RLB Tirol: Rekordergebnis als Wachstumsbasis

Die Raiffeisen-Landesbank Tirol blickte bei ihrer Hauptversammlung auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 mit dem höchsten EGT in ihrer Geschichte zurück. Das neue RAIQA stellt einen der Grundpfeiler für die künftige strategische Ausrichtung dar.

„Wir stehen an einem bedeutenden Wendepunkt in der Geschichte unserer Bank“, betonte Johannes Peter Bachler, Aufsichtsratsvorsitzender der Raiffeisen-Landesbank Tirol, bei der diesjährigen Hauptversammlung. Gemeint waren dabei nicht die erfolgreiche Bilanz des Geschäftsjahres 2025, sondern der beeindruckende Rahmen. Erstmals fand die Versammlung im erst wenige Tage zuvor offiziell eröffneten neuen Hauptgebäude der Bank, dem RAIQA, statt. Das monumentale Gebäude sei „Ausdruck der Stärke der Raiffeisen-Bankengruppe Tirol“ und „Symbol unserer Vision und unseres Engagements für die Zukunft“, schwärmte Bachler im Veranstaltungssaal Friedrich mit Ausblick auf Innsbruck und die Nordkette.

Die Stärke der RLB Tirol zeigt sich neben dem Bauwerk freilich auch in den Zahlen. So konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 55,5 Mio. Euro erzielt werden – laut Risikovorstand Christof Splechtna handelt es sich um das höchste EGT in der Geschichte der Bank.

Bemerkenswert sei das Ergebnis auch deshalb, weil man durch die Zinsentwicklung auf den globalen Märkten „ordentlich Federn gelassen“ habe, zusätzlich habe eine vorsichtige Kreditpolitik auf die Marge gedrückt. Angesichts dieser Entwicklung lagen die Betriebserträge mit 136,5 Mio. Euro zwar unter dem starken Vorjahr (152,7 Mio.), aber über Plan (131,4 Mio.). Insgesamt konnte ein Betriebsergebnis von rund 55 Mio. Euro erzielt werden.

„Ausgezeichnete Risikosituation“ kein Zufall

Der wirtschaftliche Erfolg wurde maßgeblich durch ein sehr gutes Finanzierungsgeschäft sowie durch eine deutliche Steigerung der Dienstleistungserträge getragen. Zusätzlich wirkten sich ein über den Erwartungen liegender Dividendenertrag aus der Beteiligung an der RBI sowie ein erstmals positives Risikoergebnis besonders positiv auf das Jahresergebnis aus. „Unsere ausgezeichnete Risikosituation ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer auf Tirol konzentrierten Kreditpolitik sowie vorausschauender Steuerung. Sie gibt uns die notwendige Stabilität für zukünftiges Wachstum“, erklärte Splechtna.

Das Kreditgeschäft wuchs deutlich stärker als die Kundeneinlagen. Während sich die Forderungen an Kunden um 6,5 Prozent auf 3,47 Mrd. Euro erhöhten, stiegen die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden um 2,8 Prozent auf 2,29 Mrd. Euro. Splechtna verwies auf „viel Neugeschäft in allen Kundengruppen“, besonders bei der öffentlichen Hand. Auf der Einlagenseite betonte er das anhaltende Vertrauen in die Landesbank — „sowohl von Kunden in Tirol, aber auch institutionell in ganz Österreich“.

Gestärkt wurde auch die Kapitalbasis. Trotz zusätzlicher regulatorischer Anforderungen durch den internationalen Bankenregulierungsrahmen Basel III konnte die RLB Tirol ihre harte Kernkapitalquote auf 16,33 Prozent (2024: 16,04) steigern. Die Gesamtkapitalquote stieg auf 16,85 Prozent (2024: 16,75). Das sei Splechtna zufolge nicht selbstverständlich, da die Umsetzung von Basel III die Bank über 1 Prozent an Kapital gekostet habe.

Am Rekordergebnis sollen auch die Aktionäre teilhaben: Der Bilanzgewinn belief sich nach Dotation der Rücklagen auf 9,24 Mio. Euro. Die Hauptversammlung beschloss eine Dividende von 100 Euro je dividendenberechtigter Namens- bzw. Stammaktie sowie 125 Euro je dividendenberechtigter Aktie.

„Gerade in einem wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld zeigt sich die Stärke unseres Geschäftsmodells. Das gute Ergebnis 2025 bestätigt, dass wir als Raiffeisen-Landesbank Tirol stabil aufgestellt sind, Chancen konsequent nutzen und gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden sowie den Tiroler Raiffeisenbanken erfolgreich agieren“, sagte Vorstandsvorsitzender Thomas Wass.

Marktführerschaft als Ziel

Abseits der Präsentation der Bilanzzahlen und breitem Lob für das RAIQA stellte der Vorstand die künftige strategische Ausrichtung, die auf dem neuen Hauptquartier aufbauen soll, in den Mittelpunkt. 

Das Gebäude solle Mehrwert liefern, betonte Wass: „Mehr als eine Bank, mehr als die einzelnen Teile, mehr als Beton, Glas und Holz.“ Er bezeichnete das RAIQA als „Brücke“ zur Stadt, zu den Kunden, zwischen den Mitarbeitern und Generationen sowie „zwischen dem, was wir sind und dem, was wir sein wollen“. Entsprechend der im Vorjahr verabschiedeten Strategie 2029 will man künftig die kundenorientierteste Regionalbank Tirols sein, sagte Wass und betonte: „Wir wollen Marktführer werden und unsere Ertragskraft steigern. Dafür müssen wir uns noch mehr an den Bedürfnissen unserer Kunden orientieren.“ Leistungen müssten einfacher, verständlicher und besser sowie nicht zuletzt schneller erbracht werden. Dabei sei man bereits auf einem guten Weg.

Führungskräfteentwicklung und Nachhaltigkeit

In der Umsetzung konzentriert sich die RLB Tirol heuer besonders auf Wachstum: Man wolle „gezielt in allen Kundengruppen wachsen“, so der Vorstandsvorsitzende. Organisatorisch habe sich die Bank dafür in den Bereichen Firmenkunden, Private Banking und Institutionen neu aufgestellt. Zudem seien eine Marktoffensive und ein Neukundengewinnungsprojekt bereits gut angelaufen. „Ich bin überzeugt, dass wir unsere ambitionierten Ziele erreichen werden, dazu braucht es aber generell in allen Unternehmensbereichen ein starkes Team“, erklärte Wass. Deshalb liege ein weiterer strategischer Schwerpunkt in diesem Jahr auf der Entwicklung der Führungskräfte. „Denn gute Strategien stehen und fallen mit Menschen, die sie tragen“, brachte er es auf den Punkt. Man habe im Haus bereits viel Erfahrung und Know-how, es brauche jedoch sorgfältig lenkende und verbindende Führung, um daraus noch mehr Wirkung zu entfalten.

An diesen Gedanken knüpfte Vorständin Gabriele Kinast an. Um als Organisation in einem dynamischen Umfeld lern- und handlungsfähig zu bleiben, seien aus ihrer Sicht „Wissensfluss und Wissensnetzwerke statt Silos“ entscheidend. Denn: „Werte entstehen durch Transparenz und das Teilen von Wissen über Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinweg.“ Besonders hob Kinast dabei die neue Personalstrategie hervor, die Entwicklung nicht nur innerhalb der RLB Tirol ermöglichen, sondern auch die Arbeitgebermarke stärken und zur Zukunftsfähigkeit der Bank beitragen soll.

Als dritten Schwerpunkt nannte Wass Nachhaltigkeit, die man weiter forcieren wolle: „Die aktuelle Krise überdeckt oft dieses wichtige Thema und viele Regularien machen es bürokratisch. Für uns ist das aber ein Ausdruck unserer Verantwortung gegenüber Kunden, Mitarbeitern, der Region und vor allem auch den kommenden Generationen.“

AusgabeRZ21-2026

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