Bachmann lesen, hören und ergehen

Sie war eine der wichtigsten Stimmen deutsch­sprachiger Nachkriegsliteratur – am 25. Juni wäre Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden.

Mit ihrem Roman „Malina“, ihren Erzählungen sowie den Gedichtbänden „Die gestundete Zeit“ und „Anrufung des Großen Bären“ schrieb sich Ingeborg Bachmann in die österreichische Literaturgeschichte ein. Wichtiger jedoch, verstehen es ihre Texte auch über fünf Jahrzehnte nach ihrem Tod noch zu berühren, zu irritieren und – in dem sie Fragen zu Themen wie Gewalt, Machtstrukturen und ungleiche Geschlechterverhältnisse aufwerfen – bis heute nichts an ihrer Dringlichkeit verloren zu haben. Immer wieder bringt Bachmann ihre während der Kriegsjahre und der Nachkriegsjahre, in einer männlich dominierten Gesellschaft, erlittenen Erfahrungen zum Ausdruck – oftmals gepaart mit einer radikalen Selbstentblößung und einer Skepsis gegenüber der Sprache. 

„Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht“, lautete eine während ihrer 1959 in Frankfurt gehaltenen Poetikvorlesungen über zeitgenössische Dichtung getätigten Aussagen. Ein Ringen um eine authentische Sprache, das nicht zuletzt auch in ihrem Erzählband „Simultan“ spürbar wird. 

Mit Bachmann durch Klagenfurt

In der im Band enthaltenen längeren Erzählung „Drei Wege zum See“ lässt Bachmann ihre Protagonistin, eine erfolgreiche Modefotografin, in ihre Heimat nach Kärnten zurückkehren, um dort an Stationen ihrer Kindheit ihre Liebesbeziehungen zu reflektieren. Der Weg führt Elisabeth dabei über das Kreuz­bergl zum Wörthersee. Eine Gegend, die Bachmann selbst aus ihrer Kindheit gut kannte. Mit ihren zwei Geschwistern lebte die zukünftige Autorin von 1933 bis 1945 in der Henselstraße 26 unterhalb des Kreuzbergls. 

Das kleine Reihenhaus ist heute nicht nur ehemaliger Lebensort Bachmanns, sondern dient seit vergangenem Jahr auch als Museum. Zu sehen sind neben Text-, Bild- und Tondokumenten persönliche Gegenstände wie Bücher, Schreibutensilien, Kleider und Fotos. Im Rahmen des Jubiläumsjahres wartet man zudem mit mehreren Veranstaltungen auf. Die Palette reicht vom Straßenfest am Geburtstag der Autorin über einen performativen Spaziergang vom Ingeborg-Bachmann-Haus bis zum Lendhafen bis hin zur Lesung der Bachmann-Preisträgerin aus dem vergangenen Jahr, Natascha Gangl. 

Die von Elisabeth Harnik am Klavier begleiteten „Klangdialoge“ werden passend rund um die Austragung des diesjährigen 50. Ingeborg-Bachmann-Preises (von 24. bis 28. Juni) stattfinden. Zum ersten Mal in der Geschichte des Preises wird heuer zudem auch die Eröffnung live auf 3Sat übertragen. Neugierige können die Lesungen der 14 ausgewählten Autoren – neun aus Deutschland, drei aus Österreich, eine Schweizerin und eine Ungarin – heuer auch beim Public Viewing im Lendhafen mitverfolgen. Mit der Veranstaltung „Poetry meets Music – Hafen-Edition“ soll der Lendhafen bereits im Vorfeld am 20. Juni zum Treffpunkt für Worte, Stimmen und Klang werden. Das Programm ist Teil eines umfangreichen Rahmenprogramms, das auch heuer wieder unter dem Titel „Salon Inge“ rund um die Bachmanntage über die Bühne gehen wird.

Salon Inge und Bachmann on screen

Mit dem Theaterprojekt „Inge träumt – ein Kärntner Triptychon“ haben Neugierige dieses Jahr auch im September noch Gelegenheit, sich mit einer der bekanntesten Figuren Bachmanns, der Undine, auseinanderzusetzen. Inszeniert wird das immersive Schauspiel vom Theaterverein „Ars ex Machina“ in einer Inszenierung der Jungregisseurin Christina Constanze Polzer in Kooperation mit dem kärnten.museum, das zugleich als Bühne dient. 

Das Museum wird ab 18. Oktober außerdem die vom Literaturhaus Wien konzipierte Wanderausstellung zu Ingeborg Bachmann beherbergen. Die Ausstellung basiert auf der anlässlich des Todesjahrs Bachmanns im Literaturhaus eröffneten Hommage an die Autorin. Zur Schau erschienen ist ein umfangreiches Begleitbuch. Wenig verwunderlich bietet das Jubiläum aber auch Anlass für eine Reihe von Neuerscheinungen. Darunter finden sich beispielsweise Biografien von Dieter Burdorf und Andrea Stoll. Stoll zeichnete auch für die Mitherausgabe des Briefwechsels zwischen Bachmann und Paul Celan verantwortlich. 2016 wurde dieser im Film „Die Geträumten“ auch auf die Leinwand gebracht. Der Film ist derzeit im Rahmen der (noch bis 22. Juni stattfindenden) Retrospektive „Bachmann on screen“ im Metro Kinokulturhaus zu erleben. Und last but not least wartet der Österreichische Rundfunk am 21. Juni mit Poetik und Poesie von Ingeborg Bachmann auf.

AusgabeRZ25-2026

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Mehr lesen

Aktuelles

Die Welt der Raiffeisenzeitung

Banner für die Newsletter Anmeldung
Banner: