Struktureller Vorteil für die Zukunft

Das Geschäftsjahr 2025 der Raiffeisen Ware Austria (RWA) war dominiert vom Rückkauf der Baywa-Anteile und der Bildung eines Schutzschirms. Nun habe man Kopf und Hände frei für das Transformationsprojekt 2027.

2025 war für die RWA ein Jahr mit geschichtlichem Wert: Nach 25 Jahren hat man sich aus der strategischen Zusammenarbeit mit der börsenotierten Baywa „befreit“, wie es Johannes Schuster, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Ware Austria, beschreibt: „Es ist schon ein riesengroßer struktureller Vorteil, als RWA – und damit Verbundspitze der Lagerhausgruppe – Entscheidungen entlang der agrarischen Realität in Österreich treffen zu können und nicht für externe Kapitalgeber.“ Die RWA ist nun zu 100 Prozent in österreichischer Hand, also im Eigentum heimischer Genossenschaften. Nach nicht einmal 10 Monaten sei es heuer zudem gelungen, den Akquisitionskredit durch den Verkauf zweier Immobilien in der Wiener Innenstadt zu tilgen. 

2025 war auch das erste volle Geschäftsjahr für das neue Vorstandsduo, Johannes Schuster und Christoph Metzker, die das „Momentum“ des Baywa-Rückkaufs genutzt haben, um die Organisation „auszuputzen“ und zukunftsfit aufzustellen: „Da haben wir extreme Fortschritte gemacht.“ Die „neue RWA“ soll eine verlässliche Verbundspitze sein, strikt dem Gründerauftrag folgend, so Schuster: „Größe ist derzeit nicht das treibende Kriterium. Wir möchten uns betriebswirtschaftlich besser aufstellen, damit wir für unsere Eigentümer, die Lagerhaus-Genossenschaften, ein hoch kompetenter und hoch kompetitiver Partner bleiben können.“ 

Für die RWA ist die genossenschaftliche Struktur eng mit regionaler Wertschöpfung verbunden. Rund 85.000 Mitglieder stehen hinter den Lagerhaus-Genossenschaften im Verbund. „Regionale Wertschöpfung entsteht entlang funktionierender landwirtschaftlicher und genossenschaftlicher Strukturen“, betont Vorstandsdirektor Christoph Metzker und ergänzt: „Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt sich, wie wichtig verlässliche Partnerschaften und stabile Versorgungsstrukturen für die Landwirtschaft sind.“

Lagerhaus von außen abends
Die Lagerhaus-Genossenschaften (Verbund NÖ, OÖ, Steiermark, Burgenland) beschäftigen an 1.000 Standorten rund 12.000 Mitarbeitende, bilden 1.100 Lehrlinge aus und haben 85.000 Mitglieder. Der Gesamtumsatz lag 2025 bei 4,7 Mrd. Euro. © Raiffeisen Lagerhaus GmbH

Umfassende Vorsorgen gebildet

Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte die RWA – mit rund 3.000 Mitarbeitenden – ein Ergebnis vor Steuern von 1,6 Mio. Euro, im Jahr 2024 waren es 11,9 Mio. Euro. Allerdings wurden „umfassende Vorsorgen“ gebildet, wie Schuster betont: „Negatives aus München kann nicht mehr durchschlagen, egal wie die Entwicklungen dort weitergehen. Diese Vorkehrungen haben Spuren in der Bilanz hinterlassen.“ Steigende Betriebsmittelkosten, volatile Agrarmärkte, geopolitische Spannungen und Wetterextreme haben ebenso das Geschäftsjahr 2025 geprägt. 

Differenzierte Entwicklung 

Der Umsatz war 2025 aufgrund der Segmente Technik und Energie um rund 6 Prozent rückläufig und erreichte 3,28 Mrd. Euro. Davon entfallen 1,94 Mrd. Euro auf das Agrargeschäft, das sich im Vergleich zu 2024 stabil entwickelte, insbesondere durch die Kernsegmente Saatgut, Betriebsmittel und Futtermittel. Belastend wirkten hingegen schwächere Preis- und Margenentwicklung im Getreidegeschäft sowie in einzelnen ackerbaunahen Bereichen. Selbst die guten Erntemengen hätten die fallenden Preise nicht kompensieren können. 

Der Landtechnikmarkt war 2025 weiterhin geprägt von hohen Lagerbeständen, steigenden Maschinenpreisen und einer zurückhaltenden Investitionsbereitschaft vieler landwirtschaftlicher Betriebe und steuerte 242,0 Mio. Euro zum Umsatz bei (2024: 266,9 Mio. Euro). „Wir haben 2025 noch mit der Historie gekämpft, aber die Lagerbestände im Vergleich zu 2024 halbiert. Und auch heuer werden wir die Bestände wieder halbieren können“, prognostiziert Christoph Metzker. Die Strategie, die Services wieder näher zum Kunden zu bringen, gehe auf: „Die gebündelte Kompetenz vor Ort wird sehr gut angenommen“, so Metzker, das spiegle sich auch in der Zulassungsstatistik wider. Im Vorjahr haben bekanntlich viele Lagerhaus-Genossenschaften ihre LTC-Werkstätten direkt übernommen. Trotzdem zeige sich im Technikbereich die Veränderung der landwirtschaftlichen Struktur besonders deutlich: 1972 gab es in Österreich noch 12.500 Traktorzulassungen, im Vorjahr waren es 3.000 Fahrzeuge. 

Investitionen in neue Energien

Im Geschäftsfeld Energie wirkten sich die internationalen Rohstoffmärkte und die Geopolitik weiterhin stark auf die Preisentwicklung aus. Der Umsatz lag 2025 mit 851,7 Mio. Euro um 163 Mio. Euro unter dem Wert von 2024. Im ersten Quartal 2026 verzeichnete man allerdings deutliche Umsatzzuwächse – preisbedingt. Gleichzeitig investierte die RWA weiter in Versorgungssicherheit und erneuerbare Energielösungen: Mit dem neuen Pelletslager in Pöchlarn wurde die Lagerkapazität erweitert, zusätzlich wurden im Vorjahr weitere Photovoltaik-Großprojekte umgesetzt. 

Mit Dienstleistungen punkten

Im Retail-Bereich „Haus&Garten“ standen 2025 die Modernisierung der Verkaufsflächen sowie die regionale Marktbearbeitung im Fokus, der Umsatz der 45 Franchisenehmer entwickelte sich leicht über dem Vorjahr und lag bei 665,1 Mio. Euro. Der Umsatz-Beitrag des Segments für die RWA lag bei 179,7 Mio. Euro. Belastend wirkten die anhaltende Kaufzurückhaltung privater Haushalte sowie der zunehmende Wettbewerbsdruck in einigen Regionen. 

Regional unterschiedlich entwickelte sich auch der Bereich Baustoffe. Die Baustoff-Umsätze der Franchisenehmer beliefen sich 2025 auf 505,3 Mio. Euro. „Insbesondere Lagerhaus-Genossenschaften mit starken Gewerbebetrieben haben gute Umsatzentwicklungen und einen positiven Schwung erfahren“, erklärt Metzker. Im reinen Baustoffhandel sei der Wettbewerb jedoch weiterhin groß. Zum Umsatz der RWA hat das Segment Baustoffe 51,3 Mio. Euro beigetragen. 

Meilensteine in 2026

Der RWA-Vorstand sieht sich insgesamt „gut unterwegs“ – auch im laufenden Geschäftsjahr. Mit dem erfolgreichen Abschluss des internationalen „Proteinnovation Discovery“-Programms des Agro Innovation Lab rückte die Sicherung der europäischen Proteinversorgung in den Fokus. Mehr als 100 Einreichungen aus 33 Ländern zeigten die internationale Relevanz des Themas. 

Meilensteine erreichte die RWA auch bei der Nutzung digitaler Plattformen. So wird „Onfarming“ von mittlerweile mehr als 20.000 landwirtschaftlichen Betrieben genutzt und inhaltlich laufend erweitert. Und auch mit dem „Agrarcommander“ habe man heuer die 400.000-Hektar-Grenze überschritten, ein Drittel der österreichischen Ackerfläche. 

Im Bereich erneuerbare Energie wird noch im Juni die erste Agri-PV-Anlage über einer Weinbaufläche in Österreich eröffnet.

Ein weiteres Highlight 2026 ist die Feier der 40-jährigen Partnerschaft mit John Deere. Vertrieb, Service sowie die Integration digitaler und vernetzter Technologien sollen weiter ausgebaut werden. Höhepunkt des Jubiläums wird dabei der gemeinsame Auftritt auf der Agraria 2026 in Wels sein.  

RWA-Vorstände Johannes Schuster und Christoph Metzker
Johannes Schuster und Christoph Metzker © RWA/Sandra Schartel

„Asset-Light-Strategie“ in CEE

Nach dem Rückkauf der Baywa-Anteile habe man nun auch „Kopf und Hände frei“ für das große Transformationsprojekt, das bis Ende 2027 läuft, wie Schuster erklärt. Dabei gehe es primär darum, die Nettoverschuldung herunterzuschrauben und das ­operative Ergebnis zu steigern. Dazu sind auch Redimensionierungen und Veräußerungen von Gesellschaften im RWA-Konzern nicht ausgeschlossen. Im Fokus steht dabei Zentral- und Osteuropa, wo man eine „Asset-Light-Strategie“ verfolgt, die Schuster kurz beschreibt: „Man muss etwa Lagerkapazitäten nicht immer auch besitzen, Miete statt Eigentum. Auch Abspaltung oder Verkauf von einzelnen Gesellschaften ist möglich.“ Man schaue sich jedes Land sehr genau an, ergänzt Christoph Metzker: „Aber es ist nicht vorgesehen, uns aus einem unserer fünf großen Geschäftsfelder komplett zurückzuziehen.“ Auch im Bereich Düngergroßhandel werde es keine Einschnitte geben, da man die gute Position am internationalen Markt nicht schwächen wolle. Allein im Jahr 2025 hat die RWA eine Million Tonne Dünger gehandelt. 

2026 bleibt herausfordernd

In Summe ist auch das heurige Agrarjahr von Unsicherheiten geprägt. Der anhaltende Iran-Konflikt, volatile Betriebsmittelmärkte und die aktuelle Trockenheit beeinflussen die Rahmenbedingungen stark. „Wir tun alles, um die Landwirtschaft und die Bauern so gut wie möglich zu unterstützen“, versichert Schuster. „Wir müssen dazu unseren eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen“, betonen Johannes Schuster und Christoph Metzker unisono. „Die gewonnene Eigenständigkeit gibt uns die Möglichkeit, die RWA weiterzuentwickeln, bestehende Strukturen zu überprüfen und Zukunftsfelder gezielt auszubauen“, so Schuster. „Entscheidend bleibt, dass wir nahe an den Betrieben bleiben und dort Lösungen anbieten, wo sie im Alltag in den Genossenschaften gebraucht werden“, erklärt Metzker abschließend.

AusgabeRZ23-2026

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