Raiffeisen Oberösterreich wird gelb

Ein Jahr nach dem Start des Strategieprojekts „Verbund Impulse 2030“ präsentiert Raiffeisen Oberösterreich erste konkrete Maßnahmen und den weiteren Fahrplan bis 2030.

Mit „Verbund Impulse 2030“ wurde erstmals eine gemeinsame Strategie für die 63 oberösterreichischen Raiffeisenbanken auf den Weg gebracht. Seither wurde an Strukturen, Schwerpunkten und konkreten Maßnahmen gearbeitet. Vor mehr als 1.500 Vertretern der Raiff­eisenbankengruppe Oberösterreich wurden nun im Linzer Design Center erste Ergebnisse präsentiert und weitere Schritte vorgestellt.

Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich verfolgt mit „Impulse 2030“ parallel dazu ihre eigene strategische Neuausrichtung. Beide Projekte greifen ineinander und sollen die Zusammenarbeit zwischen Landesbank und Raiff­eisenbanken enger verzahnen, hält Volkmar Angermeier, Aufsichtsratsvorsitzender der RLB OÖ, fest: „Diese gebündelten Impulse erzeugen erst jene Kraft, die wir brauchen, um die Bedürfnisse der Kunden von heute, aber insbesondere der Kunden von morgen zu befriedigen.“

Entscheidend sei nun, die aus dem Strategieprozess abgeleiteten Maßnahmen konsequent umzusetzen. Dazu gehört auch eine neue Sektor-Governance mit dem Ziel, effizienter zu werden – durch eine klare Verantwortungsverteilung, schnellere Entscheidungen und eine neue Verbindlichkeit bei deren Umsetzung.

Aus einer Position der Stärke

Generaldirektor Reinhard Schwendtbauer verdeutlichte, dass die strategische Neuausrichtung aus einer wirtschaftlich starken Position heraus erfolgt. So sei die Bilanzsumme der oberösterreichischen Raiffeisenbanken (ohne RLB) in den vergangenen 40 Jahren von 3,4 Mrd. auf rund 35 Mrd. Euro gestiegen. Für 2026 erwartet Schwendtbauer für die RLB OÖ ein Betriebsergebnis von mehr als einer Milliarde Euro, für die oberösterreichischen Raiffeisenbanken insgesamt rund 600 Mio. Euro. Diese Ertragskraft sei auch notwendig, um die Transformation der Bankengruppe bewältigen zu können.

Neben den veränderten Kundenbedürfnissen verlangt vor allem das Wettbewerbsumfeld neue Antworten. Zu den traditionellen Mitbewerbern kommen Privatbanken hinzu, die, wie Schwendtbauer sagt, „ein bisschen knabbern“. Andere würden hingegen regelrecht „ausbeißen“. Damit meint er vor allem Neobanken und Tradingplattformen, auf die es „neue und schnellere Antworten“ brauche.

Als eine mögliche Antwort werde auf österreichweiter Ebene die Gründung einer „Raiffeisen Digitalbank“ diskutiert. Die Gespräche dazu seien bereits weit fortgeschritten, innerhalb der Bundesländer gebe es allerdings noch unterschiedliche Positionen, berichtet Schwendtbauer.

„Wir müssen schneller werden. Wir müssen unkomplizierter werden – mit einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis.“

Reinhard Schendtbauer

Persönlich und digital

Kunden seien heute digitaler und besser informiert und wollten einfache Bankgeschäfte zunehmend selbst erledigen. Bei wichtigen oder komplexeren finanziellen Entscheidungen werde hingegen weiterhin bewusst die persönliche Beratung gesucht, erklärt Joshua Märker, Leiter des Vertriebsmanagements Privatkunden in der RLB OÖ. Das Ziel im Privatkundengeschäft lautet daher, die persönliche Beratungsstärke von Raiffeisen mit den digitalen Möglichkeiten besser zu verknüpfen. „Wir müssen schneller werden. Wir müssen unkomplizierter werden – mit einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis“, bekräftigt Schwendtbauer.

Mit zwei neuen Angeboten wird dieser Ansatz bereits konkret. Das „Raiffeisen Now Depot“ richtet sich an Kunden bis 30 Jahre und kommt bis zu einem Volumen von 50.000 Euro ohne Depotgebühren aus, Orders kosten 4,99 Euro. Mit dem „Raiffeisen Now Konto“ kommt zudem ein rein digitales Kontomodell um 2,99 Euro pro Monat. Noch im Oktober sollen beide Produkte an den Start gehen.

Private Banking breiter gedacht

Auch im Private Banking soll die Zusammenarbeit zwischen Raiffeisenbanken und Landesbank intensiviert werden. Inhaltlich soll der Blick dabei über die reine Wertpapierveranlagung hinausgehen. „Uns ist wichtig, den Kunden ganzheitlich zu betrachten“, erklärt Michaela Egger-Derndorfer, seit 1. Oktober 2026 Leiterin der Privat Bank der RLB OÖ. Den neuen Ansatz fasst sie unter dem Stichwort Finanzplanung zusammen. Nicht nur Veranlagung, sondern Gesamtvermögen, Liquidität, Immobilien, Finanzierung, Vorsorge, Absicherung und bei Unternehmerfamilien insbesondere Nachfolgefragen sollen gemeinsam betrachtet werden. Damit wolle man den Kunden Orientierung geben und die Komplexität finanzieller Entscheidungen reduzieren, so Egger-Derndorfer.

Joshua Märker, Michaela Egger-Derndorfer, Jennifer Radner und Helmut Kern gaben erste Einblicke in die bevorstehenden Veränderungen.
Joshua Märker, Michaela Egger-Derndorfer, Jennifer Radner und Helmut Kern gaben erste Einblicke in die bevorstehenden Veränderungen. © RLB OÖ

Firmenkunden im Fokus

Im Firmenkundengeschäft sollen die Raiffeisenbanken weiterhin den Anspruch haben, dort, wo es ihre Größe erlaubt, als Hausbank aufzutreten. Wo es notwendig ist, sollen Firmenkunden gemeinsam mit der RLB OÖ betreut werden. Gleichzeitig soll die Spezialisierung auf Kundengruppen mit besonderen Anforderungen ausgebaut werden. Nach dem Agrarbereich sollen dabei als Nächstes die Gemeinden stärker in den Fokus rücken.

Jennifer Radner, Leiterin Produkt- und Portfoliomanagement, sieht die Vereinfachung und Digitalisierung der Kunden- und Beraterprozesse als zentrale Voraussetzung. Dazu sind unter anderem ein neues Kundenmanagementsystem mit einem 360-Grad-Blick auf den Kunden sowie die Ablöse des bisherigen Kreditantragssystems vorgesehen. Für Firmenkunden soll zudem ein eigenes Portal entstehen, über das sie Produkte und Services künftig durchgängig digital abschließen können.

Effizientere Prozesse

Effizienz und Einfachheit stehen auch bei den internen Abläufen im Mittelpunkt. „Es muss nicht jede Raiffeisenbank alles alleine machen“, bringt es Schwendtbauer auf den Punkt. Den Raiffeisenbanken sollen daher verstärkt Shared Services angeboten werden, die sie bei Bedarf nutzen können. Helmut Kern aus dem Bereich Strategie RBG OÖ und Sektorkoordination nennt etwa Angebote im Personalmanagement, bei der Verlassenschaftsabwicklung, bei Immobilienbewertungen oder im Rechnungswesen.

Parallel dazu wird an einem neuen Bankstellenkonzept gearbeitet. Angesichts des dichten Standortnetzes gehe es darum, unterschiedliche Bankstellentypen und deren künftiges Leistungsangebot zu definieren und die Standorte damit langfristig zukunftsfit aufzustellen.

Blick auf die Bühne bei den Verbund Impulsen von Raiffeisen OÖ 2026, mit Blick auf die neue Kampagne
Die Herbstkampagne wird bereits im neuen Design ausgespielt. © RLB OÖ

Gemeinsame Linie

Nicht nur in Oberösterreich, sondern im gesamten österreichischen Raiffeisensektor arbeitet man an einer stärkeren Zusammenarbeit. Die eigens dafür gegründete Kooperationsgenossenschaft habe bereits vieles auf den Weg gebracht, betont Schwendtbauer und verweist beispielsweise auf die neue Sektordienstleistungsgesellschaft, in der rechtliche Themen für den gesamten Sektor gebündelt werden.

Mit der kürzlich reorganisierten Zentralen Raiffeisenwerbung (ZRW) soll sich auch der Markenauftritt von Raiffeisen verändern. „Wir fordern sehr viel, vor allem auch Vereinheitlichung. Dem dürfen wir selbst nicht nachstehen“, sagt Schwendtbauer. Seit rund 30 Jahren verfolgt Raiffeisen Oberösterreich eine eigene Werbelinie mit dem charakteristischen Blau und hebt sich damit optisch vom übrigen Sektor ab. Nun sei es an der Zeit, „sich auch hier zu bewegen“. Mit einem österreichweiten, einheitlichen Styleguide soll die Marke Raiffeisen gestärkt werden. Bereits die Herbstkampagne soll im neuen Erscheinungsbild umgesetzt werden. Damit wird auch Oberösterreich gelb.

AusgabeRZ42-2026

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