Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) schärft ihren Fokus bei der wirtschaftlichen Analyse unter der neuen Führung des deutschen Ökonomen Wolf Heinrich Reuter, der seit Anfang Februar die Hauptabteilung Volkswirtschaft leitet.
OeNB-Gouverneur Martin Kocher betont, dass es gute Analysen und Prognosen sowie eine herausragende Forschung brauche, um die aktuellen geldpolitischen und wissenschaftlichen Herausforderungen wie niedriges Potenzialwachstum oder den demografischen Wandel zu bewältigen. „Das Vertrauen ist die wichtigste und zentrale Ressource der Zentralbank. Die Glaubwürdigkeit beginnt bei guten Daten und Analysen sowie der Expertise der Bank“, sagt Kocher. Es gebe nur wenige Institutionen, die einen langfristigen Horizont haben. Die Nationalbank sehe sich als „Anwältin der langen Frist“.
Darüber hinaus wollen die Notenbanker mit Analysen auch für Impulse im europäischen Zentralbankensystem sorgen – etwa wenn es um Expertise zu Zentral- und Osteuropa, aber auch zur Verhaltensökonomie geht.
Gute Kommunikation gegen Unsicherheiten
Für OeNB-Chefökonom Reuter, der an der Wirtschaftsuniversität Wien studiert und promoviert und danach bereits bei der OeNB gearbeitet hat, gehört „zu einer guten Prognose“ auch „eine gute Kommunikation“. Es gehe darum, den Wirtschaftsakteuren zu helfen, mit den zahlreichen Unsicherheiten umzugehen. Punktprognosen werden in der langen Frist noch viel schwieriger, allerdings könne man als Ökonom relativ gut strukturelle Trends erkennen und deren Einflüsse auf Preise oder Wachstum herausarbeiten. Seine Abteilung beschäftigt knapp unter 100 Personen – in Vollzeitäquivalenten gerechnet seien es allerdings etwas weniger.
„Was wir nicht können, ist, Unsicherheit zu beseitigen“, ergänzt Kocher. Die OeNB wolle mit der Stärkung der wirtschaftlichen Analyse eine bessere Basis für wirtschaftspolitische Entscheidungen bieten. Als ein Beispiel für eine schlechte Politik sieht OeNB-Gouverneur Kocher das aktuelle Vorgehen von US-Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit seiner Zollpolitik.
Sicherheit ist entscheidend
Nachdem das US-Höchstgericht dessen Zölle vergangene Woche gekippt hatte, reagierte Trump prompt mit neuen Zöllen – allerdings auf einer anderen gesetzlichen Grundlage. Kocher sieht dieses Vorgehen als „schlechte Politik“, denn diese sei eigentlich dazu da, um Unsicherheiten zu reduzieren. „Sicherheit ist das Entscheidende für die Politik, ob es Sicherheit auf der Straße oder für das Eigentum ist. Dass Politik das umdreht und Unsicherheit von sich aus generiert, ist wirklich absurd“, so der Notenbanker.









