Sprung ins Ausland schafft.“

LASK-Trainer Didi Kühbauer
LASK-Trainer Didi Kühbauer will seine Kicker auch in der kommenden Saison wieder jubeln sehen. © APA/EXPA/Reinhard Eisenbauer

Lockrufe aus dem Ausland

Letzteres ist ein Thema, das auch Kühbauer selbst betrifft. 2025 Cupsieger mit dem WAC, 2026 Doublegewinner mit dem LASK – logisch, dass es Klubs im Ausland gibt, die bei seinem Management angefragt haben, ob er sich ein Engagement vorstellen könnte. Noch dazu ist der Burgenländer mit 55 Jahren in einem Alter, in dem er einerseits über einen großen Erfahrungsschatz verfügt, andererseits aber auch nicht mehr ewig viel Zeit hat, den Schritt zu wagen. „Ja, es gab Anfragen“, bestätigt er. „Aber es war bis jetzt nicht das dabei, von dem ich vollends überzeugt war.“ 

Und eines stellt Kühbauer, der als Spieler in Deutschland (Wolfsburg) und Spanien (San Sebastián) tätig war, klar: Auf Biegen und Brechen wird er nicht ins Ausland gehen, nur um es auf seiner Visitenkarte stehen zu haben. „Wenn ich den Sprung nicht schaffe, sitze ich ganz bestimmt nicht daheim, schaue gegen die Wand und sage ‚Ich hab was verpasst‘. So weit darf es nicht gehen.“ 

Also wartet er entspannt darauf, was sein Management an ihn heranträgt. Und bastelt mit voller Konzentration an der kommenden Saison, die neben der Mission Titelverteidigung ja noch ein weiteres großes Schmankerl für ihn und den LASK parat hält. Stichwort: Europacup.

Internationale Euphorie

Als Meister sind die Linzer in der letzten Play-off-Runde zur Champions League dabei, wobei die Auslosung am 3. August dem Klub durchaus ein Hammerlos bescheren könnte. Sollte es mit der Königsklasse nichts werden, würden man direkt in die Gruppenphase der Europa League rutschen, in der es ebenfalls gegen attraktive Gegner gehen würde. „Ich verstehe, dass alle vom Europacup träumen, das ist auch okay“, sagt Kühbauer, hebt aber gleich den warnenden Zeigefinger. „Wir dürfen bei aller Euphorie nicht vergessen, dass die nationale Meisterschaft unser tägliches Brot ist. Es wäre fatal, wenn wir den Fokus darauf verlieren würden.“ 

Sein Motto dabei: Von der allerersten Runde mit voller Konzentration dabei zu sein, um bloß nicht wieder einen solch veritablen Fehlstart hinzulegen wie in der vergangenen Saison, als man nach neun Runden Vorletzter war, ehe Kühbauer als Trainer kam und das Ruder so erfolgreich herumriss.

Konkurrenz schläft nicht

Die Mahnung hat auch den Hintergrund, dass es in der kommenden Saison erstmals seit acht Jahren keine Punkteteilung nach 22 Runden mehr geben wird, jedes Spiel ab Runde eins in der Endabrechnung also genau die drei Punkte zählt, die ausgeschrieben sind. Für Kühbauer eine sinnvolle Adaptierung: „Ich habe nie verstanden, warum einem Punkte, die man sich erarbeitet hat, wieder weggenommen werden“, lautet sein Ansatz. 

Was natürlich auch für die Konkurrenz gilt, die alles in die Wege leitet, damit der Erfolg des LASK nur eine Eintagsfliege bleibt. Branchen-Krösus Red Bull Salzburg geht mit dem neuen Trainer Danny Röhl ins Rennen, Sturm Graz hat sich auf dem Transfermarkt unter anderem mit dem deutschen Shootingstar Nelson Weiper verstärkt, auch Rapid und Austria wollen ihre Platzierungen aus dem Vorjahr verbessern. „Das sind alles Teams, bei denen es keinen Favoriten gibt, wenn wir auf sie treffen. Und wenn es gegen die sogenannten ‚Kleinen‘ geht, darf man sich ohnehin keinen Ausrutscher erlauben“, sagt Kühbauer.

Er weiß eben, dass es die Wiederholung des Wunders aus der Vorsaison braucht, um am Ende das zu schaffen, was im Sport als das Größte gilt: einen Erfolg, den man errungen hat, zu bestätigen.

AusgabeRZ31-2026

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