Wie geht es Ihnen aktuell in geopolitisch turbulenten Zeiten?
Eva Födermayr: Die aktuellen geopolitischen Turbulenzen, insbesondere der Konflikt im Nahen Osten und die daraus resultierenden Versorgungsschocks am Ölmarkt, stellen eine deutliche Herausforderung dar und erfordern ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen in der Beratung. Trotz der Unsicherheiten sehen wir auch Chancen, die sich aus Marktvolatilitäten ergeben und bleiben daher vorsichtig optimistisch.
Wie beurteilen Sie die geopolitischen Risiken für die Finanzmärkte?
Födermayr: Die geopolitischen Risiken sind weiterhin hoch. Ein Waffenstillstand im Nahen Osten sorgt zwar kurzfristig für Entspannung, doch die grundlegenden Konflikte sind nicht gelöst. Die Blockade der Straße von Hormus und die hohen Ölpreise belasten die globale Wirtschaft und treiben die Inflation. Die Finanzmärkte reagieren volatil, da die Unsicherheiten über die Dauer des Waffenstillstands und die Stabilität der Versorgung bestehen bleiben. Diese Risiken führen zu einer Neubewertung der Zinspolitik und haben damit erheblichen Einfluss auf den Kapitalmarkt.
Wie groß ist die Verunsicherung bei Ihren Kunden? Sind die Berater momentan stärker gefordert als sonst?
Födermayr: Die Verunsicherung bei unseren Kunden ist aufgrund des Marktumfelds spürbar gestiegen. Viele Anleger sind besorgt wegen der geopolitischen Unsicherheiten und der Inflationsentwicklung. Die Berater sind intensiv im Austausch mit den Kunden, die die individuelle Beratung gerade jetzt sehr schätzen.
Welche Investmentstrategie verfolgen die Kunden in volatilen Zeiten? Risiko minimieren oder günstige Einstiegschancen nutzen?
Födermayr: Das hängt stark vom individuellen Risikoappetit der Kunden ab. Einige bevorzugen eine vorsichtige Strategie mit Fokus auf Risikominimierung und Kapitalerhalt, während andere die Volatilität nutzen, um günstige Einstiegschancen zu ergreifen. Unsere Beratung zielt darauf ab, für jeden Kunden die passende Strategie umzusetzen und eine optimale Balance zwischen Risiko und Renditechancen zu finden. Risikomanagement spielt dabei immer eine zentrale Rolle.
Die EZB dürfte die Zinsen wieder anheben. Welche Investmentstrategie verfolgt die Kathrein Privatbank? Wo gibt es strategische Anpassungen?
Födermayr: Im Aktienbereich haben wir Risiko herausgenommen und die Aktiengewichtung reduziert. Die bisherige Übergewichtung in Europa haben wir aufgehoben und stattdessen eine stärkere Allokation in den US-Markt vorgenommen. Die USA sind weniger von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängig und somit potenziell wirtschaftlich stabiler. Zudem setzen wir vermehrt auf Qualitätsaktien und defensive Sektoren, die in einem Umfeld steigender Zinsen und Inflation mehr Stabilität bieten können. Im Anleihen-Segment erhöhen wir die Staatsanleihen bei kurzen Laufzeiten, um das Zinsänderungsrisiko zu verringern. Ergänzend dazu verringern wir die Gewichtung jener Anleihen-Segmente, die zurzeit ein größeres Rückschlags-Potenzial erwarten lassen, wie beispielsweise Unternehmensanleihen und Anleihen in Emerging-Markets-Währungen. Inflationsgeschützte Anleihen betrachten wir als potenzielle Absicherung und diese sind Bestandteil unseres Staatsanleihenportfolios.
„Der KI-Boom ist nicht vorbei, sondern erlebt eine Phase der Differenzierung.“
Kurskorrekturen gab es heuer auch beim Thema KI. Ist der Boom vorbei?
Födermayr: Der KI-Boom ist nicht vorbei, sondern erlebt eine Phase der Differenzierung. Nach starken Kursanstiegen folgt eine Konsolidierung, bei der sich die Spreu vom Weizen trennt. Investoren fokussieren sich zunehmend auf Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und realistischen Wachstumsaussichten im KI-Bereich. Die Frage, welche Software- und Technologieunternehmen überbleiben und von KI profitieren und welche möglicherweise obsolet werden, ist aber schwer abzuschätzen. Dazu kommt, dass gerade die Kurse von Technologieunternehmen unter den gestiegenen Zinserwartungen leiden.
Private Banking-Kunden galten immer als nicht sehr digital-affin. Hat sich daran etwas geändert? Wie gut werden digitale Angebote bei Ihren Kunden angenommen?
Födermayr: Es gibt einen klaren Trend zur stärkeren Nutzung digitaler Angebote auch im Private Banking. Die Akzeptanz digitaler Services, wie Online-Banking, Portfolioanalysetools oder auch Trading, wächst kontinuierlich. Dennoch bleibt der persönliche Kontakt bei vermögenden Kunden weiterhin ein entscheidendes Qualitätskriterium.
Wie entwickelt sich der Private-Banking-Markt in Österreich generell?
Födermayr: Der Private-Banking-Markt in Österreich ist weiterhin im Wachsen begriffen, getrieben durch eine steigende Zahl vermögender Privatkunden und sich positiv entwickelnder Vermögenswerte. Wir glauben auch, dass die Vermögensweitergabe an die nächste Generation ein Wachstumstreiber sein kann. In Österreich wird bis 2050 ein Vermögen von rund 700 Milliarden Euro vererbt. Da ist sozusagen viel Vermögen in Bewegung. Entscheidend ist, dass es dabei nicht nur um Veranlagung geht, sondern vielmehr darum, bei der Beratung und Strukturierung die gesamte Lebensplanung und Familiensituation zu erfassen und miteinzubeziehen. Unser „Kathrein Family Konsult“-Expertenteam unterstützt hier professionell und zielgerichtet. Wir bieten umfassende Kompetenz bei Vermögensstrukturierung und Unternehmensnachfolge sowie der Gründung und Betreuung von Stiftungen. Durch die ganzheitliche Ausrichtung unserer Betreuung können wir komplexe und emotionale Fragestellungen rund um die Vermögensweitergabe im Kern adressieren und agieren als vertrauensvoller Partner.
Sie haben vor gut einem Jahr die Leitung des Private Banking Teams Österreich übernommen. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem ersten Jahr in der Kathrein Privatbank?
Födermayr: Ich bin sehr zufrieden mit dem ersten Jahr. Es ist gelungen, das Private Banking Österreich erfolgreich weiterzuentwickeln, unsere Kundenbasis zu erweitern und die Beratungsqualität durch gezielte Maßnahmen zu steigern. Die positive Resonanz unserer Kunden bestärkt uns in unserer Strategie.
„Es ist entscheidend, Fragen zu stellen, die zum Nachdenken anregen.“
Welche Schwerpunkte haben Sie schon gesetzt bzw. wollen Sie in Zukunft noch setzen?
Födermayr: Wir legen großen Wert auf eine ganzheitliche Beratung, die weit über klassische Investmentfragestellungen hinausgeht und insbesondere auch die individuelle Lebensplanung berücksichtigt. Wir bieten eine sehr breites Leistungsspektrum und zeichnen uns durch maßgeschneiderte Investmentkonzepte für unsere Kunden aus. Ein typisches 50/50-Portfolio genügt im Wettbewerb nicht mehr. Daher setzen wir beispielsweise auch alternative Investments ein. Künftig wollen wir unsere digitalen Angebote noch erweitern, denn die nächste Generation setzt hier einen zunehmend höheren Standard voraus.
Wie umkämpft sind vermögende Kunden in Österreich?
Födermayr: Der Wettbewerb um vermögende Kunden ist intensiv. Wir punkten durch maßgeschneiderte, persönliche Beratung, hohe Kompetenz und Professionalität sowie ein ungewöhnlich umfassendes Serviceangebot und schnelle Umsetzung. Es ist entscheidend, Fragen zu stellen, die zum Nachdenken anregen. So kann man Vertrauen aufbauen und langfristige Partnerschaften etablieren.
Welche Services – über die reine Geldveranlagung hinaus – werden besonders gerne genutzt?
Födermayr: Unsere Kunden schätzen besonders, dass sie, neben dem Private Banker auch mit unseren Asset Managern und den Experten von Kathrein Family Konsult direkt und persönlich sprechen können. Der Wert des persönlichen Austauschs nimmt gerade in diesen unsicheren Zeiten stark zu.
Gibt es konkrete Ziele, die Sie mittel- oder langfristig erreichen wollen?
Födermayr: Zentrales Ziel ist es, die meistempfohlene Privatbank Österreichs zu sein. Um dies zu erreichen, bedarf es bester Beratungsqualität, exzellenten Services und innovativer Lösungen.








