Future Talk: Mut zum eigenen Weg

Hunderte Jugendliche aus dem gesamten Burgenland besuchten die vierte Ausgabe des Raiffeisen Future Talk, um neue Perspektiven zu entdecken und sich Tipps für ihren Lebensweg zu holen.

Wirtschaftliche Unsicherheiten, geopolitische Spannungen und technologische Umbrüche – selten war der Blick in die Zukunft von derart volatilen Rahmenbedingungen geprägt wie aktuell. Für junge Menschen an der Schwelle zum Studien- oder Berufsleben stellen sich damit grundlegende Fragen: Was will ich erreichen? Welche Jobs sind langfristig gefragt?

Um Jugendlichen und jungen Erwachsenen am Ende ihrer Schullaufbahn Orientierung und Inspiration für ihren nächsten Lebensabschnitt zu geben, veranstaltet Raiffeisen Burgenland jährlich den „Future Talk“ – heuer bereits zum vierten Mal. Mehr als 800 Schüler und Schülerinnen der Vormatura- und Maturaklassen aus dem gesamten Burgenland folgten Anfang Oktober wieder der Einladung zur Jugendveranstaltung ins Kultur Kongress Zentrum Eisenstadt. Auch Vertreter der regionalen Raiffeisenbanken waren vor Ort und standen den Schulen als direkte Ansprechpartner zur Verfügung.

Ergänzung für Lehrpläne

Rudolf Suttner, Vorstandsdirektor der Raiff­eisenlandesbank Burgenland, richtete sich in seinen Eröffnungsworten direkt an das junge Publikum, dem auch seine Tochter angehörte. Nach der Schullaufbahn warte eine Welt, die sich enorm schnell verändere: „Eine Welt, die neue Technologien, neue Arbeitsformen, wichtige Fragen zu den Themen Gesellschaft und Umwelt mit sich bringt. Eine Welt, die Menschen wie euch braucht“, betonte Suttner. Künftig werde es noch viel wichtiger sein, Ideen und Mut zu haben sowie die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Mit dem Raiffeisen Future Talk wolle man einen Raum schaffen, um neue Ideen anzuregen und Denkanstöße zu geben. Denn Suttner ist überzeugt: „Zukunft entsteht nicht von alleine, sondern dann, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und gestalten wollen.“

Für Susanne Wallner von der Bildungsdirektion Burgenland stellt der Future Talk eine ideale Ergänzung der Lehrpläne dar. „Unsere Lehrer leisten hervorragende Arbeit, sie unterrichten sehr praxisorientiert. Aber um unsere Jugendlichen noch zukunftsfitter zu machen, benötigen wir Kooperationspartner wie Raiffeisen“, so Wallner.

Viel ausprobieren

Keine besonders positiven Erinnerungen an ihre Schulzeit hat die erste Speakerin des Future Talk, Unternehmerin und Influencerin Karin Teigl, besser bekannt als „constantly_k“. Die Tourismusschule habe sie „mit Ach und Krach“ abgeschlossen. Was danach kommen sollte, habe sie erst durch Ausprobieren herausgefunden: Sie kellnerte, arbeitete bei einem Versicherungsmakler und im Eventmanagement, lebte im Ausland und machte sich schließlich selbstständig. „Ihr müsst mit 18 noch keinen Plan haben“, rief sie den Jugendlichen zu. Das bedeute allerdings nicht, dauerhaft planlos zu bleiben: Man müsse anfangen, Dinge zu probieren.

Laut, direkt und immer wieder im Austausch mit dem Publikum warb Teigl dafür, sich mehr zu trauen und weniger nach anderen zu richten. Jugendliche mit grünen oder violetten Haaren bekamen ebenso Zuspruch wie jene, die ihren Berufswunsch schon kannten. Zugleich warnte sie davor, Selbstvertrauen mit Unbelehrbarkeit zu verwechseln: „Selbstbewusstsein ist gut, Selbstvertrauen auch – aber immer die Bereitschaft, lernen zu wollen.“ Auch sie schieße bisweilen über das Ziel hinaus und müsse Kritik annehmen.

Wie stark der Wunsch sein könne, dazuzugehören, schilderte Teigl anhand einer Erinnerung aus ihrer Internatszeit: Während andere mit teuren Markentaschen anreisten, habe sie sich für ihre Reisetasche mit Raiffeisen-Aufdruck – ein Weltspartagsgeschenk – geschämt. Heute wolle sie vermitteln, dass niemand Statussymbole brauche, um etwas wert zu sein. Auch sie kenne das Vergleichen auf Social Media. Statt sich zu fragen, wie jemand anderes etwas geschafft habe, frage sie sich lieber: „Wie kann ich das schaffen?“

Gerade den jungen Frauen legte sie finanzielle Unabhängigkeit ans Herz: „Nie, nie, nie auf Männer verlassen.“ Eigenes Geld zu verdienen, sei ihr immer wichtig gewesen. Zwar habe sie als Moderatorin und Frau eines Profifußballers selbst alle Klischees erfüllt, ihre Wünsche aber stets selbst finanziert. Sich etwas aus eigener Kraft leisten zu können, sei ein besseres Gefühl.

Für schnellen Erfolg gebe es keine Abkürzung. Was andere heute an Schuhen, Taschen und Urlauben sehen würden, sei das Ergebnis jahrelanger Arbeit: „Ich habe zehn Jahre lang arbeiten müssen, davon sechs, sieben Jahre durch, ohne Urlaub.“ Entscheidend sei, den eigenen Antrieb zu finden. Sie selbst könne sagen: „Ich freue mich auf den Montag.“ Bei aller Disziplin dürfe aber auch die Freude nicht verloren gehen. Teigls Aufforderung an die Jugendlichen: „Lebt euer Leben.“

Gegenwind trotzen

Dass hinter vermeintlichem Erfolg über Nacht meist viele Jahre Arbeit stecken, bestätigte auch Florian Gschwandtner. Der Runtastic-Mitgründer knüpfte mehrfach an Teigls Aussagen an. Träume seien ein wichtiger Anfang, entscheidend sei aber, dranzubleiben: „Den Traum umzusetzen und einen Schritt mehr zu machen, dort beginnt der Unterschied.“

Wie viel Gegenwind einem dabei entgegenwehen kann, schilderte Gschwandtner anhand der Gründung von Runtastic im Jahr 2009. Niemand werde mit einem Handy laufen gehen, damit könne man kein Geld verdienen, hätten die vier Gründer immer wieder zu hören bekommen. Auch vor Streit im Fall eines Erfolgs seien sie gewarnt worden. Heute seien sie noch immer befreundet, machten gemeinsam Urlaub und hätten weitere Unternehmen aufgebaut. „Hätten wir an die Neins geglaubt, dann hätten wir nie losgestartet.“

Fehlendes Geld mussten die Gründer mit Einfallsreichtum ausgleichen. Während Konkurrenten aus den USA über Millionenbudgets verfügten, habe Runtastic anfangs kein Marketingbudget gehabt. Daher wurden kurzerhand Nutzer gebeten, die englischen Texte der App in ihre Muttersprache zu übersetzen. Innerhalb weniger Wochen seien so drei zusätzliche Sprachversionen entstanden – ohne Kosten. Das habe der App in diesen Ländern zu mehr Sichtbarkeit verholfen. Für Gschwandtner ein Beispiel dafür, was Kreativität und der Mut, andere um Hilfe zu bitten, bewirken können.

Neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffne heute Künstliche Intelligenz. Auf seine Frage, wer bereits KI nutze, gingen viele Hände hoch. Als er wissen wollte, wer damit schon eine App, eine Website oder ein anderes Produkt gebaut habe, meldeten sich nur wenige. Genau darin liege der Unterschied: Man könne Videos anschauen oder selbst welche machen, die KI nach der Hausübung fragen oder mit ihr ein Werkzeug bauen, das Aufgaben automatisiere. Je früher Jugendliche selbst Dinge ausprobierten, desto mehr könnten sie lernen.

Für das Berufsleben gab Gschwandtner ihnen deshalb eine Formel mit: Fachwissen mit KI verbinden. Ob Jus, Medizin, Marketing oder Handwerk – wer die Technologie im eigenen Bereich einsetzen könne, verschaffe sich einen Vorsprung. „Nicht die KI wird dir deinen Job wegnehmen, sondern ein Mensch, der mit der KI umgehen kann“, betonte er. Dafür müsse man Zeit investieren – ein Zugang zu KI-Tools allein helfe ebenso wenig wie eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, wenn man nicht trainiere.

Früh anfangen

Während Gschwandtner die Jugendlichen zu eigenen Projekten ermutigte, erklärte Manuel Schleifer, Senior Equity Market Strategist bei der Raiffeisen Bank International, wie man sich als Anleger an Unternehmen beteiligen kann. Unter dem Titel „Geldanlage in jungen Jahren: Warum der beste Zeitpunkt zum Investieren schon gestern war“ vermittelte er Grundlagen zu Börse und Aktien. Anhand von Beispielen wie Coca-Cola, McDonald’s oder L’Oréal veranschaulichte Schleifer, dass hinter vielen vertrauten Produkten börsenotierte Konzerne stehen und sich deren Entwicklung im Wert der Aktien widerspiegeln könne. 

Über Geld werde in Österreich zu wenig gesprochen, kritisierte er – das erschwere auch die finanzielle Bildung. Den jungen Zuhörern zeigte er vor allem einen Vorteil auf, der sich nicht nachholen lässt: früh mit dem Vermögensaufbau anfangen zu können. „Die Zeit ist euer bester Verbündeter.“

AusgabeRZ42-2026

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